Impftermin auf Phönix West
Randbemerkungen

Für den einen Heimat, für den anderen Industriemüll, der weggesprengt werden sollte: Phönix West
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  • Für den einen Heimat, für den anderen Industriemüll, der weggesprengt werden sollte: Phönix West
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Große Überraschung:
Durch die frei gewordenen Impfdosen von AstraZeneca für über 60jährige und deren Partner bin auch ich in die glückliche Lage eines Impftermins gekommen. Uhrzeit 8 Uhr, bitte pünktlich sein und die notwendigen Unterlagen Buchungsbestätigung, Personalausweis, Krankenversicherungskarte, Impfpass (sofern vorhanden) und den ausgefüllten Aufklärungs- und Selbstauskunftsbogen mitbringen. Und natürlich eine medizinische Maske. Eine Woche vorher waren wir schon einmal gucken, wo wir genau hinmüssen.
7:00 Uhr: Wir verlassen das Haus, vorher noch kontrolliert, ob alles dabei ist. Auf den letzten Metern schleicht ein Auto aus Lippstadt vor uns her, bremst unkontrolliert, fährt dann wieder an; der will bestimmt auch zum Impfen und kennt sich hier nicht aus. Nein, er biegt vor uns im Kreisverkehr ab.
7:15 Uhr: Wir erreichen das Impfzentrum, Parkplatz in der ersten Reihe, beim Verlassen des Parkplatzes biegt ein Auto ein - sieh mal an, den kennen wir doch - aus Lippstadt.  Alles ist ruhig. Die Kulisse der alten Industrieanlagen ist beeindruckend, die Sonne geht auf, einfach umwerfend, ich genieße den Anblick. Dummerweise liegt der Fotoapperat im Auto. Die Bilder, die Sie hier sehen, sind ein paar Tage später aufgenommen.

Die Ruhe vor dem Sturm, der Parkplatz ist noch leer.
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7:20 Uhr: Vor uns nur 3 Personen, alle ohne Maske. Wir stehen ja draußen. Als wir unsere Maske aufsetzten zogen zwei von ihnen nach. Die zwei an der Tür fangen an, sich lautstark zu unterhalten. "Was soll der ganze Industriemüll (er meint die Hochöfen von Phönix West) eigentlich, ist doch zu nichts nutze, kostet nur Geld, genau wie der Förderturm in Werne, sollte man alles wegsprengen." Gut dass Menschen unterschiedliche Geschmäcker haben, für mich ist der Müll ein Stück Heimat. Mir wird klar, dass unserem Schöpfer bei unserer Konstruktion ein Fehler unterlaufen ist, die Augen können wir schließen, die Ohren nicht. Warum in aller Welt denken manche Menschen, sie müssten jeden lautstark an ihrer Unterhaltung teilnehmen lassen - vielleicht sind sie nur schwerhörig, sind ja schon älter. Bis Acht Uhr werde ich das durchhalten.

Der "Schrott" spiegelt sich im Wasser

7:30 Uhr: Die Schlange wird länger, zwei junge Männer fallen mir auf, beide ohne Maske - bestimmt ein Haushalt. Dann kommt ein Ehepaar die Treppe herauf, herausfordernd schaut die Frau auf die Schlange. "Das geht hier nach Uhrzeit" verkündet sie lautstark und scheint sich ganz vorne aufstellen zu wollen. Das kann ja heiter werden. Das Paar hinter uns erklärt ihr, dass hier alle einen Termin für 8 Uhr haben und da sonst keine Reaktion erfolgt, geht sie tatsächlich bis zum Ende der Schlange.
7:35 Uhr: eine ganze Gruppe gleichgekleideter Menschen kommt die Treppe herauf, alles eine Arbeitsstelle, sie gehen auf die beiden jungen Männer zu (einer der beiden hat in der Zwischenzeit eine Maske angelegt) und beginnen sich Wange an Wange zu begrüßen. Was 1,50 m Abstand sind, scheint ihnen nicht klar zu sein. Erlebe ich sonst auf Ebay Kleinanzeigen, wenn die Länge an der falschen Seite des Zollstocks oder mit der falschen Einheit abgelesen wird. Erfreulicherweise stellen sie sich danach alle (auch die zwei jungen Männer) hinten an. Also kein "Die haben für uns frei gehalten".
7:40 Uhr: Eine Mitarbeiterin des Imfpzentrums taucht auf und sammelt vom Vortag liegen gebliebenen Müll wie achtlos weggeworfene Masken auf. Warum man seinen Müll nicht selbst mitnehmen kann, es wird mir ein Rätsel bleiben.
7:45 Uhr: Die Schlange geht mittlerweile um den ganzen Platz und die Sonne hat sich hinter einigen Wolken versteckt, es wird frisch und vor allem die Füße werden kalt.

