Die ehemaligen Rot-Weissen Werner Kik und Herbert Weinberg haben ihren 80. gefeiert
Doppelter Geburtstag!

Wegen des Arbeitspensums ein Vorbild für die Mitspieler: Herbert Weinberg im Duell mit dem Dortmunder Gerd Peehs.Fotos: RWE-Archiv
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  • Wegen des Arbeitspensums ein Vorbild für die Mitspieler: Herbert Weinberg im Duell mit dem Dortmunder Gerd Peehs.Fotos: RWE-Archiv
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In dieser Woche feierten gleich zwei rot-weisse Legenden ihren 80. Geburtstag: Herbert Weinberg am letzten Sonntag, 27. Januar, und Werner Kik am Mittwoch, 30. Januar. Während der eine seine Karriere wegen einer schwerwiegenden Verletzung beenden musste, setzt der andere berufliche Prioritäten.

Werner Kik kam zur Saison 1960/61 für eine Ablösesumme von 2.100 DM vom TuS Hamm Heesen an die Essener Hafenstraße. Von 1960 bis 1970 spielte der Vermessungstechniker zuerst als Mittelstürmer, wurde dann aber erfolgreich zum Verteidiger umgeschult. 1970 beendete er seine Karriere nach 293 Spielen für RWE in der Oberliga West, 2. Liga West, Regionalliga West und 1. Bundesliga. Er schoss dabei insgesamt 21 Tore.

Kik: Debüt gegen Preußen Münster

Unter Trainer Willi Multhaup debütierte Werner Kik am 14. August 1960 beim Heimspielauftakt gegen Preußen Münster in der Oberliga West. Er bildete zusammen mit Halbstürmer Franz „Penny“ Islacker beim 3:0-Erfolg den rechten Flügel des RWE-Teams. Fritz Herkenrath hütete das Tor, Otto Rehhagel, der auch neu an der Hafenstraße war, verteidigte. Heinz Wewers dirigierte die Abwehr und Heinz Hornig sorgte am linken Flügel für Gefahr. Nach dem letzten Spieltag am 13. Mai 1961 musste RWE dennoch mit einem Punkt Rückstand auf den SV Sodingen in die 2. Liga West absteigen.
Werner Kik weiß aber, wie Bundesliga-Atmosphäre im Georg-Melches-Stadion aussieht: volle Ränge, großartige Stimmung. In der Saison 1966/67 spielte Essen in der Bundesliga, musste aber als Tabellenletzter gleich wieder zurück in die Regionalliga West. Werner Kik hatte 32 Spiele absolviert und wird in der Spielerbenotung der Saison mit dem Durchschnittswert von 2,34 hinter Franz Beckenbauer von Bayern München notengleich mit Torwart Horst Wolter vom deutschen Meister Eintracht Braunschweig auf dem zweiten Rang geführt.
In der Saison 1969/70 versuchte der Traditionsklub aus Bergeborbeck zum zweiten Mal sein Glück in der Bundesliga und sicherte sich mit dem 12. Platz die Klasse, in 28 Spielen lief Werner Kik dabei für RWE auf.
Danach zog der Mann, der in seiner Karriere an der Seite von Stars wie Fritz Herkenrath, Penny Islacker, Heinz Wewers, Otto Rehhagel und Willi Lippens kickte, mit 31 Jahren einen Schlussstrich. Keine Verletzung zwang ihn dazu, sondern der Wunsch, beruflich als Berg-Vermessungs-Ingenieur bei der Ruhrkohle Fuß zu fassen. Und die Erklärung ist für ihn ganz einfach: „Heute haben die Fußballer alle keinen zusätzlichen Beruf, da hätte ich dann auch noch weitergespielt. Ich war noch topfit.“ Erst zwei Jahre später gab der DFB die Obergrenze für Gehälter von 1.200 DM/Monat auf.

Herbert Weinberg: Fleißarbeiter wurde 80

Günther Grothkopp, Verbandstraineridol aus Hamburg, entdeckte während seiner Zeit als Trainer der Niederrheinauswahl das Essener Stürmertalent Herbert Weinberg. Mit 20 Jahren wurde Weinberg zur Spielzeit 1959/60 von Hannover 96 unter Vertrag genommen. Eine Verletzungsunterbrechung nutzte er für einen Heimaturlaub. Mit Otto Rehhagel, der seit 1960 bei Rot-Weiss Essen und nach dem Oberligaabstieg 1961 nun in der 2. Liga West kickte, vereinbarte er einen Trainingsbesuch an der Hafenstraße. Und nach einem Testspiel zwischen Hannover 96 und Westfalia Herne unter den Augen von RWE-Scouts war klar, dass Herbert Weinberg zurück nach Hause und an die Hafenstraße wechseln würde. Hier schnürte er die nächsten zwölf Jahre bis zum Ende seiner aktiven Laufbahn die Fußballschuhe.
Am zweiten Spieltag der Saison 1972/73 spielte der 33-jährige Routinier zum letzten Mal für Rot-Weiss Essen und fand danach unter dem neuen Trainer Horst Witzler keine Berücksichtigung mehr. Eine schwere Verletzung beendete dann seine Karriere endgültig. Noch 2011 sagte Herbert Weinberg in einem Interview über die bittere Erkenntnis, dass ihn niemand von RWE im Krankenhaus besuchen kam: „Das war dann natürlich auch der Grund, dass ich anschließend nie mehr etwas mit Rot-Weiss zu tun haben wollte. Wie ich da behandelt wurde.“ Insgesamt bestritt Herbert Weinberg 306 Pflichtspiele für Rot-Weiss Essen, in denen er 51 Tore erzielte.
Nach seinem Karriereende war er anschließend noch bei verschiedenen Vereinen als Jugendtrainer tätig. Erst 40 Jahre später fand Herbert Weinberg den Weg zurück an die Hafenstraße. Michael Welling ließ im Assindia-Bereich des neuen Stadions eine RWE-Legenden-Lounge einrichten und suchte endlich den Kontakt zu verdienten Spielern, den diese lange Jahre vermisst hatten.
Hier ist seitdem auch Herbert Weinberg mit seiner Ehefrau regelmäßig zu Gast, die seit über 60 Jahren ein Paar sind. Und beide sind dankbar, welchen Weg sie durch den Fußball gehen konnten: „Wir kommen beide aus einfachen Verhältnissen. Hätte ich damals kein Fußball gespielt, dann würde es mir finanziell heute nicht so gut gehen. Außerdem empfand ich es immer als positiv, mich mit den besten Spielern Deutschlands messen zu können.“

Text: Georg Schrepper

Wegen des Arbeitspensums ein Vorbild für die Mitspieler: Herbert Weinberg im Duell mit dem Dortmunder Gerd Peehs.Fotos: RWE-Archiv
 Vom Vermessungstechniker zum Verteidiger: Werner Kik.

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