Gelsenkirchen und Herne als Vorbild

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Das A42-Teilstück zwischen Essen-Nord und Gelsenkirchen-Heßler ist in die Jahre gekommen. (Foto: Gohl)

Während die täglich 80.000 PKW auf dem Essener A42-Abschnitt noch kein Tempolimit kennen, ist die Geschwindigkeit, mit der Straßen.NRW eine mögliche Lärmsanierung prüft, wohl noch ausbaufähig. Nun zogen die Mitglieder der Bürgerinitiative eine erste Bilanz. Essener Politiker wollen sich stärker für die Sanierung einsetzen. Mehr als 40 Teilnehmer diskutierten dabei auch über das Projekt „Solar-Park-Autobahn“.

Dirk Scheidats Leben ist eng mit der A42 verknüpft. Denn die Bundesautobahn 42, oft einfach Emscherschnellweg genannt, verläuft knapp 100 Meter hinter seinem Wohnhaus - gut versteckt hinter Bäumen. Dabei reicht sie in West-Ost-Richtung quer durch das Ruhrgebiet und schneidet auch Altenessen in zwei Teile. „Da ich hier aufgewachsen bin, habe ich miterlebt, wie sich die städtische Schnellbahn über die Jahre zur Autobahn entwickelt hat“, erklärt der Mitbegründer der Bürgerinitiative A42 - Essen, die eine Lärmsanierung des Essener Abschnitts anstrebt. Denn auf dem 3,9 Kilometer langen Teilstück gibt es keine Geschwindigkeitsbegrenzung, der Straßenbelag ist über weite Teile fast 50 Jahre alt. „Auch die Lärmschutzwände weisen große Lücken auf und sind grundsätzlich einfach zu niedrig gebaut“, mahnt Dirk Scheidat.

Bis zu 70 Dezibel während des Feierabendverkehrs

Deswegen häufte sich mit der Zeit der Unmut der Anwohner stetig: „Im Sommer kann man selbst nachts das Fenster kaum öffnen“, klagt er und weist auf eine Lärm-Messung vom letzten Juli hin - das Ergebnis sprach für sich: bis zu 70 Dezibel während des Feierabendverkehrs. Doch erst die Baumaßnahmen in den ebenfalls betroffenen Nachbarstädten brachten das Fass zum Überlaufen. Während in Gelsenkirchen und Herne (bereits ab 2010) mit neuen Lärmschutzwänden und Flüsterasphalt wieder Ruhe einkehrte, sieht es auf dem Essener-Teil der A42 noch immer dürftig aus. „Die Gelsenkirchener Bürgerinitiative ist einfach früher gestartet“, erklärt sich Dirk Scheidat die Vernachlässigung des Abschnitts vor seiner Haustüre. Daneben sei der Zuspruch aus der Gelsenkirchener Politik offensichtlich sehr schnell gekommen, mutmaßt er.

„Vor genau einem Jahr habe ich dann mit Janusch und Ricarda Rentenatus eine Initiative für Essen gegründet“, erinnert sich Dirk Scheidat - vorausgegangen waren etliche erfolglose Versuche alleine bei Straßen.NRW, dem Landesbetrieb für Straßenbau, Gehör zu finden (der Nord Anzeiger berichtete). Doch mittlerweile versuchen knapp 100 Mitglieder der Bürgerinitiative, auf den Lärm in Altenessen, Vogelheim und Karnap aufmerksam zu machen. So sucht man nicht nur auf Facebook nach Unterstützern, sondern rief auch im Juli zu einer Demonstration auf – bewaffnet mit Ohrenstöpseln. Denn man wusste, dass einiges an Überzeugungsarbeit zu leisten war. Gespannt wartete man auf die für Herbst 2013 geplante „lärmtechnische Untersuchung“ durch Straßen.NRW – bis heute.

Lärm-Untersuchung weiter verschoben

„Nachdem man die Untersuchung zunächst auf Dezember verschoben hatte, wird uns momentan ein Termin im zweiten oder dritten Quartal 2014 in Aussicht gestellt“, sagt Dirk Scheidat sichtlich genervt. Denn die Zeit drängt: Bereits im Juli vergangenen Jahres entschied Landesverkehrsminister Michael Groschek, dass es definitiv statt 2020 nun schon 2015 eine Lärmsanierung auf dem 3,9 Kilometer langen Abschnitt zwischen Essen-Nord und Gelsenkirchen-Heßler geben werde – ohne jedoch Details zu nennen. „Das Ziel kann nur sein, dass alle unsere Forderungen auch vollständig umgesetzt werden“, betont Dirk Scheidat.
Ein Kompromiss, der beispielsweise nur eine Ausbesserung der Fahrbahn vorsähe, sei mit ihm nicht zu machen. Auch Hans-Wilhelm Zwiehoff, Bürgermeister des Bezirks V, kündigte ein intensivere Zusammenarbeit der Stadt mit der Bürgerinitiative an. „Wir wollen eine Geschwindigkeitsbegrenzung, Lärmschutzwände und einen Austausch des Straßenbelags“, zeigt sich Dirk Scheidat entschlossen.

Daneben konnte die Bürgerinitiative erstmals das Projekt der Solar-Park-Autobahn-A42 auf der Versammlung vorstellen. Gemeinsam mit der Klimaagentur, einer Einrichtung der Stadt Essen, soll nun das Konzept des „solaren Lärmschutzes“ weiterverfolgt werden. „Die Klimaagentur ist begeistert und hat großes Interesse, das Projekt zu unterstützen“, sagt Dirk Scheidat. Als Teil des Projekts „Klima-Initiative-Essen“ erhält die Agentur auch Fördergelder des Bundesministeriums für Bildung und Forschung. „In Brandenburg finden sich schon ähnliche Vorhaben“, berichtet Dirk Scheidat und verweist auf den Ausbau der A10.

Solarprojekt und Grüne Hauptstadt verknüpfen

Momentan sei man jedoch auf der Suche nach Investoren – über eine Verknüpfung des Solar-Projekts mit der Bewerbung Essens als Grüne Hauptstadt Europas 2014 werde nachgedacht. Voraussetzung für alle Vorhaben sei jedoch eine „gute Zusammenarbeit“ zwischen lokalen Bürgerinitiativen sowie politischen Akteuren. Weitere Informationen unter www.a42-essen.de.
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