Falsche Tierliebe: Tauben-Fütterung an Altenessener A42-Brücke schadet Vogel und Mensch

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Sieht so echte Tierliebe aus? Eine arme Taube verendete in der unappetitlichen Spur aus Kot und Kleister. Fotos: Müller
 
Gespenstisch: Wer verteilt nachts das Futter zwischen Karnap und Altenessen?

Es ist doch ein bisschen gespenstisch: Jeden Morgen findet sich an der Autobahnbrücke der A42 über die Altenessener Straße Futter für die dort beheimateten Tauben. Solch falsche Tierliebe ist an sich nicht selten, Menge, Uhrzeit und Regelmäßigkeit schon. Die Folge der langjährigen, mysteriösen Futteraktionen sind Heerscharen von herrenlosen Tauben und eine breite Spur von Kleister und Kot.

50 Kilo in drei großen Eimern: Diese Menge an Taubenfutter mussten die SPD-Bezirksvertreter Jürgen Theodor Garnitz und Peter Stauder bei einer Reinigungsaktion an der Autobahnbrücke der A42 über die Altenessener Straße entsorgen. Was bleibt ist die lange Spur aus Taubenkot und Plakatkleister, die sich unter dem gesamten Bauwerk am Bürgersteig entlangzieht. „Die Tauben sind natürlich deshalb da, weil sie dort brüten können“, erläutert Grünen-Ratsherr Walter Wandtke. „Säckeweise Mais und altes Brot“ hat auch der Bezirkspolitiker dort bemerkt, nicht nur Tauben wurden von den Geschenken angezogen: „Ratten mögen das natürlich sehr gerne“, weiß Wandtke. „Ganz zutraulich“ waren die Nager zwischenzeitlich, mittlerweile sind die Vierbeiner zum Glück wieder verschwunden. Besonders problematisch ist, dass zum Teil der Schulweg von Kindern der nahe gelegenen Emscherschule unter der Brücke liegt.
Doch woher kommt das Futter überhaupt? Eine definitive Antwort gibt es bisher zwar nicht, einige Indizien schon: So ist bekannt, dass die Fütterung zu später Stunde stattfindet, denn bei Morgengrauen liegt der Mais bereits an der Brücke. Zudem gab es einen ähnlichen Fall vor einigen Jahren in Altenessen-Mitte. Damals wurde an der Winkhausstraße ebenfalls jede Nacht Futter verteilt. Das Ordnungsamt konnte den Täter fassen, der alten Dame aus Karnap wurde eine Strafe aufgebrummt. Nicht nur deshalb ranken sich ähnliche Gerüchte um die fehlgeleitete Tierliebe an der Autobahnbrücke: Auch dort wurde eine ältere Frau bemerkt, die von Karnap bis Altenessen Plastikschälchen aufstellt.

„Das ist dann halt so!“

Zuständig für Reinigung, Instandhaltung und Sanierung der Autobahnbrücken ist Straßen.NRW, verantwortlich fühlt sich der Landesbetrieb nicht: „Wir gehen mit der Problematik gar nicht um, weil der Aufwand zu groß wäre“, erläutert Ahmed Karroum, Abteilungsleiter Bau. Und: „Wenn da Tauben sind und stören, dann ist das halt so!“ Neue Bauwerke werden zwar durchweg mit entsprechenden Schutzmaßnahmen ausgestattet – meist Plexiglas oder Gitter –, aber älteren kommt so viel Aufmerksamkeit nur zuteil, wenn Personal von Straßen.NRW bei Arbeiten an den Bauwerken gestört wird. Eine Hauptprüfung findet alle sechs Jahre statt, ein Zwischenprobe alle drei. In unregelmäßigen Abständen gibt es zudem einfache Besichtigungen, von Schwierigkeiten mit der A42-Brücke ist Karroum nichts bekannt. „Ich weiß, dass das für den einen oder anderen ein Ärgernis ist, aber wir gehen hier mit Steuergeldern um.“

In flagranti

„Die Verantwortlichen halten sich raus und letztendlich liegt es dann am einzelnen Bürger das sauber zu machen“, kommentiert Garnitz bitter. Zusammen mit SPD-Fraktionsmitglied Peter Stauder hat er schon mehrfach das ausgestreute Futter entfernt, doch ihr Einsatz bleibt ein Tropfen auf den heißen Stein. Ähnlich aktiv war im vergangenen Jahr die SPD-Karnap. Nach Unterzeichnung eines ellenlangen Vertragswerkes wurde es ihnen gestattet, in Eigenregie ein Netz unter einer Brücke zu installieren. Das enttäuschende Ergebnis: Eine Taube hatte sich in den Schatten des Bauwerks versteckt und war dort kurze Zeit gefangen – Tierschützer gingen auf die Barrikaden.
Und der Ursprung des Taubenfutters? Der bleibt weiterhin unklar. Dem Ordnungsamt sind die Hände gebunden, solange der Tierfreund nicht auf frischer Tat – also mit einer Handvoll Trockenfutter im Anschlag – ertappt wird: „Wenn man die Dame nicht in flagranti erwischt, kann man nichts machen“, bestätigt Hans-Wilhelm Zwiehoff, Bezirksbürgermeister Bezirk V.

Dass die wenigstens Vögel in freier Wildbahn auf solche Hilfe angewiesen sind, es aber durchaus Wege gibt ihnen Gutes zu tun, erläutert Sabine Pfeffer in ihrem Kommentar zum Artikel.
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2 Kommentare
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Melina Köchling aus Duisburg | 07.06.2015 | 20:49  
Alexander Müller aus Essen-Borbeck | 08.06.2015 | 10:00  
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