Schülerin des Schalker Gymnasiums entwickelt in der Kunst-AG ein prämiertes Kunstwerk
„Ein Leben ohne Etikett“

Wiktoria Szczurek präsentierte und erklärte ihr Kunstwerk gegen das Schubladendenken und für ein Leben ohne Etikett, mit dem sie Vorurteile und die dahinter befindlichen Individuen beleuchtet.
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  • Wiktoria Szczurek präsentierte und erklärte ihr Kunstwerk gegen das Schubladendenken und für ein Leben ohne Etikett, mit dem sie Vorurteile und die dahinter befindlichen Individuen beleuchtet.
  • Foto: Gerd Kaemper
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Der Kunstunterricht war und ist für viele Schüler eine Art überflüssiger Unterricht, in der einfach nur Zeit abgesessen werden muss. Um das zu ändern geht man am Schalker Gymnasium seit einigen Jahren einen anderen Weg und holt sich für Projekte die Gelsenkirchener Künstlerin Claudia Lüke ins Haus. Was das bewirkt, zeigt die Auszeichnung des Werkes von Wiktoria Szczurek mit dem Otto-Wels-Kunstpreis 2020.

Seit Januar nimmt die 16-jährige Schülerin an der Kunst-AG teil, die Claudia Lüke am Schalker Gymnasium anbietet und beteiligte sich gleich an einer Ausschreibung der SPD-Bundestagsfraktion zum Otto-Wels-Kunstpreis 2020. Und das mit Erfolg, denn sie wurde in Berlin mit dem zweiten Preis und einem Preisgeld von 700 Euro ausgezeichnet.
„Die Teilnahme an einem Wettbewerb ist für Künstler beinahe das tägliche Brot, aber eben nicht für Schüler. Darum strukturiere ich den Kunstunterricht anders als sonst üblich, um die Schüler zu motivieren, genau an solchen Projekten teilzunehmen“, schildert eine stolze Kunstpädagogin Claudia Lüke, in deren Unterricht drei beachtenswerte Werke zu dem Projekt entstanden sind.
Stolz zeigt sich auch Schulleiter Wilhelm Derichs: „Wir kooperiern seit rund sechs Jahren mit Claudia Lüke und freuen uns, dass diese Zusammenarbeit nun gewertschätzt wird. Denn wir wissen, dass Kunst in der Schule etwas anderes ist als künstlerisch tätig zu sein. Frau Lüke bringt mit ihrem Unterricht neue Kunstperspektiven in die Schule und bereichert mit ihrem Engagement als jemand, der mit der Kunst sein Geld verdient, den Unterricht. Dank ihrer Motivation der Schüler wurde nun der inzwischen dritte Wettbewerb unter ihrer Federführung erfolgreich abgeschlossen. Wobei der Otto-Wels-Kunstpreis die bisherige Krönung darstellt.“
Möglich wurde das Ganze durch das Projekt „Kultur und Schule“. Das von Lüke eingereichte Konzept wurde genehmigt und war mit einer Ausstellung und dem Wettbewerb verbunden.
Bei dem von der SPD-Bundestagsfraktion ausgelobten Otto-Wels-Kunstpreis handelt es sich auch um einen politischen Preis, wie der SPD-Bundestagsagebordnete Markus Töns erläuterte. Der Preis wird seit sieben Jahren vergeben und geht zurück auf den Fraktionsvorsitzenden der SPD, der im Jahren 1933 im damaligen Reichstag Adolf Hitler die Stirn bot und gegen das Ermächtigungsgesetz stimmte. Dabei erklärte er: „Freiheit und Leben kann man uns nehmen, die Ehre nicht.“
Töns erklärte: „Der Preis möchte dazu anregen, dass sich junge Menschen intensiv mit gesellschaftlichen Veränderungen befassen. Denn obwohl man oft glaubt, die Jugend sei unpolitisch, ist dem nicht so. Das zeigte sich auch bei der Preisverleihung auf der Bühne in Berlin, wo Wiktoria Szczurek sehr bewegend erklärt hat, warum sie ihr Kunstwerk so geschaffen hat, wie es ist.“
