„Castrop-Rauxel braucht mehr Farbe“: Gabriele Aigner hat das "Guerilla-Häkeln" für sich entdeckt

Mag es gerne ein bisschen bunter: Gabriele Aigner. Foto: Thiele
  • Mag es gerne ein bisschen bunter: Gabriele Aigner. Foto: Thiele
  • hochgeladen von Verena Wengorz

„Ich möchte einfach nur ein bisschen Farbe in die Welt bringen“, sagt Gabriele Aigner. Während ihres Husum-Urlaubs vor zwei Monaten ließ sich die Castroperin von den Kunstwerken sogenannter Guerilla-Strickerinnen inspirieren. Nun griff sie selbst zu Wolle und Nadel und verpasste den Straßenschildern vor ihrer Haustür ein buntes neues Outfit.

Seit die Texanerin Magda Sayeg und ihre Freudinnen im Jahr 2005 gegen das städtische Betongrau anzustricken begannen und Gegenstände im öffentlichen Raum in bunte Wollkostüme hüllten, hat sich der Trend des „Guerilla-Strickens“ vor allem in Großstädten immer weiter durchgesetzt.
„Ein wenig Verschönerung kann aber auch Castrop-Rauxel gebrauchen“, ist Gabriele Aigner überzeugt. Die 51-Jährige strickt allerdings nicht – sie häkelt, und mit dem Begriff „Guerilla“ kann sie sich auch nicht so recht anfreunden. „Guerilla klingt so radikal. Was ich mache, ist aber weder politisch noch feministisch motiviert, und es hat überhaupt nichts Kämpfe-risches“, erklärt sie.
Spaß mache ihr das Umhäkeln von Schildern, Laternen und ähnlichem hauptsächlich deshalb, weil es eine Form der Streetart sei, die niemandem wehtue und nichts kaputtmache, wie beispielsweise Graffiti. Außerdem sorge es beim Betrachter in der Regel für gute Laune.
Das konnte Aigner auch beobachten, als sie ihre gehäkelten Kunstwerke an der Straße Im Sandweg anbrachte – natürlich nicht in einer Nacht- und Nebel-Aktion, sondern am hellichten Tag.
„Eine Frau fuhr vorbei, setzte den Wagen zurück, schaute es sich an und hob dann den Daumen“, lacht die 51-Jährige. Und auch sonst seien die Reaktionen durchweg positiv gewesen.
Insbesondere die Castroper Innenstadt würde Aigner gerne mit ein paar Häkelkunstwerken aufhübschen. „Ich finde es dort mittlerweile sehr trist und grau“, erklärt sie. „Es gibt zu viele Ramschläden.“
Aber auch die Bahnhofstraße habe noch „Verschönerungspotential“.
Aigner sucht daher Gleichgesinnte, „die Lust und Zeit und vielleicht ein paar Wollreste übrig haben“, um sich mit ihnen zum gemeinsamen Häkeln zu verabreden. Wer Interesse hat, kann sich bei ihr unter Tel. 0178/8813400 melden.
Sorge macht ihr, dass man bei der Stadt etwas dagegen haben könnte. „Ich habe mich im Internet schlau gemacht, und es ist eine Art rechtliche Grauzone“, sagt die Hobby-Häklerin. „Wenn es Ärger geben sollte, würde ich natürlich aufhören und die Sachen wieder entfernen.“

Autor:

Verena Wengorz aus Castrop-Rauxel

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