Kolumne: Umwelttechnischer Assistent

Umwelttechnische Assistenten führen Boden-, Wasser-, Abfall und Luftuntersuchungen durch. Sie nehmen Proben und analysieren sie chemisch, physikalisch und biologisch. Lärm- und Erschütterungsmessungen gehören genauso zu ihrem Aufgabenspektrum.

Meinem Freund Olaf dem Dicken sei Dank: Er hat mich dazu gebracht, umwelttechnischer Assistent zu werden. Wie er das geschafft hat, fragen Sie? Nun, ich will es Ihnen erzählen.

Ich habe Olaf schon in der Grundschule kennengelernt. Er war damals ein durchschnittlicher, sympathischer Junge. Unser Schulweg war nicht weit, wir wohnten dicht beeinander. Wir konnten so viel zusammen sein.

Nach der Grundschule trennten sich unsere Wege. Ich ging auf das Gumminasium, äh, nein, Gymnasium, machte mein Abitur und hatte die erste Freundin.

In dieser Zeit kam ich ins Grübeln: Was soll ich beruflich machen? Da fiel mein Blick auf Olaf. Er war zwar nur zur Realschule gegangen; da er aber furchtbar eitel war, lautete sein Spitz-/Rufname: Ihro Eitelkeit Olaf der Dicke. Auch charakterliche Defizite wurden sichtbar: Einsam, wie er war, hielt sich Olaf viel auf einem Kinderspielplatz auf. Er benutzte die Schaukel, Wippe und Rutsche, saß mit seinen Klötzchen im Sandkasten und spielte Verstecken - er machte das alles als erwachsener Mann. Kinder und Jugendliche mieden den Spielplatz - sie hatten Angst vor Olaf, ohne daß er ihnen etwas antun würde

"Ich brauche deine Hilfe, Balthasar."  Mit diesen Worten kam er eines Tages zu mir. Ich war natürlich gerne bereit, ihm zu helfen. Schon allein der alten Tage wegen. "Du weißt doch, daß ich gerne auf den Spielplatz gehe. Ich glaube, der Spielplatz lebt. Der Sandkasten wird immer größer. Schaukel und Rutsche weichen von mir. Kommst du mit und kontrollierst das?"

So spinnert sich das auch anhörte - meine Neugierde war geweckt. Also folgte ich Ihro Eitelkeit. Und tatsächlich: Als Olaf der Dicke aufhörte, im Sandkasten zu spielen, war der Sandkasten im Boden verschwunden. Und Schaukel und Rutsche standen direkt an den Häusern. Es hatte sich tatsächlich alles bewegt.

Woran das wohl lag? Ein Rätsel, ein Geheimnis, das es zu lösen galt. Ich holte den Chemiebaukasten von zuhause, nahm Proben vom Spielplatz und versuchte, sie zu analysieren. Das Ergebnis: Alles ist so, wie es sein soll.

"Wie kann das sein?" fragte ich meinen Alten Herren. "Auch, weißt du," sagte der nur. "Auch Spielplätze haben eine Seele. Sie freuen sich über lärmende Kinder, die Spaß haben. Olaf der Dicke hat aber eine - wie soll ich sagen? - unfreundliche, abweisende Aura. Die Spielplätze fürchten sich vor ihm."

Das wollte ich genauer wissen. Tote Materie ist belebt? "Ja, ich weiß, das hört sich nach Neuheidentum an. Das ist Umweltbiologie. Werde Umwelttechnischer Assistent, dann lernst du mehr darüber."

Ich habe die Ausbildung durchlaufen und natürlich nicht erfahren, wie Schaukel und Kutsche Beine gekriegt haben. Spielplatzexperte bin ich trotzdem geworden.

Autor:

Andreas Rüdig aus Duisburg

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