Auch wenn die 16-jährige Schülerin noch immer durch auf sie gerichtetes Blitzlichtgewitter aufgeschreckt wird, schilderte sie anschaulich und nachvollziehbar, welche Gedanken hinter ihrem Kunstwerk, das in einer Schublade beheimatet ist, stecken.
Wiktoria Szczurek beschreibt ihr ausgezeichnetes Werk so: „Man kann die Schublade von zwei Seiten betrachten. Die eine Seite zeigt herrschende Vorurteile etwa gegen Sklaven, Terroristen oder auch Hausfrauen, die andere Seite zeigt die Sicht der Individuen auf sich selbst. Damit wollte ich verdeutlichen, dass man das Schubladendenken ablegen muss. Denn dabei überwiegen die Etiketten, die zeigen wie man über Menschen denkt, über die Ansichten der Individuen. Und das nicht nur in der heutigen Zeit, wie das Beispiel des Asiaten zeigt, der angesichts der Corona-Pandemie oft als der Schuldige daran betrachtet wird, sondern auch schon in der Geschichte, wofür das Bild des Sklaven steht. Ich möchte mit meinem Werk für ein Leben ohne Etikett werben.“
Und bei aller jugendlichen Unsicherheit ist die junge Dame aktiv, wenn es um die Umwelt geht, etwa bei den Fridays For Future Demos, oder um die Flüchtingsproblematik, bei einer Demo gegen die Verhältnisse in Moria. Denn für Wiktoria Szczurek ist klar: „Man muss immer weiter kämpfen für das friedliche Miteinander der Gesellschaft. Es lohnt sich, sich mit der Geschichte und Politik auseinander zu setzen. Dabei versteht man, was jeder einzelne von uns beitragen kann für eine friedliche Gesellschaft. Darum bin ich sehr stolz auf das, was ich hier geschaffen habe.“
Die Preisverleihung in einer umgebauten Werkshalle in Berlin wurde sehr feierlich gestaltet, soweit es die Corona-Verordnungen zu ließen. Die Feier bildete auch den Abschluss der Klausurtagung der SPD-Bundestagsfraktion und bot die Gelegenheit, durch die Vermittlung von Markus Töns auch die SPD-Spitzenpolitiker kennen zu lernen.
„Das Ganze war bis zum Schluss sehr spannend. Denn wir sind nach Berlin gereist, ohne zu wissen, welchen der drei Preise Wiktoria Szczurek gewonnen hatte“, schildert Claudia Lüke. Am Ende wurde der Gelsenkirchenerin durch Rolf Mützenich, den Vorsitzenden der SPD-Bundestagsfraktion ihr Preis und ein Scheck über 700 Euro überreicht. Das Geld will die 16-Jährige erst einmal sparen.
Als Gelsenkirchener Abgeordneter zeigte sich Markus Töns begeistert: „Ich war wirklich stolz über das Auftreten unserer Preisträgerin. Denn ich bin sicher, dass eine Gesellschaft, in der sich Menschen nicht mehr engagieren, früher oder später kaputt gehen wird.“
Doch dem kann man vorbeugen, wie Claudia Lüke anmerkte: „Und genau solche Schüler, die sich engagieren, die findet man in AGs, wie der Kunst-AG am Schalker.“

Wiktoria Szczurek präsentierte und erklärte ihr Kunstwerk gegen das Schubladendenken und für ein Leben ohne Etikett, mit dem sie Vorurteile und die dahinter befindlichen Individuen beleuchtet.
 Vor dem Kunstwerk "Die Welle", die ebenfalls im Kunstunterricht von Claudia Lüke am Schalker Gymnasium entstand, stellten sich die stolzen Beteiligten an dem Projekt auf mit (von links) SPD MdB Markus Töns, der Preisträgerin Wiktoria Szczurek, Künstlerin und Kunstpädagogin Claudia Lüke sowie dem Schulleiter Wilhelm Derichs.
Autor:

silke sobotta aus Gelsenkirchen

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