Morgen erscheint der 15. Ostfriesenkrimi - Gelsenkirchener erhalten vorab eine Leseprobe
Sommerfeldt kehrt zurück

In seinem neuen Krimi "Ostfriesenzorn" schickt  Klaus-Peter Wolf seinen Serienkiller Dr. Bernhard Sommerfeldt zurück nach Gelsenkirchen. Nur für ein kurzes Gastspiel, gemordet wird woanders. Lesen Sie hier schon heute ein Kapitel aus dem Krimi, der ab morgen erhältlich ist. Foto: Wolfgang Weßling
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  • In seinem neuen Krimi "Ostfriesenzorn" schickt Klaus-Peter Wolf seinen Serienkiller Dr. Bernhard Sommerfeldt zurück nach Gelsenkirchen. Nur für ein kurzes Gastspiel, gemordet wird woanders. Lesen Sie hier schon heute ein Kapitel aus dem Krimi, der ab morgen erhältlich ist. Foto: Wolfgang Weßling
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"So machen wir das: Am Mittwoch, 10. Februar, wenn "Ostfriesenzorn" an die Buchhandlungen verschickt wird, veröffentlicht der Stadtspiegel das Kapitel, in dem Dr. Bernhard Sommerfeldt nach Gelsenkirchen zurück kehrt", versprach Krimi-Autor Klaus-Peter Wolf und hielt Wort. Damit möchte er den Gelsenkirchenern danken für ihre Treue auch in der Corona-Pandemie, die seine 2020 geplante Lesung zunichte gemacht hat. Lesen Sie auch über den Filmstart zum neuen Ostfriesenkrimi im ZDF

Ostfriesenzorn ist der 15. Kriminalroman von Klaus-Peter Wolf, in dem Ann Kathrin Klaasen einen Serienkiller jagt. Darin begegnet man vielen vertrauten Figuren, wie Kommissar Frank Weller, Ex-Kripo-Chef Ubbo Heide, Ostfriesenmagazin-Chefredakteur Holger Bloem sowie anderen real lebenden Ostfriesen und natürlich dem Publikumsliebling Rupert.
Mit der bekannten Tagesschausprecherin und Moderatorin Judith Rakers bekommt auch eine Prominente Anteil am Geschehen im Buch. Wie der Autor verrät kam es zu ihrem "Auftritt" in Ostfriesenzorn im Rahmen von Dreharbeiten zu ihren Inselgeschichten. "Wir haben im Zuge einer Reportage auf Langeoog auch die Schauplätze von Morden, die in meinen Büchern stattgefunden haben, besucht und Judith fragte mich nach dem nächsten Mord, den ich auf der Insel plane. Wir kamen dabei auch auf die vielen real existierenden Figuren in meinen Büchern, wie den Maurer Peter Grendel oder den Konditor Jörg Tapper, und Judith signalisierte, dass sie auch gern mal dabei wäre. Sie hatte nur eine Sorge: Muss ich sterben? Aber die Angst konnte ich ihr nehmen. Denn die realexistierenden Figuren werden nie Opfer, oder besser nie Mordopfer", lacht Klaus-Peter Wolf bei der Erinnerung daran, dass Holger Bloem schon mal im Kofferraum seines eigenen Autos von Dr. Sommerfeldt gekidnappt wurde.
Beim Lesen wird schnell klar: Dieser Fall bringt Ann Kathrin Klaasen bis an ihre Grenzen und ist eine echte Herausforderung. Denn der Killer beginnt sein mörderisches Treiben auf der malerischen Urlaubsinsel Langeoog, wo Judith Rakers gerade eine Reportage dreht.
Der Killer will sich mit Dr. Bernhard Sommerfeldt messen, den Ann Kathrin Klaasen gefasst und ins Gefängnis gebracht hat. Er schickt ihm Fotos von seinen Opfern auf ein Handy, das der gute Doktor unerlaubterweise in die Justizvollzugsanstalt Lingen geschmuggelt hat. Während Sommerfeldt nur Männer getötet hat, die sich an Frauen oder Kindern vergangen haben, tötet der Killer Frauen, weil er glaubt, dass er damit Sommerfeldt überlegen ist. Er sieht sich als Meister der Serienkiller. Doch die Rechnung hat er ohne den Doktor und die Kommissarin auf gemacht.
Denn die beiden verbindet eine ganz besondere Beziehung und Sommerfeldt informiert Klaasen über seine Erkenntnisse zu dem Killer, ja er bietet ihr sogar seine Hilfe an. Damit bringt er die Kommissarin in einen Zwiespalt, denn sie müsste einem Mörder zur Flucht verhelfen, um einen anderen dingfest zu machen. Oder wie Rupert sagt: "Wir lassen einen Serienkiller frei, um einen anderen einzukassieren. Was soll denn da schiefgehen?"
Ann Kathrin Klaasen sucht Rat bei ihrem ehemaligen Chef Ubbo Heide und findet schließlich in Weller und Rupert Unterstützer, die ihr helfen, einen tollkühnen Plan umzusetzen. Und wie bereits der Abdruck des Kapitels als Dankeschön an die Gelsenkirchener Leser verrät, zieht es Dr. Bernhard Sommerfeld wieder an eine seiner alten Wirkungsstätten, nach Gelsenkirchen...
Die drei Kommissare pokern hoch, ob sich das Blatt zu ihren Gunsten wendet, verrät die Lektüre von "Ostfriesenzorn". Es lohnt sich!
Von Donnerstag, 11., bis Samstag, 13. Februar, gibt es in den letzten Minuten vor der 20 Uhr-Tagesschau eine Einstimmung auf den Krimi. 

