Ausstellung im Bismarckturm als Meilenstein

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Petra Molski "Kreativität braucht Ordnung"
 
Gisela Reding "Ein Bild ist wie ein Kind - man möchte es nicht hergeben"
Mülheim an der Ruhr: Bismarckturm | Mülheim. Mit einem herzlichen Lächeln begrüßen Petra Molski und Gisela Réding neugierige Besucher in ihren lichtdurchfluteten Ateliers. Die beiden Malerinnen sind gerade vollauf beschäftigt, ihre Arbeiten für ihre erste gemeinsame Vernissage zu sichten. Jede darf die Ausstellung im Bismarckturm mit 35 Werken bestücken.

Seit über zehn Jahren widmen sie sich intensiv der Arbeit mit dem Pinsel in Oel, Arcyl, Aquarell oder in Mischtechnik. Molski (64) präsentiert dabei unter anderem eine Collage aus Treibgut und Rostflecken. „Es ist total aufregend zu sehen, wie die Chemikalien im Laufe der Zeit dem Bild ein ganz anderes Gesicht geben“, erzählt die vierfache Großmutter. Jetzt im Ruhestand hat sie endlich Zeit, ihr Talent zu entfalten.

Die Herausforderungen durch Familie und Beruf ließen auch Réding (67) kaum Zeit, sich an die Staffelei zu stellen. Erst seit kurzem besitzt sie ein Atelier, welches das Zentrum ihres kreativen Schaffens geworden ist. „Jetzt kann ich ein Bild auch mal ein paar Wochen stehen lassen und muss nicht gleich wieder alles wegräumen“. Das ist auch nötig, denn bis ein Bild fertig ist, können mehrere Monate vergehen. „Zum einem müssen Farben trocknen, zum anderen hat ein Schaffensprozess mitunter unterschiedliche Geschwindigkeiten.“, so Réding.

Wir sind keine Kritzlerinnen

„Wir sind ja auch keine ‚Kritzlerinnen’, sondern Künstlerinnen“, wirft Molski ein. Die beiden Freundinnen, die sich selbst als „Seelenverwandte“ bezeichnen, haben sich in den letzten Jahren laufend fortgebildet. So gingen sie u. a. bei den Mülheimer Künstlern Friedbert Rheil und Klaus Hesselmann zu Schulungen. Bundesweit erlernten sie Techniken bei anderen namhaften Künstlern.

Kreativität, gerade bei der Malerei, hat aber auch viel mit Präzision zu tun. „Perspektive braucht Berechnung“, weiß Molski, „denn sonst ist ein Bild in sich nicht stimmig.“ Dies gilt auch für Bildelemente wie ein Schatten. Fehlt dieser oder ist falsch gesetzt, ist ein Bild ein „Fall für den Straßenrand“. An diesen haben die beiden Künstlerinnen schon so manches Bild stellen müssen, weil es „kaputt gemalt“ war. Nicht umsonst weiß der Volksmund zu berichten, dass noch kein Meister vom Himmel gefallen ist. Molski und Réding haben ihren eigenen Weg durch die Malerei gefunden. „Die Malerei hat so viele Facetten, dass man nie wirklich ankommt, sondern an jeder Ecke etwas Neues entdecken kann.“ Und dabei kann man sich selbst immer wieder überraschen. In einem Bild, welches Molski ursprünglich als eine Muschel angelegt hatte, entdeckte eine ihrer Töchter eine Tänzerin. „Ist es nicht herrlich, dass in einem Bild viel mehr steckt, als man auf den ersten Blick vermutet?“.

Bilder sind wie Kinder

Molski und Réding unterstützen und kritisieren sich gegenseitig im Schaffensprozess. Das ist auch extrem wichtig, weil man mitunter so selbstkritisch ist, dass sonst das eine oder andere Bild nie das Atelier verlassen hätte. „Jedes Bild ist wie mein Kind“ meint Réding. „Aber wie bei Kindern kann man sie nicht ein Leben lang festhalten. Man muss sie irgendwann loslassen können, damit sie ihre eigenen Wege gehen können.“

Die Vernissage im Bismarckturm bietet hierzu die besten Voraussetzungen. Die Werke von Molski und Réding können nicht nur bestaunt, sondern auch gekauft werden.


INFO
Die Ausstellung im „Bismarckturm“, Bismarckstr. 22, ist vom 17. Juni bis 16. Juli 2017 täglich (außer montags) von 15 bis 17 Uhr geöffnet. Der Eintritt ist frei.

Text: Dirk R. Schuchardt
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