Alkohol- und Drogenkonsum bei Jugendlichen nehmen zu

Hinterlassenschaften von nächtlichen Saufgelagen
  • Hinterlassenschaften von nächtlichen Saufgelagen
  • hochgeladen von Peter Ries

Pünktlich zu Beginn der Sommerferien verändert sich das Stadtbild: Auf Spielplätzen und in den den Wartehäuschen der Bahn- und Bushaltestellen finden über Nacht wieder Saufgelage statt. Hier treffen sich Jugendliche zum kollektiven Komasaufen. Billiger Schnaps wird mit Cola verdünnt, Bier mit Gin oder Eierlikör mit Limonade. Einige betrinken sich derart, dass sie sich übergeben müssen.

„Die ersten, die das Ergebnis der Saufgelage der vergangenen Nacht wahrnehmen, sind am frühen Morgen die Berufstätigen. Die Wartehäuschen stinken nach Urin, auf dem Boden stehen leere Schnapsflaschen; einige Flaschen wurden auf die Straße geworfen. Die Sitzbänke sind verdreckt und überall nimmt man - die offensichtlich in Mode gekommenen - Rotzpfützen wahr. An vielen S-Bahn-Stationen der Stadt sieht es nicht anders aus“, berichtet die 49-jährige Büroangestellte, Monika Stelmann.

Peter Ries von der Ratsfraktion FREIE WÄHLER und Bezirksvertreter in Garath/Hellerhof sowie ausgebildeter, ehrenamtlicher Suchtkrankenhelfer sagt dazu:

„Dieses Problem ist der Politik seit Jahren bekannt und es wird sich fortsetzen, wenn wir weiter unsere Augen vor dieser gefährlichen Entwicklung des Alkohol- und Drogenkonsums verschließen. Für die Gesellschaft und große Teile der etablierten Politik ist es sicher einfacher, einer geschönten Statistik zu glauben, und sich so der Verantwortung einer verbesserungswürdigen Sozial- und Bildungspolitik entziehen zu können. Viele der Alkoholkonsumierenden Jugendlichen haben keine Ausbildungsstelle und verfügen über zu geringe Bildung; sie leben oft in prekären Verhältnissen, in welchen Alkohol eine große Rolle spielt.

Ob Schützenfeste, Großveranstaltungen, Flatratepartys oder Bierbörsen; überall kann man Alkohol konsumierende Jugendliche wahrnehmen. Unsere Gesellschaft hat sich zu einer Wegschaugesellschaft entwickelt. Getreu dem Motto: Lass andere sich darum kümmern, gehen sie weiter oder verstecken sich hinter den Vorhängen ihrer „sicheren“ Wohnung.

Es ist regelmäßig festzustellen, dass angetrunkene Jugendliche sinnlos fremdes Eigentum beschädigen, in Schlägereien verwickelt sind und Menschen verletzen. Zum größten Teil jedoch manifestiert sich ihr Verhalten in Vandalismus, wie vorsätzliche Zerstörung oder Beschädigung von Einrichtungen und Gebäuden, bis hin zu Grabschändungen und Brandstiftungen.

Der Vandalismus hat in den letzten Jahren stark zugenommen und wird möglicherweise weiter zunehmen. Die Statistiken aber zeigen regelmäßig einen Rückgang oder Stagnierung. Der Statistik mag glauben, wer will. Die Realität ist eine andere. Laut Berichten wächst in nahezu jeder Altersgruppe von Jahr zu Jahr die Anzahl der Kinder und jugendlichen, die aufgrund eines akuten Rausches medizinisch versorgt werden müssen.

Einer aktuellen BZgA-Studie zufolge greifen 13 Prozent der 12- bis 17-Jährigen mindestens einmal wöchentlich zu alkoholischen Getränken. Knapp 17 Prozent von ihnen geben an, mindestens einmal im Monat Rauschtrinken zu praktizieren, das heißt fünf oder mehr alkoholische Getränke bei einer Gelegenheit zu konsumieren – der Großteil von ihnen ist unter 16 Jahre alt. Insgesamt wurden im Jahr 2009 rund 339 200 wegen akuten Alkoholmissbrauch in Kliniken behandelt. Drunter rund 26 400 Kinder, Jugendliche und junge Erwachsene zwischen 10 und 20 Jahren. Für das Jahr 2011 dürfte dies nicht anders aussehen.

Das ist eine nicht hinnehmbare Entwicklung, der wir mit allen Mitteln entgegensteuern müssen. Wir brauchen mehr konzentrierte Aktionen und Kontrollen der Jugendschutzbestimmungen im Einzelhandel, Gastronomie und bei Veranstaltungen. Flattratepartys müssen verboten werden.

Gesellschaft und Politik müssen die Rahmenbedingungen schaffen bzw. weiter ausbauen, damit unsere Kinder nicht zu Alkoholikern mutieren. Denn immer noch fehlen ausreichende Angebote und greifende Präventivmaßnahmen. Mit Mitteln des Sicherheitsrechts alleine lässt sich die gefährliche Entwicklung jedenfalls nicht beseitigen.

Wir müssen den Rahmen der sozialen Vorsorge weiter ausbauen und bei den Ursachen von prekären Entwicklungen ansetzen. Ordnungskräfte und Verantwortungsträger wie Jugend-, Sozial- und Gesundheitsämter müssen enger zusammenarbeiten und gemeinsam mit den sozial gefährdeten Jugendlichen einen Weg mit dem Ziel der Integration in normale Lebensverhältnisse beschreiten.

Wenn sich die bestehende Situation der Kinder und Jugendlichen nicht verbessert, kommt es der Gesellschaft und somit dem Staat noch sehr teuer zu stehen. Denn es ist unabstreitbar, dass sich Alkohol- und Drogenkonsum bei Kindern und Jugendlichen weiter verbreitet und immer Jüngere auffällig werden.

Daher müssen umgehend mehr finanzielle und personelle Ressourcen freigesetzt werden. Integration, Bildungsmaßnahmen und Prävention haben hier höchste Priorität.

Es kann nicht angehen, dass Deutschland sich als Retter der Banken und der Welt darstellt, aber nicht in der Lage ist, seine Kinder zu retten“.

Autor:

Peter Ries aus Düsseldorf

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