Familie mit Humor
Das verunglückte Weihnachtsgeschenk

Das verunglückte Weihnachtsgeschenk
„Kannst du mir mal eben helfen, den Gefrierschrank umzustellen?“ – „Mama – es ist ein Uhr nachts!“
Ich war keine normale Mutter und meine Tochter hatte unter meinen spontanen Einfällen zu leiden. Aber so lernte sie, flexibel zu sein und das kann sie in ihrem Job als Journalistin hervorragend gebrauchen. An Kommunikation fehlte es nie, im Gegenteil. Ich unterhalte mich gerne, so dass auch die Tochter eine Begabung dazu hat.
Als wir in einer kleinen Wohnung im Bochumer Süden wohnten, ergab es sich, dass Weihnachten vor der Tür stand. Man schenkte sich ja nichts, wurde beschlossen, nur kamen wir beide mit vollgepackten Einkaufstüten aus der Stadt zurück. Alles wurde mit verstohlenem Blick in einer Zimmerecke, im Kleiderschrank oder unter dem Bett verstaut. Eines Abends kam die Tochter mit hocherfreutem roten Kopf und einer riesigen Tüte, die sie schnell in ihr Zimmer brachte,wieder. Es knisterte und raschelte.
Und dann geschah das Schreckliche.
Sie kam mit einem entsetzten Blick in die Küche und begann, herzzerreissend zu weinen. Stammelte. Schluchzte. Bebte. Ich wusste nicht, was denn los war und nach und nach bekam ich es heraus. Sie schluchzte: „Ich hab so ein schönes Nachthemd für dich gekauft…“ weinte sie. „ Glänzend blau mit Mond und Sternen…und ich wollte eine große rote Schleife drum machen….“ Sie schluchzte noch mehr. „Und jetzt …. Der Nagellack in der Tüte ist ausgelaufen. Alles ist kaputt.“ Sie schüttelte sich vor Tränen.
Was tut eine Mutter in dem Fall? Nun, ich nahm sie in die Arme, drückte sie fest an mich, und auch jetzt noch als ich das schreibe, nach Jahren, kommen mir die Tränen.
Wir begannen, mit Terpentin und anderen Wäschen und so schlimm waren die Flecken auch nicht, nur an ein paar Stellen. Gemeinsam schafften wir es, doch die liebevolle Überraschung war vorbei.
Weihnachten aßen wir Käsefondue, doch die Tochter mochte den Alkohol darin nicht und ich hatte mich völlig überfressen.
Das Nachthemd habe ich noch glänzend blau mit Mond und Sternen und in kalten Wintern trage ich es.
Nur – es war von Anfang an zwei Nummern zu groß.

Autor:

Ingrid Dressel aus Bochum

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