Literatur Hotel Preis: Benjamin Bäder "Der Krimi der keiner sein wollte"

Ben Bäder.

Es klingelt an der Tür. Simone läuft zum Eingang, sieht durch den Türspion und bekommt einen Schreck. Vor ihrer Haustür steht ein Polizist. Was sollen denn die Nachbarn denken, wenn ihr Haus von der Polizei auf den Kopf gestellt wird? Der jungen Frau läuft der kalte Schweiß den Rücken herunter und sie überlegt, ob sie einfach so tun soll, als ob sie nicht da sei. Fieberhaft überlegt sie, ob sie das Licht im Flur angemacht hat und der Polizist weiß, dass sie zuhause ist. Doch ihr bleibt keine Zeit zum Nachdenken. Erneut drückt der uniformierte Mann auf den Klingelknopf. Starr vor Schreck bemerkt Simone, wie ihre Hand zum Türgriff wandert. Ohne etwas dagegen unternehmen zu können spürt sie, wie sie den Griff nach unten drückt, dann öffnet sich die Tür mit einem leisen Quietschen und der Polizist nickt ihr freundlich zu. „Wollen sie herein kommen?“, hört sich Simone fragen.

Der Polizist betritt das kleine Haus, das Simone ganz alleine bewohnt und sieht sich um. Es ist ein charmanter Altbau der im Landhausstill eingerichtet ist. „Nett haben sie es hier!“, bemerkt er. Doch Simone fährt erneut der Schreck in die Glieder. Was ist, wenn der Polizist das ganze Geld im Wohnzimmer sieht? In jeder Zeitung war die Geschichte von dem Bankraub auf der Titelseite. Und jetzt ein Polizist, hier in ihrem Haus. Was wird der denken, wenn er auch nur einen einzigen Blick auf die vielen Geldscheine erhascht, die im Wohnzimmer verstreut herum liegen? Dabei gibt es doch eine ganz logische Erklärung für das alles. Ihre geistig verwirrte Oma Jutta hatte ihr gesamtes Vermögen im Stadtpark vergraben und konnte sich über Jahre nicht mehr erinnern, wo es war. Dann endlich, gestern, als Simone und ihre Mutter Oma Jutta im Altenheim besucht und sich die Schatzinsel im Fernsehen angeschaut hatten, fiel es ihr wieder ein. Das kann Simone niemals erklären, sie ist immer noch viel zu aufgeregt.

Sie lächelt so galant wie möglich und schiebt den Polizisten am Wohnzimmer vorbei ins Esszimmer. Bevor er etwas sagen kann, bemerkt sie in welchen Schlamassel sie sich gerade gebracht hat. Hinter dem Polizist liegt, frisch poliert, das Gewehr von Onkel Frank auf dem Esstisch. Onkel Frank ist Ingenieur und hat die Ak 47 aus Afghanistan mitgebracht. Die dortigen Behörden stellen einem gerne eine Bescheinigung aus, dass eine Waffe funktionsuntüchtig ist, wenn man beispielsweise den Abzug entfernt. Onkel

Frank hat den Abzug natürlich in Deutschland sofort wieder eingebaut und sich Munition besorgt. Das voll einsatzfähige Automatikgewehr liegt nun, im Licht der Halogenleuchter strahlend, zwei Schritte hinter dem Polizisten der sie verwirrt ansieht. „Sie brauchen keine Angst vor mir zu haben“, sagt er um Simone aufzumuntern die offensichtlich gerade kreide bleich geworden ist.
„Äh - wollen sie vielleicht etwas trinken?“, fragt sie und buxiert den Polizisten, ohne eine Antwort abzuwarten, in die Küche. Sie gibt ihm ein Glas und schüttet etwas Apfelsaft ein. Dann sehen sie sich schweigend an. Die Situation ist ein wenig peinlich. Simone fragt ob er Eiswürfel dazu haben möchte, da trifft sie erneut der Schlag - das Eisfach! Wie angewurzelt bleibt sie stehen. Der Polizist will höfflich sein und bietet an, sich selbst Eiswürfel zu nehmen. Woher soll er wissen, dass im Eisfach Leichenteile liegen? Simones Exfreund Markus wollte Pathologe werden. Die Leichenteile hat er heimlich aus der Uni mitgebracht um sich für irgendeine Prüfung vorzubereiten. Und wie das so bei einer Trennung ist, irgendwas vergisst der andere immer bei einem und man bleibt dann Monate lang darauf sitzen. Simone wird es heiß und kalt. Der Polizist bückt sich um das Eisfach zu öffnen. Im letzten Moment greift Simone nach seinem Arm und zieht ihn aus dem Raum.

