VfL Bochums Sportvorstand Sebastian Schindzielorz im Exklusiv-Interview
„Probleme mit der Fitness? Absolut nicht!“

Sebastian Schindzielorz: "20 Punkte muss man auch erstmal machen." Foto: Molatta
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Nach einem kleinen Zwischentief hat sich der VfL Bochum zuletzt mit dem Sieg über Darmstadt wieder an die oberen Tabellenplätze herangepirscht. Warum es bislang noch nicht reicht, gute Leistungen konstant über 90 Minuten und von Woche zu Woche abzurufen, darüber hat sich der Stadtspiegel Bochum mit Sebastian Schindzielorz unterhalten. Im ersten Teil des großen Exklusiv-Interviews spricht der Geschäftsführer Sport des VfL über späte Gegentore und verletzte Spieler, Qualität, Fitness und die Stimmung an der Castroper Straße.

In Teil 2 geht’s um Transfers, Zuschauerzahlen und den nächsten Gegner Aue - ab Donnerstag! 

Sebastian Schindzielorz, lassen Sie uns zunächst einen Blick zurück werfen auf das letzte Spiel. Was hat Sie beim 1:0-Sieg über Darmstadt mehr beeindruckt: Der Sololauf von Tom Weilandt zum Tor des Tages? Oder die Tatsache, dass die Mannschaft in der Nachspielzeit dieses Mal kein Gegentor mehr kassiert hat?
Das Solo war super! Da hat Tom seine Fähigkeiten auf jeden Fall auf den Platz gebracht. Ich habe es mir hinterher noch mehrfach angeschaut, das war schon eine starke Aktion. Tom spielt eh‘ eine starke Saison und war in diesem Spiel für uns besonders wichtig, weil wir durch die Ausfälle von Maier und Lee ein Vakuum hatten. Das hat Tom gut ausgefüllt. Aber wichtig war natürlich auch, dass wir dieses Mal kein spätes Gegentor bekommen haben. Vor dem Spiel war klar, dass wir nach dem Abpfiff irgendwo zwischen Platz fünf und zwölf stehen würden. Das zeigt, wie eng die Liga beieinander ist. Umso schöner ist es, dass wir gewonnen haben und jetzt auf Platz fünf stehen.

Wie wollen Sie mit dem Fall Lee umgehen? Sie konnten ihn gegen Darmstadt nicht mehr einsetzen, weil er schon zum Länderspiel mit Südkorea abreisen musste.
Das sind die FIFA-Statuten, die man zunächst so hinnehmen muss. Wir werden das Thema aber in den Gesprächen mit der DFL noch einmal thematisieren. Wenn Vereine ihre Spieler für Pflichtspiele nicht zur Verfügung haben, ist das kein Zustand, der akzeptabel ist. Aber das können nicht wir als Verein klären, das muss auf anderer Ebene entschieden werden.

Für Robin Dutt war der Sieg über Darmstadt vor allem auch wichtig für die Stimmung rund um die Castroper Straße. Wie bewerten Sie die derzeitige Stimmung – im Verein selbst und auch außerhalb?
Ich empfinde die Stimmung insgesamt als sehr angenehm. Natürlich ist sie hier und da berechtigter Weise auch kritisch. Wenn man in der Nachspielzeit zweimal eine Zwei-Tore-Führung noch aus der Hand gibt, dann muss man sich kritischen Fragen stellen. Aber das bleibt alles im Rahmen. Wir haben eine gute Arbeitsatmosphäre im Verein, was nicht nur die Lizenzspieler, sondern auch die Geschäftsstelle betrifft. Ich bin sehr zufrieden, wie wir miteinander umgehen. Wir hätten ein paar Punkte mehr haben können, aber insgesamt ist die Richtung die richtige.

"Die Liga ist eng. Wir müssen auf der Hut sein."

Wie kann man die 20 Punkte, die der VfL bisher geholt hat, einordnen?
20 Punkte muss man auch erstmal machen. Die Liga ist eng, das haben wir oft angesprochen. Wir haben mit dem HSV und dem FC Köln zwei große Klubs, die zwischenzeitlich auch mal kleine Schwierigkeiten hatten. Trotzdem stehen sie mit 27 und 24 Punkten an der Spitze mit der Tendenz, sich oben festzusetzen. Aber alles andere ist wie erwähnt nah beieinander. Wir müssen auf der Hut sein und versuchen, unsere Leistung konstant jede Woche auf den Platz zu bringen und zu punkten. Was dabei am Ende herauskommt, werden wir sehen. Jetzt wird uns die Länderspielpause erst einmal ganz gut tun. Vor allem mit Blick auf die verletzten und angeschlagenen Spieler, denen wir nun zum Glück ein paar freie Tage gönnen konnten, um sich wieder völlig auskurieren zu können. Ich denke da besonders an Stefano Celozzi und Danilo Soares, die trotz kleinerer Blessuren durchgehalten haben. Oder Lukas Hinterseer und Tim Hoogland, die gesundheitlich angeschlagen in das letzte Duell gegangen sind.

