Wiesenviertel ist "stillfreundlich"

Drei Geschäftsinhaber von insgesamt 14, die von Arne Gericke, MdEP (2. v.r.) mit dem „Stillenden Stern“ ausgezeichnet wurden: Bärbel Wolfes-Maduka (Der Hutsalon), Michael Kapmeyer (Naturtuche) und Sebastian Brunnstein (Zwergperten) mit Sohn Frederik.
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  • Drei Geschäftsinhaber von insgesamt 14, die von Arne Gericke, MdEP (2. v.r.) mit dem „Stillenden Stern“ ausgezeichnet wurden: Bärbel Wolfes-Maduka (Der Hutsalon), Michael Kapmeyer (Naturtuche) und Sebastian Brunnstein (Zwergperten) mit Sohn Frederik.
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Im Wiesenviertel dürfen Mütter ihre Kinder nun auch ganz offiziell fast überall stillen – 14 Ladeninhaber, Gastronome und Ärzte wurden kürzlich mit dem „Stillenden Stern“ ausgezeichnet. Dabei handelt es sich um eine Initiative des Europaparlaments, bei der überall in Deutschland „stillfreundliche“ Orte markiert werden.

Dass eine Mutter ihr Kind überall dort stillt, wo es Hunger hat, ist selbstverständlich – sollte man meinen. Doch Arne Gericke, Mitglied des Europäischen Parlaments und Ideengeber der Initiative, hat diesbezüglich ganz andere Erfahrungen gemacht, wie er sagt: „Ich bin in Papua-Neuguinea aufgewachsen. Dort ist das Stillen in der Öffentlichkeit völlig normal, hierzulande leider nicht. In Hildesheim ist eine Frau, die ihr Kind im Park gestillt hat, von einem Polizisten aufgefordert worden, dazu nach Hause zu gehen. Und es sind immer wieder Fälle vorgekommen, dass Mütter in Bussen und Bahnen aufgefordert worden sind, zum Stillen im Bahnhof auf die Toilette zu gehen, was bei dem Zustand, in dem sich viele Toiletten befinden, absolut unzumutbar ist.“
Daher rief Arne Gericke im Jahr 2015 die Initiative „Stillender Stern“ ins Leben. Geschäfte, die jungen Müttern ausdrücklich die Gelegenheit bieten, ihr Kind dort zu stillen, können diesen Stern in Form eines deutlich sichtbaren Aufklebers ins Schaufenster kleben.
Die Initiative ist in Europa bisher einmalig und wird es wohl auch bleiben, denn außerhalb Deutschlands ist ein „Stillender Stern“ nicht notwendig. Arne Gericke: Wenn wir Europa nehmen, und ich bin ja Abgeordneter, ist das ein typisch deutsches Problem. In Italien, Polen, Frankreich, Spanien oder anderen Ländern gibt es so etwas nicht.“
Sebastian Brunnstein, Inhaber des Geschäfts „Zwergperten“ am Humboldtplatz, kam auf die Idee, den Stern in möglichst viele Geschäfte im Wiesenviertel zu holen. Dafür ging er dort „klinkenputzen“ – mit Erfolg: 14 von 22 ansässigen Geschäftsinhabern erklärten sich spontan bereit, Müttern einen Platz zum Stillen anzubieten.
Ein solcher Zusammenhalt ist auch für Arne Gericke neu, wie er sagt: „Dass fast ein ganzes Viertel mit dem Stern ausgezeichnet wird, ist absolut außergewöhnlich.“

Autor:

Walter Demtröder aus Witten

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