Die Schlange um kurz vor acht, gleich geht es los
  • Die Schlange um kurz vor acht, gleich geht es los
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8:00 Uhr: Es geht los, die Türen werden geöffnet und man winkt uns hinein. Zunächst die Buchungsbestätigung scannen, Fieber messen, dann werden die Unterlagen kontrolliert: Impfpass (haben die wenigsten, auch ich habe meinen nicht gefunden); Personalausweis, Versichertenkarte und Bescheinigung des Impftermins. Danach bekommt man eine Mappe ausgehändigt und muss die "ausgefüllt mitzubringenden Auskunftsbögen" erneut ausfüllen - sie haben sich leicht verändert.
8:05 Uhr:  Wir sitzen vor der Impfärztin, die unsere Fragen beantwortet, die Unterlagen mit uns durchgeht und uns dann an die Impfperson weiterleitet, die nach der Händigkeit fragt, um dann im anderen Oberarm den Pieks zu setzen, wir spüren von der Impfe fast nichts.

Vorbereitung der Impfung, alles gut geschützt
  • Vorbereitung der Impfung, alles gut geschützt
  • Foto: Von Whispyhistory - Eigenes Werk, CC BY-SA 4.0, https://commons.wikimedia.org/w/index.php?curid=99366114, geschnitten
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Beide sind sehr freundlich und wünschen uns alles Gute bevor sie uns in den Warteraum entlassen, wo wir 15 Minuten sitzen bleiben sollen, falls es zu Auffälligkeiten kommt.
8:10 Uhr: Wir haben einen Platz fast ganz hinten und können den ganzen Warteraum überblicken. Ein älterer Herr kommt mir seinem Enkel aus der Impfkabine und während Opa sich setzt, bemüht der Enkel sich um den Zweittermin. Nach einer Minute kommt der Enkel zurück und möchte vom Opa die Krankenkarte. Der Opa winkt ab und sagt: "Junge, lass uns mal gehen, du musst doch gleich zur Uni!" Also variieren nicht nur Abstände von 1,50 m, auch 15 Minuten können unterschiedlich lang sein. Nun, er ist unter Aufsicht.
Während Opa noch seinen Rollator packt, stürzen sich zwei ältere Damen auf die frei gewordenen Plätze, was man hat, hat man. Auf den Stühlen daneben sitzt ein Mann allein (die Stühle sind immer paarweise angeordnet), eine ältere Frau mit Rollator kommt aus der Impfkabine und .... setzt sich neben ihn. Der Mann ist etwas irritiert, steht dann aber auf und sucht sich einen anderen Platz - offensichtlich nicht der gleiche Haushalt.
8:25 Uhr: Unsere Viertelstunde Wartezeit ist um, wir gehen noch zur Abmeldung und verlassen das Impfzentrum. Der Weg führt uns am "Hüttenmann" vorbei, einem Denkmal zur Ehrung der Stahlarbeiter. Der denkt bestimmt auch jeden Tag, was ist denn hier los.

Der "Hüttenmann"

Den restlichen Tag verbringen wir in aller Ruhe zu Hause, ein bisschen lesen, ein bisschen schlafen und ein bisschen Fernsehgucken. Zum Abschluss des Tages WDR aktuell mit einem Bericht über das Impfen, der mich sehr erheitert hat.
Erst denken, dann handeln:
Geht man bei Google auf Impfzentrum so kann man an eine Stelle gelangen, auf der gefragt wird, ob man Informationen zum "Unternehmen" hinzufügen möchte und da hat jemand seine eigene Telefonnummer angegeben, in der Hoffnung man ruft ihn zurück und nichtsahnend, dass nun seine Telefonnummer zu der des Impfzentrums mutiert war. Sie können es sich sicher denken, das Telefon stand nicht mehr still und er musste es aus der Verteilerdose nehmen, denn so einfach die Telefonnummer wieder entfernen, das ging nicht.
Alles in allem ist unser Impftermin wunderbar reibungslos und auch sehr friedlich abgelaufen. Alle Mitarbeiter, mit denen wir zu tun hatten waren hilfsbereit und freundlich. Ein großer Dank an all diejenigen, die Tag für Tag dem Ansturm der Impfwilligen standhalten müssen.

Autor:

Martina Seeliger aus Lünen

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