Wie sieht es mit der Rückkehr der verletzten Spieler aus? Mit wem rechnen Sie bald wieder?
Kurzfristig ist mit der Rückkehr von Sebastian Maier zu rechnen, da kommt uns die Länderspielpause entgegen. Bei Jannik Bandowski und Thomas Eisfeld müssen wir schauen, wie lange es noch dauert, ebenso bei Maxim Leitsch, Milos Pantovic und Baris Ekincier. Zumindest Jannik ist wieder in Bochum und arbeitet im athletischen Bereich, teilweise auch schon mit Ball. Für die Rückkehr ins Mannschaftstraining ist es für ihn aber zu früh.

Sie haben vorhin die Konstanz angesprochen, die es für eine gute Saison braucht. Ist diese Konstanz aktuell die größte Herausforderung für den VfL?

Das gilt sicher für alle Vereine in der 2. Liga. Das sieht man in fast allen Spielen. Da gibt es Vereine, die teilweise offensiv ein Feuerwerk abbrennen, wo es dann aber phasenweise hinten wackelt. Wir haben aus meiner Sicht in Fürth eine richtig gute erste Halbzeit gespielt, haben dann aber Probleme in der zweiten Halbzeit bekommen. Wir haben gegen Dresden in der ersten Hälfte kein gutes Spiel gemacht, dafür aber in der zweiten. Innerhalb eines Spiels konstant zu sein, aber auch von Spiel zu Spiel eine gewisse Qualität und Konstanz auf den Platz zu bringen, ist sicherlich eine Herausforderung. 

"Die Mannschaft ist in einem Prozess"

Haben Sie eine Erklärung, warum es dem VfL an dieser Konstanz noch fehlt? Wir machen uns natürlich auch unsere Gedanken und hinterfragen die Dinge. Es gab ja viele Spekulationen. Für uns gibt es keinen einzelnen Punkt, von dem man sagen kann, daran hat es gelegen. Die Mannschaft ist in einem Prozess. Wir müssen weiter daran arbeiten, unsere Qualität so gut und so lange wie möglich auf den Platz zu bringen.

Der Fitnesszustand ist aber kein Thema?
Wir gehören bei den läuferischen Komponenten – Laufdistanz, Sprints, Tempoläufe – zu den Top 5 in der 2. Liga. Anthony Losilla hat wiederholt an der Laufstrecke von 13 Kilometern gekratzt. Das spricht wahrlich alles nicht dafür, dass wir in diesem Bereich ein Problem haben – absolut nicht.

Man hatte manchmal den Eindruck, dass es der Mannschaft gerade in der Endphase eines Spiels ein bisschen an Cleverness und Abgezocktheit fehlt.

Natürlich kann auch mal ein taktisches Foul oder ein Befreiungsschlag helfen. Es ist aus meiner Sicht aber auch nicht richtig, immer nur auf die Nachspielzeit zu schauen. Den ersten Elfmeter gegen Regensburg haben wir zum Beispiel schon relativ früh in der zweiten Halbzeit bekommen. Also hatten wir auch da schon nicht geschafft, die Dinge vom eigenen Tor fernzuhalten. Dass sind Situationen, die wir verhindern müssen. Das ist der Ansatz - besser zu werden und die taktischen Dinge so umzusetzen, dass solche Situationen erst gar nicht entstehen. Wir müssen unsere Fehler minimieren, egal ob in der Nachspielzeit, in den ersten Minuten oder im Laufe der zweiten Halbzeit.

"Es gibt überall Potenzial"

Wo sehen Sie sonst Potenzial für die Mannschaft, sich zu verbessern?
Du kannst dich immer in allen Bereichen verbessern, aber auch das gilt für jede Mannschaft der Welt. Wir können im Umschaltspiel besser werden, in der defensiven Stabilität, in der Torausbeute – da gibt es überall Potenzial. (lacht) Deswegen sind wir ja auch jeden Tag hier und im Training fleißig. Wir schauen, dass wir die Dinge verbessern, die wir noch nicht so gut machen.

Gegen Darmstadt stand hinten wieder die Null, das spricht für eine sehr ordentliche Defensivarbeit.
Mich freut es für Manuel Riemann, dass er jetzt schon zum sechsten Mal in dieser Saison sein Tor sauber halten konnte. Das zeigt in der Tat, dass wir im Defensivverbund ordentlich arbeiten. Ich möchte das nicht nur auf Manu beschränken, sondern auf die gesamte Abwehrarbeit.

Haben Sie sich schon mal bei dem Gedanken erwischt, dass am Ende der Saison vielleicht genau die vier verpassten Punkte aus den Spielen gegen Fürth und Regenburg fehlen werden?

Nein, überhaupt nicht. Man kann es ja nicht nur auf die Spiele reduzieren, in denen man Punkte hat liegen lassen. Wir müssen auch die anderen Partien sehen. Wir spielen etwa gegen Sandhausen und der Gegner schießt den Ball in der 90. Minuten an die Latte. Da sind die Punkte bei uns geblieben. Auch in Duisburg haben wir gewonnen, obwohl der MSV durchaus seine Chancen hatte. Mal rettest du so ein Ding, mal kassierst du noch den Ausgleich oder verlierst auch mal ein Spiel. Wichtig ist, jedes Spiel gut zu analysieren, Probleme ausfindig zu machen und es in den nächsten Aufgaben besser zu machen. In diesen Kategorien denken wir, nicht im Konjunktiv.

Sebastian Schindzielorz: "20 Punkte muss man auch erstmal machen." Foto: Molatta
Stefano Celozzi war zuletzt angeschlagen. Foto: Molatta

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