Auszug aus Klaus-Peter Wolf "Ostfriesenzorn"

"Sommerfeldt lief ein Stück durch den Wald. Auf dem ersten Parkplatz versuchte er sein Glück bei vier, fünf Autos. Sie waren alle abgeschlossen. Er sah fast ein bisschen beleidigt zum Himmel hoch, wo Kumuluswolken sich zu einem riesigen Blumenkohl zusammenzogen, der sich mit ein bisschen Phantasie als lachendes Gesicht interpretieren ließ. Kaum aus dem Gefängnis, fühlte er sich wieder der Natur verbunden, ja so sehr als Teil von ihr, als könnten Wolken ihn auslachen und Bäume mit ihm sprechen.
Seine Sehnsucht zog ihn zum Meer, doch er hatte vorher noch ein paar Dinge zu erledigen. Er entschied sich, weil es schwer war, einen Wagen zu stehlen, für den öffentlichen Nahverkehr. Mit Bus und Bahn kam er gut vorwärts. Er stieg in raschen Wechseln um. Er wurde nicht erkannt. Noch glaubten die Menschen, er sei im Gefängnis. Außerdem schützte ihn der wüste Bart. Auf allen veröffentlichten Fotos hatte er ein glattrasiertes Gesicht.
Er gab sich in der Bahn Mühe, wie ein Penner zu wirken, der die gute Anzugjacke vermutlich geschenkt bekommen oder geklaut hatte. Er brummte vor sich hin und kratzte sich immer wieder. So sorgte er dafür, dass andere Fahrgäste Abstand zu ihm hielten. Die meisten waren aber ohnehin viel zu sehr mit sich und ihrem Alltagsstress beschäftigt, als dass sie Zeit gehabt hätten, sich um Mitfahrer zu kümmern.
Am Bahnhof in Gelsenkirchen stahl er sich ein Fahrrad und genoss es, durch die Stadt zu radeln und die Plätze zu sehen, die er von seinem letzten Aufenthalt her kannte. Auch wenn die Zeit drängte, fuhr er doch bei der Buchhandlung Junius vorbei, wo Ann Kathrin Klaasen ihn damals verhaftet hatte. Er freute sich, dass im Schaufenster seine drei Bücher lagen. Er verspürte den Impuls, hineinzugehen und sich bei der Buchhändlerin zu bedanken. Er tat es nicht. So unvernünftig war er nun doch nicht. Aber er entschied sich, der Buchhändlerin Sabine Piechaczek einen Strauß Blumen zu schicken. So viel Anerkennung musste doch sein.
Er radelte am Weißen Riesen vorbei. Wehmut befiel ihn. Er dachte daran, wie lange er sich in dem Hochhaus mit Blick über die Stadt versteckt hatte.
Was bin ich nur für ein sentimentaler Hund, dachte er.
Ja, es interessierte ihn, wer jetzt in seiner ehemaligen Wohnung lebte. Aber er würde es wohl nie erfahren. Er musste weiter.
Er hatte vor, Bärbel, seine ehemalige Therapeutin, in der Bismarckstraße zu besuchen. Es war inzwischen wieder ruhiger um sie geworden. Eine Weile hatte sie in Talkshows erzählt, er sei zu den Taten, die er gestanden hatte, gar nicht fähig. Sie bekam sogar eine eigene Radiosendung. Sie löste öffentlich Paarprobleme und sprach über Erziehungsfragen.
Sein Besuch würde ihr später bestimmt noch sehr nutzen und ihren Bekanntheitsgrad erneut erhöhen. Sie verstand es, durch den Kontakt zu ihm für sich einiges herauszuholen, ohne ihm dabei zu schaden.
Doch jetzt erwartete er einfach nur Hilfe von ihr. Er war sich völlig sicher, dass sie ihn schützen und ihm weiterhelfen würde. Es war eine klare Win-Win-Situation.
