Spektakulärer Tausch einer Brücke

Eine mindestens zweieinhalb Jahre alte Aufnahme: Bereits seit April 2012 ist die alte Brücke in der Von-Waldthausen-Straße für den Verkehr gesperrt. Nur noch Radfahrer und Fußgänger durften seither passieren.
  • Eine mindestens zweieinhalb Jahre alte Aufnahme: Bereits seit April 2012 ist die alte Brücke in der Von-Waldthausen-Straße für den Verkehr gesperrt. Nur noch Radfahrer und Fußgänger durften seither passieren.
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Endlich wird die „Trennung Wernes“ ein Ende haben. Der Austausch der maroden Von-Waldhausen-Brücke Anfang Dezember verspricht ein spektakulärer Anblick zu werden.

Uwe Seidel vom Tiefbauamt der Stadt lächelt süßsauer, wenn er von „einem schönen Geschenk, dass uns die Bahn in den 90ern gemacht hat“, spricht. Per Gesetz wurden damals gegen den Widerstand des Deutschen Städtetages Brücken aus dem Besitz der vormaligen Deutschen Bundesbahn an die jeweiligen Kommunen übergeben. Zustand: oft äußerst schlecht. Auch in Werne war das so.
Seidel: „Der Stahl dieser vermutlich um 1900 herum gebauten Brücke war versprödet, sprich er war nicht mehr elastisch. Damit musste die Belastung durch den Verkehr reduziert werden. Da aber häufig Lkw das Überfahrverbot missachteten, blieb im April 2012 nur die komplette Sperrung für den Verkehr.“ Nur noch Radler und Fußgänger durften fortan passieren, lange Umfahrungen in Werne hatte das zur Folge.
Ein „richtiger Neubau“ ist derzeit ausgeschlossen. Vor allem, weil die Stadt aktuell nicht in der Lage ist, die benötigten 4,5 Millionen Euro aufzubringen. Daher wird am ersten Dezember-Wochenende ein Provisorium errichtet, inklusive eines spektakulären Austauschs.
Die provisorische Brücke besteht aus verschraubten Stahlelementen. Sie ist voll belastbar, jedoch spürbar schmaler als der Vorgänger. „Die Fahrbahn hat eine Breite von 4,50 Metern, für den Begegnungsverkehr von Pkw ist das absolut ausreichend. Für Lkw wird eine Vorrangregelung für den Gegenverkehr eingerichtet“, führt Seidel aus. Es wird einen Gehweg mit einer Breite von 1,50 Metern geben.
Um das etwa 340 Tonnen schwere Bauwerk heraus- und das Provisorium einheben zu können, ist es erforderlich, einen Gittermastkran mit Raupenfahrwerk einzusetzen. Ein absoluter Mega-Kran.

Das Gewicht von 500 Mittelklassewagen

Das Gerät – welches je nach Einsatzbereich eine Höhe von bis zu 140 Metern aufweisen kann – hat eine maximale Hubleistung von 750 Tonnen. Dies entspricht rund 500 Mittelklassefahrzeugen - bei einer Ausladung von sieben Metern. Bei einer Ausladung von rund 22 Metern kann dieser Kran immer noch eine Last von etwa 400 Tonnen heben und gleichzeitig fahren. Der Einsatz des Krans erfordert umfangreiche Vorarbeiten: Zunächst muss der Bereich, in dem der Kran stehen und später auch mit der alten Brücke am Haken fahren soll, mit einer Schotterschicht verstärkt und geebnet werden. Danach wird der Kran mit allen Zubehörteilen und Ballastgewichten vollständig zerlegt, angeliefert und vor Ort in rund zehn Tagen zusammengebaut.
Am Abend des 5. Dezembers wird um 20 Uhr zunächst die Bahnstrecke gesperrt und der Strom abgeschaltet. Danach werden die Oberleitungen abgehangen. Anschließend erfolgt das Ausheben der alten Brücke.
Vor dem Einbau des Provisoriums muss zunächst das südliche Widerlager (am nördlichen wird bereits gearbeitet) aufgesetzt werden. Dabei handelt es sich um ein rund 45 Tonnen schweres Betonfertigteil. Wenn das Einheben des Provisoriums abgeschlossen ist, erfolgt die Montage der Oberleitungen, so dass der Bahnverkehr wieder fahren kann.
Die Restarbeiten wie das Angleichen der Straße sowie die Montage der Geländer dauern voraussichtlich noch bis Ende des Jahres. Ab Anfang 2015 ist dann wieder freie Fahrt angesagt.

Die Bahn kann kurzfristig alles abblasen

Wenn alles glatt geht am 5. und 6. Dezember. Die Bahn kann nämlich bis kurz vor Beginn der Aktion noch alles abblasen, etwa wenn die Ausweichstrecken nicht zur Verfügung stehen. Es wäre der schlimmste Fall, weil sämtliche Kosten entstanden wären, ohne dass Werne seine neue Verbindung erhalten hat. Die Kosten von rund einer Million Euro teilen sich auf in etwa 330.000 Euro für den Kauf der provisorischen Brücke sowie rund 670.000 Euro für die Instandsetzung der Widerlager inklusive Kraneinsatz.

Buselohbrücke wird 2015 ersetzt

Ein Provisorium hier – ein Neubau an anderer Stelle. Die seit 2008 nur noch eingeschränkt nutzbare Buselohbrücke wird 2015 durch einen zwölf Millionen Euro teuren Neubau, der Altenbochum mit Kornharpen verbindet, ersetzt. Fördermittel gibt es an dieser Stelle vom Land NRW in Höhe von 65 Prozent der Kosten. „Weil wir hier die Infrastruktur um einen Radweg ergänzen ist dies ein förderungsfähiges Projekt“, erklärt Seidel.

Die Besonderheit einer Förderung

Hätte man nicht auch einen Radweg an der Werner Brücke planen können? Seidel winkt ab: „Das geht nur, wenn es auf beiden Seiten der Brücke einen Radweg gibt. Das ist nicht der Fall.“
„Brücken bauen“: Auf Buselohstraße folgt der Lohring, dann gefolgt von der Von-Waldhausen-Straße. Gut, dass es Provisorien gibt – die Brücke kann gut 30 Jahre bei jährlicher Kontrolle genutzt werden.

Autor:

Marc Keiterling aus Essen

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