Corona Kontaktbeschränkung
Ungewöhnliche Zeiten

Am 16. März 2020 wurden sämtliche Tierparks und Freizeitaktivitäten runtergeschraubt.
Für meinen Mann und mich, wie für viele andere auch, ein Einschnitt den man so schnell nicht vergisst und erstmal lernen muss, damit umzugehen.
Die ersten Tage blieben wir zuhause. Homeoffice wurde mit Überstunden belohnt, weil man sonst nichts hatte, was man unternehmen konnte. Wir sind auch nicht die Leute, die morgens schon den Fernseher anmachen, da uns der größte Teil, der ausgestrahlt wird um diese Zeit, interessiert.
In Woche zwei dann die ersten zaghaften Überlegungen: "Sollen wir mal an den See fahren zum spazieren gehen?"
Gesagt, getan. Spazieren gehen und Sport an frischer Luft ist ja erlaubt und wird nicht explizit untersagt.
Am See angekommen erwartete uns ein schon fast überfüllter Parkplatz. Und das unter der Woche. Normalerweise ist es noch nicht einmal am Wochenende so voll dort.
Nach dem ersten Schritt auf den Rundweg wurden wir schon fast von dem erstem Radfahrer über den Haufen gefahren. Es tummelte sich eine Menschenmenge dort und Leute betrieben Joggen, von denen man sehen konnte, dass die Schuhe brandneu waren und sie noch keine wirkliche Erfahrung im Laufsport hatten.
Mein Mann und ich sahen zu, dass wir schnell vom Hauptweg runterkamen und gingen kleine Trampelpfade durch den Wald, da es bei der Menge schon fast unmöglich war den vorgeschriebenen Abstand einzuhalten.
Wir haben uns einen abgelegenen Platz am Wasser gesucht um ein paar Fotos machen zu können. 
Hier und da hört man Leute reden und lachen. Plötzlich hören wir auch jemanden, der lauter ruft. Was er ruft haben wir am Anfang nicht verstanden. Doch bei einem Blick über die Schulter war uns klar, wer und was gemeint war. Ein großer Bernersennenhund kam auf uns zugelaufen. Unangeleint und stand auf einmal kläffend vor uns.
Bei allem gebührenden Respekt, wir lieben Tiere, aber einen Hund, gerade in der Größe, nicht im Griff zu haben, in einem Gebiet, wo Hunde angeleint zu sein haben, fanden wir dann mehr als fahrlässig.
Wir sind nicht die Menschen, die andere anprangern oder ständig auf ihre Fehler hinweisen. Aber es kann nicht sein, dass Vorschriften gemacht werden, die bewusst umgangen oder ignoriert werden - auf Kosten anderer.
Jedenfalls sind wir nach dem Schrecken sofort nach Hause gefahren und haben uns als nächstes Ziel für einen Spaziergang gesucht, der hoffentlich dann nicht so überlaufen ist.
Wir leben in einer Ellenbogengesellschaft. Das hat sich mehr als deutlich vor der Coronakrise gezeigt. Man hoffte in dieser ungewöhnlichen Zeit auf mehr Rücksichtnahme, weil wir doch alle irgendwo im gleichen Boot sitzen. Doch auch hier zeigt sich wieder eine gewisse Form von Egoismus, die ich sehr schade finde.

Autor:

Mela Hantel aus Dinslaken

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