Problemzonen bleiben

Drumherum wurde investiert, an der Mallinckrodtstraße 317 trotz mehrfacher Ankündigung nicht.  Insgesamt tut sich an bekannten Problemhäusern nur wenig.
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Am 21. Mai lädt OB Ullrich Sierau zum „Nordstadt-Dialog“; es soll zusammengetragen werden, was bisherige Maßnahmen verändert haben und beraten werden, was zukünftig erforderlich ist. Auch aus diesem Anlasshaben der Mieterverein und er Planerladen gemeinsam die aktuelle Situation der Problemimmobilien in der Dortmunder Nordstadt zu bilanziert.
Rund 40 Objekte waren Anfang 2010 als „verwahrlost“ identifiziert worden, im Oktober 2011 sprach die Stadt Dortmund von einer nunmehr knapp 50 Objekte umfassenden Liste. Die Tendenz sei hierbei sinkend, auch dank des Einsatzes der „Task Force“ Nordstadt. Der Großteil der Hinweise zu Problemhäusern sei haltlos gewesen, ein Einsatz des Ordnungsamtes oder anderer städtischer Stellen daher selten notwendig. Nur in den wenigsten Fällen habe man Eigentümer zur Behebung von Missständen verpflichten müssen.
„Die Diskussion um die Ekelhäuser und die angeblich durch Neuzuwanderer besetzten Häuser zielt jedoch nur auf die Spitze des Eisbergs. In der Nordstadt gab es in der Vergangenheit und auch aktuell zahlreiche Problemimmobilien. Verantwortlich sind die Eigentümer, die durch mangelnde Investitionen und nicht fachgerechte Verwal-tung ihre Häuser heruntergewirtschaftet haben.“, so Rainer Stücker, Geschäftsführer des Mietervereins Dortmund und Umgebung e.V.
Um einen Überblick über Problemimmobilien in der Dortmunder Nordstadt zu erhalten hat der Planerladen e.V. eigene Erhebungen fortgeschrieben und aktualisiert.
Der Planerladen hat alle 50 Problemimmobilien, die in den Jahren 2009/2010 als polizeibekannt gelten konnten, erneut aufgenommen, umfangreich dokumentiert und eine Bestandsaufnahme erstellt. Ergänzt werden diese Daten durch zehn Objekte, die dem Planerladen aus der eigenen Arbeit oder durch Bewohnerhinweise bekannt wurden. Das Ergebnis: Nur bei zehn dieser insgesamt 60 Immobilien konnte eine maßgebliche Verbesserung des Zustandes festgestellt werden. Im Umkehrschluss bedeutet das: Es gibt noch immer rund 50 Problemimmobilien in der Nordstadt.
Fast die Hälfte der Objekte, nämlich 27, zeigen jedoch keinerlei Zustandsveränderungen. Kleine Verände-rungen sind bei 22 Objekten festzustellen. Typisch ist hier ‚Kosmetik‘ in Form von (meistens nur teilweise) gestrichenen Fassaden und kleineren Reparaturen. „Obwohl diese Objekte zum Teil nach vorübergehenden Leerständen wieder bewohnt sind, ist keine strukturelle Verbesserung festzustellen bzw. machen die Objekte im Grundsatz immer noch einen verwahrlosten Eindruck.“ erläutert Prof. Dr. Reiner Staubach, Vorstandsmitglied des Planerladen e.V.
Ein Beispiel für ausbleibende Investitionen ist das Haus Mallinckrodtstraße 317. Eigentümerin ist die Firma Kulania Property 33 GmbH aus Gütersloh. Sie erwarb im Juli 2010 insgesamt sechs Wohnhäuser in der Dortmunder Nordstadt von der Firma Akman. Hierbei handelte es sich überwiegend um Wohnhäuser aus der ehemaligen Feldhoff-Stiftung.
Das Haus Mallinckrodtstraße 317, im dem während der gesamten Zeit auch reguläre, z.T. langjährige, Mietverhältnisse bestanden, erlangte durch die „Besetzung“ durch Neuzuwanderer aus Bulgarien und Rumänien im März 2011 traurige Bekanntheit.
Angeblich hätte die „Besetzung“ durch die Bewohner verhindert, dass das Haus wie geplant modernisiert und in kürzester Zeit - wie an anderer Stelle bereits geschehen - an seriöse Kunden vermietet werden kann, so die öffentliche Äußerung der Promas Verwaltungsgesell-schaft mbH. Dass auch nach der erfolgreichen Räumung von Anfang März bis Ende Oktober 2011 keinerlei sichtbare Veränderung an der Immobilie stattgefunden hat, wird seitens der Verwaltung damit erklärt, dass sich die ursprünglich für das Haus vorgesehene Investitionssumme von 150.000 Euro durch den Schaden der „Besetzer“ auf nunmehr 500.000 Euro erhöht hätte. Dennoch zeigte man sich im Oktober 2011 zuversichtlich und kündigte an, ab November 2011 zu sanieren, und versprach, dass im Frühjahr 2012 die ersten Mieter einziehen sollten.
„Bis heute fällt auf, dass – zumindest äußerlich – keinerlei Veränderung dort eingetreten ist. Dabei hatte man doch angeblich nur darauf gewartet, mit der Sanierung endlich loslegen zu können. Von Handwerkertätigkeiten, Gerüsten oder ähnlichem findet sich jedoch keine Spur.
Stattdessen passierte nichts. Im Februar kam es dann bei kalten Außentemperaturen zu einem Leitungsbruch im oberen Bereich des Hauses. Strom, Gas und Wasser wurden abgeschaltet und für die noch wohnenden Mieter nichts getan. Diese waren nun endgültig zum Auszug gezwungen.
„Nach unserer Erfahrung werden die Problemimmobilie nicht von alleine vom Wohnungsmarkt verschwinden. Auch sinnvolle moderierende und aktivierende Maßnahmen von Seiten der Stadt Dortmund reichen hier alleine nicht aus“, so die Einschätzung von Rainer Stücker.
„Es wird Zeit, dass sich Politik und Verwaltung der Herausforderung der Problemimmobilien tatsächlich stellen.“, so Prof. Dr. Reiner Staubach, Vorstandsmitglied des Planerladens.
Besonders wirkungsvoll und Signal gebend wäre es, zumindest einige der Problemimmobilien mit Hilfe eines Sanierungs- und Entwicklungsträgers oder direkt über die Dogewo 21 zu erwerben und zu sanieren. Mit der Übernahme der Dogeplan 21 GmbH als städtische Tochter steht ein solches Instrument bereits zur Verfügung. Ankäufe sind seitens städtischer Vertreter zwar angekündigt, bis heute aber nicht realisiert worden.

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Lokalkompass Dortmund-City aus Dortmund-City

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