Stadtanzeiger-Serie
Integration in Castrop-Rauxel (letzter Teil): "Ängste sind menschlich"

Zum Abschluss unserer Serie "Integration in Castrop-Rauxel" sprachen wir mit Bürgermeister Rajko Kravanja. Bildquelle: Stadt
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  • hochgeladen von Nina Möhlmeier

"Ängste sind menschlich. Wenn man sie überwindet und die Menschen kennenlernt, ist ein wichtiger Schritt getan", sagt Bürgermeister Rajko Kravanja. Im letzten Teil unserer Serie sprachen wir mit dem Bürgermeister darüber, was Integration in Castrop-Rauxel auszeichnet.

Was verbinden Sie mit dem Begriff "Integration"?
Es gibt zwei Bausteine: Zum einen sind wir als Kommune, Staat und Gesellschaft dafür da, Menschen, die hierbleiben, zu helfen, sich integrieren zu können, und Begegnungsmöglichkeiten zu schaffen. Das können wir im Ruhrgebiet. Am Ende zählte, ob man dem Kumpel Untertage vertrauen konnte – woher er kam, war egal. Zum anderen geht es darum, dass sich diejenigen, die zu uns kommen, integrieren und sich den Gebräuchen und Gepflogenheiten anpassen, ohne dabei ihre Identität aufzugeben.

Wie klappt es in unserer Stadt mit der Integration? Und wo gibt es Probleme?
Im Ruhrgebiet klappt es grundsätzlich besser als in anderen Regionen. Aber Luft nach oben gibt es immer. Wir müssen heute andere Dinge erklären als früher, da sich die Herkunftsländer der Menschen, die zu uns kommen, verändert haben. Damals waren es beispielsweise Griechen oder Menschen aus Ex-Jugoslawien. Heute sind es unter anderem Syrer und Nordafrikaner.
Der Bereich, in dem sich Menschen ehrenamtlich engagieren, ist ein positives Beispiel für die geleistete Integrationsarbeit in unserer Stadt. Alle ziehen an einem Strang. Integration kann allerdings nicht gelingen, wenn die Menschen, die zu uns kommen, unter sich bleiben und sich kleine Grüppchen bilden. Hier kann nur Abhilfe geschaffen werden, indem auch wir als Stadtverwaltung regelmäßig vor Ort sind. Die Menschen brauchen einen Ansprechpartner und Vertrauen. Unter anderem organisiert der städtische Bereich "Asyl und Obdachlose" verschiedene Aktionen. Es gibt zielgruppenspezifische Angebote wie beispielsweise Fußballspielen oder Nähen. Hier wird geschaut, wer da ist, welcher Bedarf besteht und wie diejenigen "vermittelt" werden können.

Das Flüchtlingsthema löst bei Bürgern auch immer wieder Skepsis, Ablehnung und Angst aus. Was kann in diesem Fall getan werden?
Ängste sind menschlich. Als die Flüchtlingssituation aufkam und bekannt wurde, dass auch viele Flüchtlinge nach Castrop-Rauxel kommen, hatten Bürger Angst und sagten beispielsweise, dass sie Sicherheitsmaßnahmen ergreifen müssten. Einige Wochen später habe ich einen dieser Menschen wiedergetroffen. Er erzählte, dass er seine Nike-Schuhe an Flüchtlinge verschenkt habe. Ich fragte: "Was ist passiert?" Er antwortete: "Ich habe sie kennengelernt." Und genau so kann es funktionieren. Grundsätzlich gilt: Es gibt gute und schlechte Menschen. Und entweder mag ich jemanden oder nicht – und das ist unabhängig vom jeweiligen Herkunftsland.

Wenn Sie sich in Sachen Integration etwas wünschen könnten, dann...
...wäre das mehr Geld. Die Mitarbeiter der Stadtverwaltung und die ehrenamtlichen Kräfte leisten sehr viel. Mit mehr Geld und mehr Personal könnte man noch stärker "hineingehen". Als ein Baustein wäre der Bereich Bildung zu nennen. Wenn wir dieses Thema jetzt nicht angehen, holt uns das in 20, 30 Jahren ein.
Es ist gut, dass die Landesregierung die Integrationspauschale des Bundes im kommenden Jahr erstmals in voller Höhe an die NRW-Kommunen weitergegeben will. Es wären dann rund 433 Millionen Euro, statt 100 Millionen Euro für die Flüchtlingsarbeit. Das ist der richtige Ansatz. Damit können wir Angebote besser steuern.

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