Sie schiebt ihn die Treppe hoch, durch den Flur und plötzlich stehen beide in ihrem Schlafzimmer. Der Polizist ist genauso überrascht, wie sie selbst. Er kratzt sich am Hinterkopf. „Also, gnädiges Fräulein“, meint er. Aber in diesem Moment hat Simone schon wieder ein Problem. Ihre Freundin Tina hat sie besucht, nachdem Markus sie verlassen hatte. Tina ist bekennende Domina und steht auf Lack und Leder. Ihr neues Kostüm inklusive Peitsche und diverse anderer Dinge von denen Simone sich nicht im Entferntesten vorstellen kann, wie sie heißen oder was man damit macht, liegen noch auf dem Nachtisch. Ohne weiter nachzudenken, rettet sich Simone mit einem Hechtsprung auf ihr Bett um die Sachen zu verdecken. Dann versucht sie, den Polizisten so ungezwungen wie möglich anzugucken, ganz so, als ob sie jeden Tag von ihrem Bett aus mit wildfremden Männern reden würde. „Ja, was möchten sie?“

Der Polizist atmet tief durch. „Also, ich – ich wollte eigentlich. Sie haben mich eingeparkt. Ich war gerade bei ihren Nachbarn, den Schmidts. Aber – bleiben sie ruhig liegen. Ich nehme einfach den Bus. Meinen Dienstwagen hole ich dann einfach morgen früh, wenn sie auf der Arbeit sind oder so. Danke für den Apfelsaft.“ Mit diesen Worten stellt er hastig das immer noch gefüllte Glas auf die Eichenkommode, macht einen Schritt durch die Tür und stapft laut die Treppe hinunter. Simone hört wie er durch den Flur rennt und die die Haustür aufreißt. Minutenlang starrt sie dorthin, wo er gestanden hat. Manchmal ist es schon verrückt, wie sich die Dinge so entwickeln, denkt sie. Aber warum war denn bitteschön ein Polizist bei den Schmidts?

Literatur-Hotel-Preis?
Vor zwei Jahren wurde der 1. Dinslakener Literatur-Hotel-Preis von Niederrhein Anzeiger, Art Inn Hotel und weiteren Sponsoren ins Leben gerufen. Der Name entstand auch als kleine Hommage an sein Vorbild, den berühmten „Literatur-Nobel-Preis“. Denn auch Nobelpreis-Autoren haben einmal klein angefangen. Oft mit Kurzgeschichten. So wie der Meister der Shortstory, der spätere Literatur-Nobel-Preis-Träger Ernest Hemmingway. Der seine allerersten Stories übrigens beim heimischen US-Anzeigenblatt veröffentlicht hat. Während der gesamten Laufzeit seit 2010 haben in der verlagsweit einmaligen Aktion rund 100 Autoren mit ihren Stories am Dinslakener Literatur-Hotel-Preis teilgenommen. Und der Niederrhein Anzeiger (wöchentliche Auflage 54.800 Exemplare) konnte auch viele bemerkenswerte LHP-Stories veröffentlichen. Alle bisherigen LHP-Gewinner blieben dem Schreiben treu. Erste Bücher wurden veröffentlicht, weitere Stories entstanden und sogar Romane entstehen. Wer Lust hat, kann die vielen tollen LHP-Stories in ihrer ganzen thematischen Bandbreite (Krimi bis humorvoll) hier auf Lokalkompass.de (Suchfeldeingabe: Literatur Hotel Preis ) nachgelesen. Wir wünschen viel Spaß!

Literatur-Hotel-Preis-Sponsoren 2012:
u. a. Art Inn Hotel (Übernachtung Gewinner-Suite mit Romantic Dinner und Frühstücksbuffet), Aveo Air Service (Helicopter-Rundflüge), Alfred Grimm (Künstler-DINsLAKEN), Edeka Bienemann (Edler Picknick-Korb), Sparkasse Dinslaken-Voerde-Hünxe (Romantic Dinner for Two im Art Inn), REAL (Edler Picknick-Korb), Optik und Akustik Heinz Riehl (Hörbücher-Gutschein) und die Altmarktbuchhandlung Korn (Überraschungsbücher-Paket). Ihnen allen herzlichen Dank für das Engagement!

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