Diese Liebe ist nicht zu toppen

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Die außergewöhnliche 60-jährige Ehe von Else und Georg Lubitz. –Unfassbar!

Eine Ehe zu Dritt führten über 16 Jahre die Altendorfer Else und Georg Lubitz. Von 1950 bis 1966. Tja - wäre ihre gegenseitige Liebe nicht so brennend gewesen. Am 22. Dezember feiern Else mit Georg, mit ihren zwei Kindern, neun Enkeln, 2 Urenkeln Diamantene Hochzeit. Und sie sorgen weiter für Gesprächsstoff…

Das Auffallende bei dem auf dem ersten Blick „kleinen Pärchen“ ist ihre Größe: Else Lubitz misst gerade mal 154 Zentimeter. Immer an ihrer Seite steht stolz der 165 Zentimeter große Georg. Eine Sechs-Jahrzehnte-Ehe haben sie gemeistert. Wie schafft man 60 Jahre Zusammenhalt? „Normal“, meinen sie. Zunächst. Doch die Bilanz fällt anders aus: Unnormal!
Bodenständig, ehrlich, zuverlässig – diesem Motto sind sie ewig treu. Zwar wohnten sie ab 1950 bis 1954 vier Jahre in Altenessen. „Doch danach leben wir seit über 50 Jahren in Altendorf, Siemensstraße, im Achtfamilienhaus.“ Schon sprudelt die taffe 81-jährige Else munter über wahrlich nicht immer leichte Ehejahre.
Rückblick: Beide stammen aus dem heutigen Polen – Niederschlesien und Mark Brandenburg. „Kennengelernt haben wir uns aber in Essen-Bredeney. Im Restaurant „Alleeschlösschen“. Von wegen bei ‚nem Fest. Else erinnert: „Dorthin wurde ich vom Arbeitssamt vermittelt. Eigentlich wollte ich Kindergärtnerin werden. Bedingt durch die Kriegswirren musste ich aus der Heimat raus.“ Also Vorstellungsgespräch im Essener Restaurant, sie wurde in der Küche angestellt. Da arbeitete auch ihre spätere Schwiegermutter. „Sie hatte ein Zimmer, wurde regelmäßig von ihrem Sohn Georg besucht, der nach seinen schweren Kriegsjahren, zuletzt an der Front Kurland/Rußland, beruflich auf der Zeche Amalie landete.“
Die Wohnung wiederum besorgte Georg seiner Mutter unter schwierigsten Umständen. Das Heimweh trieb ihn nämlich. „Mutti lebte bei meinem Bruder in Vorpommern.“ Zu Fuß wanderte er nach Leutschow; mal per Anhalter auf dem Heuwagen, streckenweise mit dem Zug. Zurück – mit Mutter – die gleichen Strapazen…
Sie ahnen schon? Richtig. Else lernte Georg also im Essener Restaurant kennen. War es Liebe auf den ersten Blick – bei Else und Georg? „Ich weiß es nicht“, gesteht Else. „Vielleicht die Einsamkeit? Ich hatte kein Zuhause, Georg auch nicht. Aber: Er kam, sah und siegte. Nicht wahr?“ Verschmitzt kontert er: „Ich habe ja nichts zu vermelden. Du sagst es ja schon…“
Der 55-jährige Sohn Arnd hakt ein: „Mit Beiden kann man Pferde stehlen. Auf sie ist Verlass. Wir haben ein selten gutes Verhältnis.“ Mit Schwester Karin (59) inbegriffen. Dabei werden warme Blicke ausgetauscht. Ehrlichkeit ist die Größe von Else: „Von Beginn unserer Ehe lebten wir in der Wohnung von Georgs Mutter. Die Zeiten waren nicht rosig.“ Zusammenrücken war Zwang. Als dann der Umzug nach Altendorf bevorstand, ging es Georgs Mutter gesundheitlich nicht so gut. Normal war es für das Paar, sich weiter intensiv um sie zu kümmern. „Hätte mein Georg nicht immer zu mir gestanden, wäre die Ehe kaputt gegangen…“ Und – ein „drittes Kind“ gesellte sich dazu.
Ganz „normal“, uneigennützig, stand sofort für Else und Georg fest, ihren damals drei-jährigen Enkel Sascha wie ein eigenes Kind für fast vier Jahre liebevoll in Altendorf aufzunehmen, als der berufstätige Sohn Arnd seine Frau durch Tod verlor. Glück nach dem furchtbaren Unglück: Arnd fand wieder eine herzliche Frau und Mutter für seinen Sohn.
Das quirlige Ehepaar beweist: Nicht Reichtum macht glücklich sondern ihre gegenseitige starke Liebe. Die ca. 54 qm Wohnung verströmt Wärme, Gemütlichkeit.
Die Wände spiegeln die zweite Leidenschaft von Georg wider: Sammlung von Seltenheiten. Else macht natürlich mit. Ob das Paar in Urlaub weilte oder Trödelmärkte, Feste besuchte: Georg konnte nicht widerstehen: Er ist süchtig nach Porzellan, Ansichtskarten, Autogrammkarten…
So prangen wahre Liebhaberkarten nebeneinander, mit Autogrammen von Wernher von Braun - der als Kolumbus des Weltalls und Vater des legendären Mondflugs von 1969 in die Geschichte einging. Daneben die bunte Grußkarte von Rudolf Schock – deutscher Opern-, Lied- und Operettensänger. „Ein Kriegskamerad im weitesten Sinne“. Ferner eine Autogrammkarte von Robert Stolz, Wiener Operetten- und Filmkomponist (1880-1975)…
Auf Rosen ist die Familie Lubitz nicht gebettet; dafür reich an Herzenswärme. Die Jubilarin betrachtet es als normal, dass sie zur Martinszeit den Nachbarn Stutenkerle vor die Tür legt…Klagen kennen sie nicht. Klar, machten Krankheiten keine Kurve um sie. Georg verpackte einen Herzinfarkt, Else hat eine neue Hüfte. Aus der Not machen sie das Beste: Der Hausmann kauft ein, die Hausfrau sorgt täglich warm für den Magen. Wie heute: Eisbein mit Sauerkraut! Fithalten? Else räumt ein: „Häufig gehe ich die Hausflurtreppen rauf und runter. Immerhin 80 Stufen. Mehrmals!
Gefeiert wird im „kleinen Kreis“ mit der Familie. Die war früher beachtlich: Georg hatte sieben Geschwister; Else neun. „Jetzt lebt nur noch mein Zwillingsbruder, der liegt augenblicklich im Krankenhaus.“
Ach ja, liebend gerne lesen beide. Auch wenn es nach Eigenwerbung riecht, Else behauptet: „Den WEST-ANZEIGER möchte ich nie missen. Und – Liebesromane.“ Doch die werden irgendwann weggelegt. Wobei die Liebe von Else und Georg Lubitz täglich neu aufflammt…

Fotos: Michael Gohl / West Anzeiger

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