Diesel in der Gießkanne: Zerstört wurde ein Baum in Karnap, Gefahr fürs Grundwasser ist unklar

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Fassungslos: Grigorios Gerouchatzis bangt um den verseuchten Baum. Fotos: Müller
 
Das stinkt zum Himmel: Proben der Baumerde. Gut erkennbar die ölige Struktur des Bodens.

Ein stechender, öliger Gestank nach Diesel treibt aus Erde und Wurzeln des einst stolzen Ahornbaumes, der jetzt nur Schatten seiner selbst ist: fast traurig hängen die gelblichen, verwelkten Blätter herunter, stark gelichtet die Krone der über 30 Jahre alten Pflanze. Besonders schlimm: Schuld an der tragischen Entwicklung könnte ein Mensch sein, dem der Baum ein Dorn im Auge war. Über mögliche Gefahren der Verschmutzung bleiben Bewohner des angrenzenden Hauses weiter im Unklaren.

„Eine Probe der kontaminierten Erde des Baumes haben weder der Hausverwalter noch das Umweltamt machen lassen“, berichtet Grigorios Gerouchatzis, Miteigentümer des Hauses in der Karnaper II. Schockenhecke. Mit mehreren anderen Parteien lebt er dort seit rund sechs Jahren, zum Gelände gehört ein eigener Gemeinschaftsgarten. Das Grün ist in gutem Zustand, zwei Ahornbäume zieren die Fläche. Die Organisation des Hauses obliegt dabei einem kommissarischen Verwalter, er kümmert sich um organisatorische Dinge.

Gefahr fürs Grundwasser?

Schon vor einiger Zeit fiel Gerouchatzis auf, dass einer der beiden Bäume in zunehmend schlechtem Zustand war: Die Blätter welkten, die Krone lichtete sich. Eine Erklärung dafür fiel ihm anfangs nicht ein. Verdächtig: Der benachbarte Ahorn im gleichen Beet erfreut sich bester Gesundheit. Eines morgens dann der große Schock, Gerouchatzis kann seinen Augen kaum trauen: „Ich habe gesehen, wie eine Person aus dem Haus den Baum gegossen und die Wurzeln dann mit Blättern abgedeckt hat.“ Als der besorgte Miteigentümer die Stelle untersucht, sticht ihm der Gestank von Benzin in die Nase, bemerkt er, wie schwarz und schlierig die Erde um den Ahorn ist. Alarmiert und geistesgegenwärtig ruft Gerouchatzis sofort die Feuerwehr. Die Beamten kommen, begutachten die Stelle kurz und ziehen wieder ab. „Die Feuerwehr hat keine Zuständigkeit Bodenproben zu nehmen“, erläutert ein Sprecher. Das ist Aufgabe des Umweltamts, die bis heute nicht tätig geworden sind, weil keine akute Gefährdung bestehe. Gerouchatzis Anruf beim Hausverwalter stößt ebenfalls auf taube Ohren. Zwar ließ der Verwalter inzwischen die verseuchte Erde wegschaffen, über die Ereignisse informiert wurden die Wohnungsinhaber aber letztendlich von Gerouchatzis. Hintergrund der Aktion könnte in seinen Augen sein, dass der Baum der verdächtigen Person das Licht nahm und im Herbst auf dem Balkon Blätter verliert.
Gerouchatzis größte Sorge dabei: „Man weiß nicht, welche Menge dem Baum zugeführt wurde. Der Schaden ist so beträchtlich, dass der Boden verseucht ist und vielleicht sogar das Grundwasser betroffen ist.“ Eine Ferndiagnose ist zwar nicht, wie der Feuerwehrsprecher betont: „Da muss man tatsächlich Bodenproben ziehen.“ Grundsätzlich sei die Gefahr aber nicht auszuschließen: „Das hängt von der Menge ab. Es kann eine Gefährdung des Grundwassers geben, wenn der Verdacht besteht, dass es häufiger vorgekommen ist.“

Bisher keine Proben

Eine Reaktion auf seine Bemühungen erhielt der Miteigentümer bisher nicht. Das Umweltamt schweigt über den Vorgang, der Verwalter ist nach den Geschehnissen in Urlaub gegangen und hat die Geschichte vorerst auf Eis gelegt: „Bloß keinen Ärger, bloß keinen Aufwand!“ Gerouchatzis hat selbst Proben der verseuchten Erde genommen, will diese aber erst einschicken, wenn keiner der Verantwortlichen handelt. Angst hat er jetzt, dass der Baum bis zu seinem bitteren Ende weiterleiden muss und alles einfach unter den Teppich gekehrt wird. Thema für die Eigentümer würden die Ereignisse erst im Oktober, dann finde eine nachträgliche Sitzung statt.
Der Nord Anzeiger fragte über die Stadt Essen ebenfalls mehrfach beim Umweltamt an, ob eine Gefährdung für des Grundwasser bestehe und warum keine Bodenproben genommen wurden, erhielt dazu aber bisher keine Antwort.
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