Themadag Edith Stein. Teil II. Prof. Dr. Ilse Kerremans OCDS über die Doktoralthese Edith Steins mit dem Thema "Einfühlung".

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Nach dem Exposé des Inhaltes der Doktoralthese der Edith Stein zeigte Dr. Kerremans auf, wie verwoben die weitere Entwicklung von Edith Stein mit ihrer anfänglichen Arbeit ist.

Zentral im jüdisch-christlichen Glauben steht nicht eine Lehre, sondern Gott als Person. Daher ist nicht Begreifen einer Lehre die Basis des Glaubens, sondern Einfühlen in die Person Gottes. Und der Sohn Gottes hat uns gelehrt diesen Gott als Vater zu sehen und Ihn mit Vater an zu sprechen. Aber schon in den Büchern Mose steht über die Liebe zum Herrn, dass sie mit ganzem Herzen, ganzer Seele und mit ganzer Kraft geschehen solle.

Die Kirchenväter sagen es so: dass der Mensch seinen Geist zu Gott erheben möge. Edith Steins Gedanke ist, dass die Einfühlung ein Akt der Liebe ist im Umgang mit Menschen; sie liegt auch die Einfühlung der Liebe zu Gott zu Grunde. Wäre das nicht so, führt Dr. Kerremans aus, wird die „Liebe“ zu Gott wohl sehr pragmatisch. Sie erwähnte Meister Eckhart, der sagte, dass viele Menschen Gott als Kuh betrachten und Gott auch lieben wollen wie man eine Kuh liebt, nämlich für Milch und Käse. So ist es bei allen Menschen die Gott nur lieben für Reichtum und Trost.

Die Liebe zu Gott soll sich aber äußern im Gebet, im sogenannten inneren Gebet, im Horchern auf das Wort und das Kosten vom Wort Gottes. Durch die Menschwerdung Gottes ist dieses Wort einfühlbar geworden.

Die Gefahr bleibt bestehen, dass der Mensch in seiner eigenen Individualität gefangen bleibt und der Andere, auch Gott, modelliert nach eigenen Vorstellungen. Darum sagte die Referentin, man solle sich immer die Frage stellen, wer bist du Jesus, dass Du solche Worte gesprochen hast und solches getan hast. Doch man soll dabei nicht den historischen Kontext vergessen.

In diesem Umgang mit Gott verwandelt sich der Mensch: die Liebe erwirkt Gleichheit zwischen den Liebenden und den Geliebten, so sagt Johannes vom Kreuz. Auch das bekannte Wort des Augustinus trifft zu, nämlich dass Gott Mensch geworden ist, auf dass der Mensch Gott werde. Liebst du Gott wirst du wie Gott, liebst du Erde, so wirst du Erde, sagte mit gleicher Bedeutung Angelus Silesius.

Die Referentin führte ihre Zuhörer dann zu Theresa von Ávila die das innere Gebet als ein Verweilen bei einem Freund betrachtete, bei einem Freund von dem ich weiß, dass er mich gerne hat. Später schreibt Edith Stein diesen Gedanken weiter und sagt, dass das Gebet der Umgang der Seele mit Gott ist, Gott der Liebe ist, eine sich selbst schenke Liebe, die nicht in sich selbst beschlossen bleibt, sondern sich mitteilt, und woran die Schöpfung ihre Existenz verdankt. Edith Stein vergleicht das Innere Gebet mit einer Jakobsleiter, woran der menschliche Geist aufsteigt und die Gnade Gottes niedersteigt. Da wo die Seele nicht mehr mit eigener Kraft wirksam ist und die Gnade als ein Gefäß empfängt spricht man von einer mystischen Erfahrung.

Nur Gott kann Hingabe einer Seele ganz empfangen, dies bedeute nicht ein Verlust sondern ein Gewinn. Und Gott schenkt sich ohne sich selbst zu verlieren. So sehen wir, dass die eher theoretischen Gedanken der Edith Stein sich weiter entwickelten. In der Spiritualität des Karmel erfährt sie, dass die These in Erfüllung geht.

Autor:

Jan Kellendonk aus Bedburg-Hau

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