Jahresrückblick Essen Nord, Teil 1: Flüchtlingsfrage

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Kicken für Flüchtlinge aus der Kapitelwiese stand im Oktober im Kinder- und Jugendtreff Stoppenberg auf dem Programm. Die Einrichtung der Jugendhilfe Essen lud zu Fest und Fußballspektakel ein: „Wir wollten ein Zeichen für Freundschaft, Völkerverständigung und Begegnung setzen“, erläutert Jugendhilfe Essen-Sozialarbeiter Marc Habermann. Archivfoto: Müller/JHE
 
Nach dem Wechsel in den Krisenmodus stampft die Stadt Essen ein Zeltdorf nach dem anderen aus dem Boden, inzwischen sind es zehn an der Zahl. Foto: Stadt Essen

Kaum ein Thema hat Nation und Essener Norden im Jahr 2015 so bewegt wie die Flüchtlingsfrage. Lösten im vergangenen Jahr bereits die Behelfseinrichtungen Tiegelschule und Kapitelwiese Debatten aus, ahnte niemand, welche Dimensionen die Zahl der Asylbewerber annehmen würden. War die erste Reaktion der Stadt Essen zusätzliche feste Unterkünfte, folgten bald Turnhallen und Zeltdörfer. Und in 2016? Da wird auf Naturschutzgebiet und Baufläche geplant.

Eine blauäugige Prognose hatte das Innenministerium Anfang 2015 auf Lager: Gerechnet wurde mit knapp 230.000 Asylbewerbern für das gesamte Jahr, im Dezember überschreitet der tatsächliche Wert die Millionengrenze. Allein 300.000 zusätzliche Flüchtlinge aus den Westbalkanländern werden schon im Februar erwartet, die Stadt Essen reagiert zunächst mit einer Erweiterung der Behelfseinrichtungen Tiegelstraße im Nordviertel und Kapitelwiese in Stoppenberg. Parallel wird eine dritte Einrichtung im Boecker-Gebäude an der Hülsenbruchstraße hergerichtet.

Leben im Container

Juli 2015: Ordnungsdezernent Christian Kromberg tritt auf den Plan. „Wir sind im Krisenmodus und müssen Obdachlosigkeit verhindern“, erläutert Peter Renzel, Sozialdezernent der Stadt, die Einberufung des Krisenstabs und gibt gleichzeitig das Motto für die kommenden Monate vor. Quasi mit Fertigstellung der Behelfseinrichtung Hülsenbruchstraße kündigt die Stadt den neuen Modus zur Notunterbringung an: Zeltdörfer, im Juli noch lediglich drei an der Zahl. Das erste überhaupt wird am ehemaligen Sportplatz am Altenbergshof, Nordviertel/Altenessen-Süd, entstehen, zwei weitere gibt’s in Holsterhausen und in Heidhausen. Für die Container spricht eigentlich nur, dass sie sich sehr schnell aus dem Boden stampfen lassen. Lange hielten die neuen Kapazitäten nicht, schon Mitte August liebäugelt die Stadt Essen mit weiteren Standorten, unter anderem mit der Sportanlage an der Erbslöhstraße. Wie schon beim Altenbergshof passen 400 Asylbewerber in das Zeltdorf. Ganz anders sieht‘s mit dem siebten Containerstandort, dem Mathias-Stinnes-Stadion in Karnap, aus: Satte 700 Flüchtlinge will die Stadt Essern dort platzieren, ein Aufschrei geht durch den Stadtteil – kein Wunder, wenn man bedenkt, dass Karnap keine 8.000 Einwohner hat. Inzwischen – oder für den Moment – hat die Stadt Essen die Zahl auf 400 beschränkt, der Runde Tisch Karnap lädt die Neuankömmlinge mit zahlreichen Angeboten in den Stadtteil ein.

Potenziale

Zufrieden ist Thomas Kufen mit der Unterbringung in Zeltdörfern nicht, Anfang Dezember schlägt er deshalb 15 potenzielle Standorte für feste Bauten vor, die noch in 2016 entstehen sollen. Parallel sollen die Flächen mittel- oder langfristig für Wohnbebauung verwendet werden. Im Essener Norden sind auf der Vorschlagsliste ein Teilstück des ambitionierten Bauprojekts „Marina Essen“, ein Wäldchen nördlich des Phänomania-Erfahrungsgeld Am Handwerkerperk sowie eine Brachfläche an der Bäuminghausstraße. Protest für den Vorschlag gibt’s aus allen Bezirksvertretungen, die Gründe sind ganz verschieden. Bemängelt die BV V, dass keine Rücksicht auf das Marina genommen wird, ist in Schönebeck schon eine Menschenkette geplant, um das Naturschutzgebiet Hexbachtal zu retten. Der Rat hat das Papier durchgewunken, welche der Flächen der Prüfung tatsächlich Stand hält, entscheidet sich Anfang 2016. Es bleibt also spannend!
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