Mut zur Lücke beweist die Deutsche Bahn bei der Lärmsanierung der Köln-Mindener-Linie

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Im Dialog mit Arbeitern der Deutschen Bahn: EBB-Bezirksvertreter Andreas Walter begleitete die Maßnahmen der Deutschen Bahn von Anfang an. Archivfotos: Debus-Gohl
 
Die Lärmsanierung der Deutschen Bahn gilt für ganz Essen, Startschuss war September 2014.

Ein abruptes Ende finden die gerade entstehenden Schallschutzwände der Deutschen Bahn an beiden Seiten der Kokerei Zollverein, betroffen sind mehrere Gebäude an Rahmbruchsweg und Haldenstraße – aus völlig verschiedenen Gründen. Eine Lösung für die Anwohner gibt es bisher nicht, die Bezirksvertretung VI hat das Thema heute auf der Tagesordnung.

„Für die Anwohner ist die Lage natürlich katastrophal“, berichtet Andreas Walter, Fraktionsvorsitzender des Essener Bürgerbündnisses (EBB) in der Bezirksvertretung VI. „Da frage ich mich, ob das so viel Aufwand gewesen wäre, 40 Meter mehr ranzuhängen.“ Vielleicht 20 Meter vor dem Haus am Rahmbruchsweg 11 endet die Schallschutzmauer, die im Rahmen eines mehrphasigen Bauprojekts der Deutschen Bahn unter anderem gegenüber der Kokerei Zollverein, entlang der Köln-Mindener-Straße, errichtet wird. Startschuss war September 2014, für das Ende der Arbeiten peilt die Bahn November 2017 an.

Zwei Seiten, zwei Probleme

Keinen Schallschutz für den Rahmbruchsweg 11 gibt es, weil die Maßnahmen Teil der „Lärmsanierung im bestehenden Schiennetz des Bundes“ sind. Das von der Regierung seit 1999 bezuschusste Programm (s. „Nachgebessert“) bringt teils heftige Kriterien mit sich. Nicht nur gilt es, die größtmögliche Menge Menschen vor der größtmöglichen Lautstärke zu bewahren, gleichzeitig ist eine Voraussetzung, dass die geförderten Immobilien vor dem 1. April 1974 gebaut wurden. Ein Kriterium, das der Rahmbruchsweg 11 nicht erfüllt, weshalb die Schallschutzwand kurz vor dem Gebäude aufhört. Die Besitzer haben sich inzwischen schon mit einem knapp 3 Meter hohen Erdhügel beholfen, eine abschließende Lösung ist das sicher nicht.
Ebenfalls betroffen, aber aus ganz anderen Gründen, sind die Immobilien an der Haldenstraße 76 und 78. „Es war im ersten Moment kein Problem“, erinnert sich Anwohner Michael Gondzik. Seine Meinung hat er inzwischen geändert, knapp vier Personen- und verschiedene Güterzüge rattern in nur einer Stunde die Strecke ab. „Da fährt der Zug quasi durch den Garten“, bestätigt EBB-Bezirksvertreter Walter, der sich vor Ort selbst ein Bild gemacht hat. Für die Haldenstraße gibt es keine Bezuschussung vom Bund, weil es nicht ausreichend förderungsfähige Gebäude in direkter Nähe gibt. Die Kokerei fällt weg und der Neubau der Folkwang Universität, der zwischen den Gebäuden an der Haldenbruchstraße und dem Bahnhof Zollverein Nord liegt, wird von vornherein mit eigenem Schallschutz abgesichert, also sind hier keine weiteren Arbeiten seitens der Bahn nötig. Stattdessen verspricht der Konzern eine 75-prozentige Beteiligung an Maßnahmen am Haus selbst. Gemeint sind Schallschutzdämpfer, Schalldämmlüfter oder eine Dachdämmung. Keine optimale Lösung in den Augen von Walter: „Nachts hat man ein Fenster offen und man sitzt ja auch schonmal draußen.“

Am heutigen Mittwoch in der BV VI

Der Bahn sind die Hände gebunden, Hilfe kann nur von außen kommen: „Da müssten sich die Förderrichtlinien ändern oder jemand müsste es bezuschussen“, weiß Walter. „Städte und Kommunen finanzieren manchmal eine Lärmschutzwand, die sonst nicht im Rahmen des Lärmsanierungsprogramm finanziert werden kann“, kommentiert die Deutsche Bahn. Die Kosten für die Maßnahmen sind aber nicht ohne: Der Lückenschluss von rund 160 Metern würde sich auf knapp 200.000 Euro belaufen, die Obergrenze für solche Maßnahmen liegt beim Eisenbahn-Bundesamt gewöhnlich bei 100 Metern.
Die Lärmschutz-Problematik ist einer der Punkte, die auf der Tagesordnung der Sitzung der Bezirksvertretung VI am heutigen Mittwoch, um 16 Uhr im Stoppenberger Ratssaal, Stoppenberger Platz 6, stehen.

Nachgebessert

Im Bundes-Immissionsschutzgesetz von 1974 ist der Schutz vor Verkehrslärm bei Neu- und Ausbauvorhaben geregelt, für bestehende Strecken gelten diese Bestimmungen aber nicht. Um die Lärmsituation auch in stark belasteten Ortsdurchfahrten des Bestandsnetzes der Deutschen Bahn zu verbessern, hat die Bundesregierung das freiwillige Investitionsprogramm „Lärmsanierung an bestehenden Schienenwegen des Bundes“ ins Leben gerufen. In diesem Rahmen stellte sie 1999 bis 2006 jährlich 51 Millionen Euro, ab 2007 bis zu 100 Millionen Euro für Lärmsanierungsmaßnahmen an Bestandsstrecken bereit. Seit 2013 standen jährlich sogar mehr als 120 Millionen Euro zur Verfügung.
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