Altstadtspaziergang mit Monika Reich-Püttmann und viel lokalpatriotischem Herzblut
Geschichte und Geschichten

Alexandra Peiper dankt Monika Reich-Püttmann für erhellende zweieinhalb Stunden voll mit Geschichte und Geschichten.  
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Die Ur-Werdenerin Monika Reich-Püttmann führt regelmäßig Besuchergruppen durch die schöne Abteistadt. Mit im Gepäck hat sie „Geschichte und Geschichten“ und so manches Döneken.

Monika Reich-Püttmann führt für den Bürger- und Heimatverein durch „ihr“ Werden: „Meine Familie ist seit dem 17. Jahrhundert hier ansässig.“ Von daher wird die glühende Lokalpatriotin energisch, wenn irgendwer es wagt, ihre Heimat abzuqualifizieren: „Werden war über tausend Jahre lang bedeutendes geistliches und geistiges Zentrum. Ich ärgere mich sehr, wenn welche von einem Dorf sprechen.“ Die Basis legte ein christlicher Missionar aus adeliger Familie. Am 18. Januar 799 wird erstmals „Uuerethinum“ erwähnt. Liudger war im Auftrag Karl des Großen unterwegs, um die Friesen und die Sachsen zu bekehren. In Werden gründete er sein Eigenkloster. Die Ruhr und das erhöht gelegene Ufer boten Schutz.

Mit viel Herzblut

Geschichten über Geschichten, aus eigener Anschauung oder zumindest mit viel Herzblut erzählt. Ein Altstadtspaziergang mit Reich-Püttmann müsste eigentlich erste Bürgerpflicht sein. Nicht nur für Besucher, sondern auch für Einheimische. Man lernt immer noch Erstaunliches dazu und darf auch mal schmunzeln. Wegen dieser lehrreichen und launigen Mischung hat Organisatorin Alexandra Peiper diesen Spaziergang auch in den Kalender der Werdener Adventsfenster eingereiht. Nun biegen die Besucher um die Ecke und staunen. Dieser Blick auf die Basilika hat was: „Wenn ich hier stehe und schaue, ergreift es mich immer wieder.“ Im Kirchenschiff bleibt Monika Reich-Püttmann vor einem Großbild stehen. Madonna mit Jesuskind auf dem Arm, links und rechts Heilige, darunter zwei Engel. „Das sieht doch aus wie…“ denkt der Besucher und fühlt sich an die Sixtinische Madonna erinnert. In der Tat wurde der Heidhauser Maler Theodor Mintrop mit Giotto verglichen und als „rheinischer Raffael“ gefeiert. In der Krypta am „locus arboris“ ist St. Ludgerus begraben. Einmal im Jahr verlässt der Ortsheilige seine Gruft und wird in einer Prozession durch Werden getragen: „Wenn die ganze Kirche zur Schreinerhebung das Ludgeruslied singt, da laufen dir Schauer den Rücken herunter.“

Die Textilindustrie

Hier gab es Textilindustrie von Bedeutung: „Die Werdener Feintuchwerke waren eine weltbekannte Firma, die bis nach Amerika exportierte.“ Und nach Russland, ein Verkaufsschlager waren Offiziersuniformen. Monika Reich-Püttmann zitiert aus einer Depesche des Zaren: „Die Stoffe stark walken, die russischen Winter sind kalt!“ In den 1960er Jahren war es vorbei mit der Tuchindustrie. Auf ihre Spuren stößt man in der Grafenstraße. Hat nix mit „Grafen“ zu tun. Vielmehr verlief hier der Stadtgraben entlang der Stadtmauer aus dem 14. Jahrhundert. Das Weberhaus aus dem Jahr 1756 hat zwei verschiedene Geschosshöhen. Die höheren Räume der linken Hälfte wurden für die großen Webstühle genutzt. Das Romanische Haus der Herren von Rüttenscheid aus dem 12. Jahrhundert mit seiner hoch gelegenen Eingangstür ist stummer Zeuge früherer Wetterkatastrophen. Hier floss der Mühlenbach entlang, und sobald im Sauerland Schneeschmelze war, drohte Hochwasser. Erst durch die Aufstauung des Baldeneysees ist die Überschwemmungsgefahr weitgehend gestoppt.

Potemkinsche Fassade

Fast ist der Spaziergang zu Ende, aber eines muss noch klargestellt werden: „Das ist ein Potemkinsches Gebäude!“ Heute nur noch Fassade, galt die Kemnate als eines der schmalsten Häuser Deutschlands. Das muss wohl ein bisserl korrigiert werden. Auch das Baujahr 1336 war wohl blanke Erfindung, als ein Malerlehrling die Fassade streichen und eine Jahreszahl drauf schreiben sollte. Ein ganzes Stück schlauer und bestens unterhalten nehmen die Spaziergänger Abschied von ihrer überaus kundigen Führerin und Alexandra Peiper dankt für diese erhellenden zweieinhalb Stunden randvoll mit Geschichte und Geschichten.

Autor:

Daniel Henschke aus Essen-Werden

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