Haare!

Ein geschenkter Zopf, über achtzig Jahre alt, mit seinem "Zopf-Etui".
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  • Ein geschenkter Zopf, über achtzig Jahre alt, mit seinem "Zopf-Etui".
  • hochgeladen von Daniel Henschke

Ein sehr sensibles Thema - polarisierend, verstörend, anregend, mit vielen widersprüchlichen Empfindungen, vor allem sehr intim: Haare! In Werden in einer bezaubernden Kunstausstellung zu bestaunen.

Seit 1997 sind sie „nach einem langwierigen Entwicklungsprozess“ das fesselnde Thema für die Heisinger Künstlerin Bettina Zachow: Haare! Ein besonderer Werkstoff: spröde, geschmeidig, stabil, formbar, dadurch zu filigranen Kunstwerken gestaltbar.
Bei „kunstwerden“ widmet sich die erste Ausstellung im neuen Jahr einem Sujet, welches uns alle angeht, denn es gibt wohl niemanden, der nicht eine Geschichte rund ums Haar in sich trägt...

"umsinnen"

Gabriele Karges, Frank Brügma und Georg von Glasow vom Verein „kunstwerden“ freuen sich auf eine spannende, bestimmt kontrovers diskutierte Ausstellung. „umsinnen“, eine Wortspielerei über „umspinnen“, „anders herum sinnen“ oder auch „herum spinnen“. Wie reagiert der Betrachter, der Körper, bei der sehr intimen Begegnung im sehr öffentlichen Raum?
Ihr besonderes Material - ausgefallene Haare - findet die Künstlerin im Umfeld, fragt auch schon mal Bekannte: „Du hast so schönes Haar, schenkst Du mir welches?“ Nicht Alle gehen unverkrampft mit dem offensichtlich mit tiefgreifenden Emotionen einhergehenden Stoff um, andere dagegen sind regelrecht stolz, dass ihr Haupthaar Gegenstand von Kunst wird.
So zum Beispiel beim absoluten Hingucker, einem geschenkten Zopf, der mit einem „Zopfetui“ zur Kunst wurde: eine anrührende Geschichte, Bettina Zachow bekam ihn als Geschenk von einer älteren Dame, die ihn einst - 1930, zur Hochzeit - abgeschnitten hatte.

Schwerelos

Im spannenden Kontext mit rauer Industriearchitektur finden sich zarte Stücke wie „Kulturbeutel“, „Schauer“ oder „Tarnkappe“. hauchdünn, mit unendlicher Geduld geknüpft, geknotet, gehäkelt, zu erstaunlich reißfesten Objekten, die in der besonderen Atmosphäre des „kunstwerden“-Kellers noch einmal ganz anders wirken. Die Objekte haben Raum zu atmen, förmlich „schwerelos“ zu wirken.
Gabriele Karges darf die Ausstellung begleiten und ist begeistert von der Anmutung der Ausstellungsstücke - berichtet aber zugleich von den intensiven Diskussionen, die im Verein anstanden, denn „Haare“ polarisierte. Georg von Glasow. 2. Vorsitzender von „kunstwerden“, musste sich einiges anhören: „Von Gedanken an die schrecklichen Bilder des Holocausts war dort die Rede, manche hatten halt sehr negative Assoziationen!“
Der Künstlerin sind solche Überlegungen fremd: „Ich möchte nicht provozieren. Einige sind fasziniert, andere entsetzt, da ist jeder in seiner Beurteilung frei!“ Denn einige ihrer Titel verraten eine wohltuende Leichtigkeit im Umgang mit Kunst. So nennt Bettina Zachow das Triptychon mit drei Korsagen, in zweijähriger Arbeit erstellt und durchaus mit erotisierendem Anklang, gespielt nüchtern „Leibbinden“ - ihre Großmutter nannte ihr Korsett so!

Eröffnung

Am Samstag, 25. Januar, findet um 17 Uhr die Eröffnung statt - zur Einführung spricht Kunsthistorikerin Ariane Hackstein.
Und Bettina Zachow - die übrigens noch in Heisingen bezahlbare Atelier- und Lagerräume sucht, wendet sich wieder „ihrem“ Material zu: Haare!
Immer freitags von 20 bis 24 Uhr und samstags von 15 bis 18 Uhr ist geöffnet, unter 0174-4412702 können zusätzliche Termine telefonisch vereinbart werden. Bis zum 2. März sind Bettina Zachows Kunstwerke zu besichtigen. Die Räume von „kunstwerden“ finden sich im Keller der „Tore Werden“ an der Ruhrtalstraße 19, Tor 2.

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