Coronapandemie: "Mehr Fahrräder brauchen mehr Fahrradspuren"
Fridays for Future fordert Öffnung von Fahrspuren für Radverkehr

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Fridays for Future Düsseldorf kritisiert die kürzlich erfolgte Freigabe der Umweltspuren für den Autoverkehr. Dies sei ein falsches Zeichen und aus Gründen der Coronaviruseindämmung und des Klimaschutzes kontraproduktiv. Während Gesundheitsminister Jens Spahn und renommierte Virolog*innen das Radfahren aktuell als gesündeste Alternative für notwendige Alltagsfahren empfehlen, schieße die Stadt in die völlig verkehrte Richtung.

Laut den jungen Aktivist*innen leiden darunter die zahlreichen Menschen, die wie von Expert*innen empfohlen aufgrund der Corona-Gefahrenlage mit dem Fahrrad unterwegs sind. Während viele den Appellen Folge leisten und bei notwendigen Fahrten statt Bus und Bahn das Rad nutzen, konterkariere die Stadt diese Anstrengungen der Bürgerinnen und Bürger, indem sie die Radinfrastruktur zurückbaue und das Radfahren noch unsicherer mache.

Gesundheitsminister Jens Spahn, Arbeitsminister Hubertus Heil und zahlreiche Fachleute haben in den vergangenen Tagen empfohlen, bei notwendigen Fahrten von Bus und Bahn auf das Fahrrad umzusteigen. Dies helfe stark, den engen Kontakt mit anderen Menschen und damit die Gefahr für die Ansteckung mit dem Atemwegsvirus zu minimieren. Zudem habe das Radfahren ohnehin einen gesundheitsfördernden Effekt – auch auf das Immunsystem.

Die Anti-Corona-Wirkung des Rads

„Fahrrad für alle, die in der Lage sind“, sei eine einfache Intervention und sei „wahrscheinlich hocheffektiv“, sagt der Epidemiologe und frühere Chef des Deutschen Cochrane-Zentrums in Freiburg, Gerd Antes. Ihm sei „völlig unverständlich, warum das nicht pausenlos in die Köpfe getrieben“ werde.

„Aktuell sind viele Menschen auf das Fahrrad angewiesen. Um zur Apotheke oder in den Supermarkt zu kommen, brauchen die Bürgerinnen und Bürger Fortbewegungsmittel. Dabei ist es in unserer Stadt aus Platz- und Klimaschutzgründen längst keine Selbstverständlichkeit mehr, ein eigenes Auto zu besitzen. Deshalb ist die Entscheidung der Stadt, die Radinfrastruktur einzuschränken, verantwortungslos und nicht sozialverträglich“, erklärt Hannah Hübecker, Delegierte bei Fridays for Future Düsseldorf.

Da die Stausituation in den letzten Tagen ohnehin stark zurückgegangen sei, gebe es gar keine Notwendigkeit dafür, Umweltspuren und Radfahrstreifen für den KFZ-Verkehr zu öffnen, so die Klimaaktivist*innen. Bei ihnen herrscht Unverständnis darüber, dass dem so wichtigen Radverkehrssektor seitens der Stadt wieder Platz genommen wurde und sie kritisieren, dass diese Maßnahmen die Unfallgefahr erhöhen würden. Für einen Rückzieher bei der dringend benötigten Verkehrswende sei absolut nicht der richtige Zeitpunkt.

Die Düsseldorfer Ortsgruppe von Fridays for Future hat im Rahmen von Aktionen immer wieder die Wichtigkeit des Radverkehrs für eine klimafreundliche Stadt hervorgehoben. Bei Fahrraddemos machten die jungen Klimaschützer*innen auf die lückenhafte Radinfrastruktur in Düsseldorf aufmerksam. Am 20. September streikten die Jugendlichen zusammen mit 20.000 Unterstützer*innen unter anderem für eine Verkehrswende in der Region.

Verkehr stößt zu viel CO2 aus

„Der Verkehrssektor ist der einzige Bereich, in dem in den letzten Jahren keine einzige Tonne CO2 eingespart wurde“, erklärt Lukas Mielczarek, Delegierter der Ortsgruppe. „Da Düsseldorf den Klimanotstand ausgerufen hat, muss sich das schnellstmöglich ändern. Es ist unumgänglich, dass die Stadt dabei auf das Fahrrad als sauberstes Verkehrsmittel setzt und mit viel mehr Tempo eine flächendeckend attraktive Radinfrastruktur schafft.“

Fridays for Future sieht ausgewiesene Fahrradstreifen als notwendig für eine attraktive und sichere Radinfrastruktur. Denn während in Zeiten von Corona Menschen problemlos in Geschäften Sicherheitsabstände von 1 bis 2 Metern halten können, sei ein angemessener Abstand beim Überholen von Radfahrenden im Straßenverkehr eine Ausnahme leider keine Selbstverständlichkeit.

Die Klimaschutzbewegung appelliert an die Stadt, den Empfehlungen des Gesundheitsministers und der Virolog*innen Taten folgen zu lassen und vierspurige Straßen kurzfristig mit breiten und geschützten Radspuren auszustatten. Angesichts des durch Schließungen von Geschäften, Büros und Freizeitstätten geringeren Autoverkehrs lasse sich eine solche Maßnahme ohne Verkehrsbeeinträchtigungen durchsetzen. Außerdem müsse die Stadt die Bürger*innen deutlich dazu auffordern, aufgrund der Gefahrenlage auf das Fahrrad umzusteigen.

„Die Öffnung für den Radverkehr würde sich sowohl auf die Eindämmung der Coronapandemie als auch auf unsere CO2-Bilanz positiv auswirken. Aus einer wissenschaftlichen Perspektive ist es aktuell eine absolut sinnvolle Maßnahme. Deshalb appellieren wir eindringlich an die Verantwortlichen der Stadt“, so Hannah Hübecker.

Die kolumbianische Hauptstadt Bogotá beispielsweise widmete wegen der Coronakrise hunderte Kilometer Autospuren in temporäre Radspuren um und schaffte dadurch attraktive Räume zum Radfahren. Sowohl der ADFC als auch der Jugendrat forderten bereits, Düsseldorf solle diesem Beispiel nachfolgen. Dieser Forderung schließt sich Fridays for Future nun an. So soll die Stadt „ohne Nebenwirkunen und kostengünstig“ einen großen Effekt erzielen.

Autor:

Lukas Mielczarek (GRÜNE) aus Düsseldorf

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