Zeigt her eure Gärten!

Abgründe tun sich hinter den makellosen Hausfassaden bei "Alles im Garten" im Kleinen Theater Essen auf. Foto: KTE
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  • hochgeladen von Mareike Schulz

„Gärten, die man nicht pflegt, wenn die Menschen sie verwildern lassen, dann weiß man, dass mit dem Haus was nicht stimmt“, zieht Jenny am Ende von „Alles im Garten“ ein ernüchterndes Fazit. Umjubelt war die Premiere im Kleinen Theater Essen am Gänsemarkt am letzten Wochenende.
Feiern konnte die Crew vom Kleinen Theater am Wochenende - eine gelungene Premiere natürlich! Feiern, das konnten Jenny und Richard, die Protagonisten in Edward Albees rabenschwarzer Komödie „Alles im Garten“, schon lange nicht mehr. So leben wie die anderen wollen sie. Doch durch die Finanzkrise reicht das Geld vorne und hinten nicht. Das pikante Jobangebot von Mrs. Toothe nimmt Jenny schließlich aus Verzweiflung an. Starker Tobak ist die neueste Inszenierung von Regisseur Ingo Scheuer. Mit rabenschwarzem Humor hat er in Albees äußerst aktuellem Stück die menschlichen Abgründe aufgedeckt. Denn in der kleinen amerikanischen Siedlung ist nichts so, wie es auf den ersten Blick scheint. Doch zum Glück ist der Garten von Jenny und Richard alles andere als verwildert - es gilt eben, den Schein zu wahren. Scheuers Inszenierung ist unterhaltsam, komisch, zum Teil überspitzt - es fehlt aber nicht an der nötigen Ernsthaftigkeit und Dramatik, so dass die einzelnen Schicksale glaubhaft bleiben. Authentisch macht aber nicht Scheuer allein die Neu-Produktion, auch wenn er selbst als Jack auf der Bühne zur Höchstform aufläuft. Ob lallend, mahnend, witzelnd oder in Zwiesprache mit dem Publikum: Ingo Scheuer liebt und lebt seine Rolle - das sieht man!
Als Jenny verzaubert Petra Broszeit die Zuschauer. Liebend und zweifelnd, aber auch energisch und provozierend - Jenny durchläuft viele Gefühlsebenen. Petra Broszeit zeigt einmal mehr ihre Professionalität auf der Bühne. Authentisch ist ihre Wandlung vom Hausmütterchen zur aufreizenden Gastgeberin durchweg. Nicht minder an eine wilde Achterbahnfahrt erinnert die Gefühlswelt von Thomas Vogt, der Richard mimt. Aufbrausend ist nicht nur Richard, sondern Vogt selbst, der auf der Bühne wie entfesselt wirkt und auch Sebastian Purho am Nachmittag der Vorpremiere ansteckt. Lautstark widerspricht der junge Mime seinem „Vater“, denn brillant verkörpert Purho Roger, den Sohn des Hauses. Mal wieder erobert Edeltraud Renn in „Alles im Garten“ die Herzen des Publikums. Denn frischen Wind bringt sie mit ihrer Figur Mrs. Toothe ins Kleine Theater, die sie äußerst resolut und schlagfertig gibt. Sie ist es am Ende auch, die die Fassaden auf der großen Gartenparty bröckeln lässt.
Wer sich die rabenschwarze Geschichte, nach der man die eigenen Nachbarn garantiert mit anderen Augen sieht, nicht entgehen lassen möchte: Der Vorhang hebt sich am Gänsemarkt 42 wieder am 2., 22. und 30. Oktober! Karten-Tel.: 0201/52 098 52.

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