Sie empfing ihre Klienten immer zur vollen Stunde, und eine Sitzung dauerte grundsätzlich fünfzig Minuten. In den zehn Minuten dazwischen kochte sie sich einen Tee und erledigte all den Kram, der eben auch getan werden musste, wenn man selbständig war. Sie schrieb Rechnungen, Berichte, und manchmal las sie ein bisschen Fachliteratur. Diese zehn Minuten waren seine Chance. Während einer Sitzung ging sie weder ans Telefon noch zur Tür.
Er sah gerade eine verheulte Klientin bei ihr herauskommen. Sie putzte sich die Nase und stand auf der Straße, als sei sie aus einer anderen Dimension gefallen und hätte jetzt Mühe, sich in der Zivilisation zurechtzufinden. Solche Zustände kannte er auch von sich selbst.
Er klingelte, und Bärbel öffnete mit einem Kaffeepott in der Hand, aus dem Yogitee duftete. Es roch nach Fenchel, Kurkuma, Zimt und Ingwer. Sie reagierte überhaupt nicht erschrocken oder überrascht, sondern so, als habe sie damit gerechnet, dass er komme, ja, ihn erwartet.
Sie empfing ihn mit offenen Armen und bat ihn herein. »Ich habe gleich einen Klienten«, sagte sie, »aber danach bin ich frei bis heute Abend. Dann läuft mein Entspannungskurs in der VHS.«
Er kam gleich zur Sache. »Hast du Wunddesinfektionsmittel da und vielleicht auch eine sterile Pinzette oder ein Skalpell?«
»Bist du verletzt?«
»Nein, ich habe nur einen Splitter, hier zwischen Daumen und Zeigefinger. Er sitzt tief und muss raus.«
Sie fragte nicht weiter nach. »Desinfektionsmittel habe ich, aber natürlich kein Skalpell. Ich kann aber nach der Sitzung für dich in die Apotheke gehen und dir alles besorgen, was du brauchst.«
Ihr Klient kam ein paar Minuten zu früh. Sie führte ihn gleich in den Behandlungsraum, den Sommerfeldt ja nur zu gut selbst kannte. »Auf dem Sessel da«, raunte er ihr leise zu, »bin ich auch von dir gegrillt worden.«
»Ich grille meine Klienten nicht«, lachte sie. Sie war auf eine lebenslustige Art locker und ging, das kannte er ja an ihr, auch mit ungewöhnlichen Herausforderungen und Situationen um, als gehörten sie zur Normalität des Alltags.
Während sie mit ihrem Klienten an seiner Vaterproblematik arbeitete, bediente Sommerfeldt sich am Medizinschränkchen im Bad. Er hatte nicht vor, auf das Skalpell zu warten. Er entfernte sich in der kleinen Küche den Chip mit Wellers Hirschfänger. Er machte es über der Spüle. So fiel es ihm danach leicht, das Blut wegzuwischen.
Er sah das Messer an. »Das war deine Bluttaufe«, sagte er zu ihm. Er fand, er hatte es jetzt geadelt. Auch wenn es eigentlich nicht seinen Vorstellungen von einem guten Messer entsprach, so wollte er es doch in der nächsten Zeit nutzen. Es würde ausreichen, um ein paar Leuten mächtig Angst einzujagen. Am Ende war jede Klinge doch nur so gut wie die Hand, die sie führte.
Er schnitt damit mehrfach durch die Luft, als würde er versuchen, einen Kehlkopf zu durchtrennen. Dann übte er ein paar Attacken mit der Spitze. Seinen berühmten Herzstich durfte er nicht vermasseln. Die Welt war Präzision von ihm gewohnt. Er wollte nicht hinterher dastehen wie einer, der es verlernt hatte. Er war der Meister. Immer noch.
Er hatte den Chip nicht zerstört. Er überlegte, wohin damit."

Autor:

silke sobotta aus Gelsenkirchen

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