Nichts für Feiglinge – „Gertrud“ legt im Schauspielhaus den Finger in die Wunde des Alters

Antonia Bill, Wolfram Koch und Almut Zilcher betrachten ein Frauenleben wie durch ein Kaleidoskop.
2Bilder
  • Antonia Bill, Wolfram Koch und Almut Zilcher betrachten ein Frauenleben wie durch ein Kaleidoskop.
  • Foto: Declair
  • hochgeladen von Nathalie Memmer

Meist werden ältere Menschen für ihre Jugendlichkeit bewundert. Da ist es regelrecht erfrischend, wenn Regisseur Jakob Fedler in seiner Dramatisierung des Einar-Schleef-Romans „Gertrud“ eine ganz andere Sicht des Alters zu einem der leitenden Handlungsfäden macht: Das im doppelten Sinne peinlich genaue Erforschen des körperlichen Verfalls. - Der Hundertminüter „Gertrud“, eine Koproduktion des Deutschen Theaters Berlin mit dem Schauspielhaus, ist jetzt auch an der Königsallee zu sehen.

„Gertrud“ ist ein fiktiver Monolog, den Schleef, der 2001 verstorbene Universalkünstler, der vor allem als Theaterregisseur in Erinnerung geblieben ist, seiner Mutter in den Mund legt. In stark gekürzter Form bringt Fedler den Stoff auf die Bühne, wobei gleich drei Schauspieler Gertruds komplexe, nicht immer angenehme Persönlichkeit auffächern: Wolfram Koch gewinnt dem körperlichen Verfall der alternden Frau auch komische Seiten ab, ohne sie der Lächerlichkeit preiszugeben; die agile Antonia Bill erinnert an die junge Gertrud, die eine ambitionierte Sportlerin war; Almut Zilcher artikuliert Gertruds teils sehr dezidierte politische Ansichten.

Tod des Ehemannes

Ausgangspunkt für Gertruds Reformulierung des eigenen Lebens ist der Tod ihres Ehemannes Willy. Ihre beiden Söhne verlassen die DDR, um sich im Westen ein neues Leben aufzubauen. Gertruds Erinnerungen verweigern sich den Gesetzen der Chronologie, folgen einer assoziativen Logik, die nicht immer ganz leicht zu verfolgen ist, aber kaleidoskopartige Einblicke in ein in mancher Hinsicht exemplarisches Frauenleben erlauben.
Fedler hat eine Partitur geschaffen, mit der seine drei hervorragenden Schauspieler virtuos umzugehen verstehen.

Termine
„Gertrud“ ist am Mittwoch, 31. Januar, um 19.30 Uhr wieder in den Kammerspielen des Schauspielhauses, Königsallee 15, zu sehen.
weitere Termine: Sonntag, 4. Februar, 19 Uhr; Freitag, 16. Februar, 19.30 Uhr.

Antonia Bill, Wolfram Koch und Almut Zilcher betrachten ein Frauenleben wie durch ein Kaleidoskop.
Wolfram Koch, Almut Zilcher und Antonia Bill (v.l.) gewähren Einblicke in ein Frauenleben.
Autor:

Nathalie Memmer aus Bochum

following

Sie möchten diesem Profil folgen?

Verpassen Sie nicht die neuesten Inhalte von diesem Profil: Melden Sie sich an, um neuen Inhalten von Profilen und Orten in Ihrem persönlichen Feed zu folgen.

3 folgen diesem Profil

Kommentare

online discussion

Sie möchten kommentieren?

Sie möchten zur Diskussion beitragen? Melden Sie sich an, um Kommentare zu verfassen.

Diskussion schließen

Hinweis: Der Autor wird vom System benachrichtigt

add_content

Sie möchten selbst beitragen?

Melden Sie sich jetzt kostenlos an, um selbst mit eigenen Inhalten beizutragen.

Karte einbetten

Abbrechen

Video einbetten

Es können nur einzelne Videos der jeweiligen Plattformen eingebunden werden, nicht jedoch Playlists, Streams oder Übersichtsseiten.

Abbrechen

Social-Media Link einfügen

Es können nur einzelne Beiträge der jeweiligen Plattformen eingebunden werden, nicht jedoch Übersichtsseiten.

Abbrechen

Beitrag oder Bildergalerie einbetten

Abbrechen

Schnappschuss einbetten

Abbrechen

Veranstaltung oder Bildergalerie einbetten

Abbrechen