Der Billigste saniert die Brücke in Steele

Dirk Vogt (links) und Arnold Kraemer zeigen, wie man richtig reinklotzt. Die beiden Lokalpolitiker wollen sich die Schnarchbaustelle in Steele nicht länger gefallen lassen. Fotos: Lew
  • Dirk Vogt (links) und Arnold Kraemer zeigen, wie man richtig reinklotzt. Die beiden Lokalpolitiker wollen sich die Schnarchbaustelle in Steele nicht länger gefallen lassen. Fotos: Lew
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Die Steeler Fußgängerbrücke (vom Verkehrsplatz Richtung Kaiser-Otto-Platz) ist eine absolute Schnarchbaustelle. Längst - im September 2011 - sollte die Sanierung abgeschlossen sein. Doch bei der Unvollendeten tut sich nichts...

Von Detlef Leweux

Das bringt Passanten, Geschäftsleute und Lokalpolitiker auf die Palme. Bezirksbürgermeister Arnold Kraemer (SPD) redet Klartext: „Diese andauernden Verzögerungen sind schlichtweg unfassbar. Was dem Stadtteil und den Bürgern damit zugemutet wird, gleicht einer Frechheit. Ich verstehe gar nicht, warum das zuständige Bau-, Straßen- und Verkehrsamt da nicht endlich richtig Druck macht. Ein Jahr Verzögerung bei so einer kleinen Maßnahme. Da möchte man gar nicht daran denken, wie lange es gedauert hätte, wenn - wie auch diskutiert - eine ganz neue Brücke gebaut worden wäre. Die Bezirksvertretung wird sich das nicht länger gefallen lassen. Wir haben diese Angelegenheit ganz oben auf unserer Liste, wir lassen uns das nicht mehr bieten.“
Der stellv. Bezirksbürgermeister Dirk Vogt (CDU) ergänzt: „Die Detaillösungen entsprechen auch nicht dem, was gefordert ist. So sind z.B. die Abflüsse unter der Brücke nicht gegen Tauben geschützt worden. So bleibt es nur eine Frage der Zeit, bis die Tiere sich wieder auf den Rohrleitungen einnisten und mit ihrem Kot für Verdreckung usw. sorgen, ein Unding.“
Bereits im Oktober 2011 hatten wir bei der Stadtverwaltung zur Brückensanierung nachgefragt. Der damals zuständige Amtsleiter wollte gar nicht mit uns reden, da er unsere Fragen für zu forsch hielt.
Vom damaligen Stadtpressesprecher erfuhren wir aber, dass die beauftragte Firma u. a. nicht mit dem Verkehrsaufkommen auf der Steeler Straße gerechnet habe und es deshalb zu den Verzögerungen gekommen sei.
Doch Amtsleiter Schmitz, der inzwischen für das Projekt zuständig ist, redet nicht um den heißen Brei herum: „Ein Jahr Hängepartie für diese Sanierungsmaßnahme, das halten auch ich und meine Mitarbeiter für eine Unverschämtheit. Wir ärgern uns immer wieder mit der Baufirma herum, haben auch schon mit Regressforderungen gedroht. Allerdings müssen solche Baumaßnahmen in einem öffentlichen Auftrags-Vergabeverfahren immer an den billigsten Anbieter gehen. Da habe ich leider keinen Spielraum, das ist so. Noch schlimmer: Ich kann diese Firma noch nicht einmal auf eine Schwarze Liste setzen und so verhindern, dass sie demnächst an anderer Stelle für die Stadt tätig wird und wieder keine Termine einhält. Im Gegenteil: Bietet die Firma bei einem anderen Auftrag wieder mit und ist erneut die preisgünstigste, müssen wir sie wieder beauftragen. So ist das im öffentlichen Vergabeverfahren, wenn eine Stadt so große Schulden hat wie Essen. Dabei wäre der Zweitbilligste vielleicht der bessere und zuverlässigere Partner, der , insgesamt gesehen - dann auch nicht teurer wäre. Aber: Uns sind die Hände gebunden.“
Nächstes Ziel: Die EVAG hat gemeldet, dass sie das neue Dach über dem Verkehrsplatz Ende September installieren will. Bis dahin müssten die Brückenarbeiten dann spätestens fertig sein. Müssten...

Protokoll zur Schnarchbaustelle:
Im September 2011 sollte die Sanierung der Steeler Fußgängerbrücke abgeschlossen sein. Die Baumaßnahme kostet 800.000 Euro. Zunächst gab es Verzögerungen während der Auftragsausschreibung, dann Ärger mit der Firma, die den Zuschlag erhielt. Dort gab man winterliche Temperaturen und starken Verkehr von der Steeler Straße her als Verzögerungsgründe an. Im vergangenen Winter sollte die Brücke winterfest gemacht werden. Nach KURIER-Information sind mind. eine Dame und ein Herr schwer gestürzt und klagen auf Schadenersatz. Momentan liegen erneut Materialien und Müll unter und auf der Brücke herum - Stolperfallen pur.

Kommentar:

Planerischer
Trauerfall

„Die haben ihre Baustelle nicht im Griff, die sind nicht vor Ort, die machen keinen Druck...“ - das sind so ungefähr die Vorwürfe, die man dem zuständigen Stadtamt machen könnte, das für die Sanierung der Steeler Fußgängerbrücke zuständig ist.
Mussten wir uns vor knapp einem Jahr noch bis zum Stadt-Pressesprecher hochfragen, um sachkundige Auskunft zu erhalten, redet der inzwischen verantwortliche Amtsleiter erfreulicherweise Klartext:
Er sieht sich an das öffentliche Auftrags-Vergabeverfahren gebunden und muss immer den billigsten Anbieter wählen.
Dass dies nicht automatisch auch der beste Partner ist, zeigt die Steeler Schnarchbaustelle eindrucksvoll. Dass für Arbeiten in ganz Essen aber trotz dieser schlechten Erfahrungen theoretisch immer wieder die gleiche Firma beauftragt werden müsste, ist praktisch ein Trauerspiel.

Autor:

Detlef Leweux aus Essen-Steele

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