Spielemesse im Trigon: Traumwelten auf Brettern

Jetzt ganz vorsichtig: Charlotte (7) bringt zusammen mit Spielothek-Mitarbeiterin Linda Gritzan einen Ballon an seine Grenzen. Fotos: Ralf Pieper
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  • Jetzt ganz vorsichtig: Charlotte (7) bringt zusammen mit Spielothek-Mitarbeiterin Linda Gritzan einen Ballon an seine Grenzen. Fotos: Ralf Pieper
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Der Nebel waberte kalt und trübe durch Halterns Straßen, und der Wind schnitt unangenehm in die Haut: Welch besseres Wetter konnte man sich für einen Spielenachmittag wünschen? Im Trigon wurde jedenfalls begeistert gewürfelt, gelacht und taktiert. Besonders Glückliche konnten sich sogar für eine besondere Meisterschaft qualifizieren.

Langsam drückte sich der dünne Plastikstab in den bereits straff gespannten Ballon. Die siebenjährige Charlotte biß sich aufgeregt auf die Unterlippe. "Puh", atmete das Mädchen auf, "nicht geplatzt". Stolz reichte sie den Würfel an Linda Gritzan weiter. Die geduldige Studentin nahm die nächste Runde an und verriet: "Eigentlich hätte er schon längst platzen sollen". Nun lag das Schicksal des Ballons in ihren Händen.

Kinderspiele wie "Bumm Bumm Ballon" waren aber nicht die einzigen Renner auf der Spielemesse im Trigon. Zum achten Mal hatten die Jugendeinrichtung und die Marler Spielothek gemeinsam zu einigen Stunden guter Laune an den Spieltischen geladen. Hier konnten Kinder und Erwachsene nicht nur die besten Neuerscheinungen ausprobieren, sondern auch bei bewährten Klassikern gemeinsam in Spielewelten eintauchen. Die Mitarbeiter der Spielothek standen dabei nicht nur als fachkundige Berater zur Verfügung, sondern saßen auch mit am Tisch, wenn Würfel oder Karten ausgepackt wurden.

Immer noch hielt der Ballon durch. "Wow, der ist noch immer nicht kaputt?" wunderten sich zwei Jungs im Grundschulalter und sahen Linda und Charlotte über die Schulter. Am Nebentisch wanderten nervöse Blicke bereits zu dem straffen Gummischlauch herüber, von dem bald der unvermeidliche Knall erwartet wurde. Nur die zehnjährige Leonie hatte keinen Blick dafür, sondern betrachtete mit einem Stirnrunzeln ihre Aktionskarten. "Die Königin sieht angeberisch aus", befand sie und legte die abgedruckte Monarchin zurück auf den Tisch. Zusammen mit ihren Eltern und der Spielothek-Chefin Martina Kraft versuchte sich Leonie in dem Spiel Grimoria, das die Teilnehmer in eine Fantasy-Welt entführte. "Du brauchst gar nicht so zu lachen, ich habe einen Schutzzauber" feixte Leonies Mutter ihren Gatten über den Tisch hinweg an und legte siegesgewiss eine Karte ab. Gegen den Knall half der Zauber allerdings nicht, der vom Ende des Ballons am Nebentisch verkündete.

Spiele führen Menschen zusammen

Rund fünfzig Spieler fanden sich an diesem Tag im Trigon ein, und die meisten machten es sich direkt für einige Stunden gemütlich. Schließlich sind Gesellschaftsspiele eine Unterhaltung, für die man sich am besten etwas Zeit mitbringt. Die investierte Zeit lohnt sich aber, wie Martina Kraft von der Spielothek betont: "Gesellschaftsspiele fördern die Kommunikation und können der Vereinsamung entgegenwirken".

So sei das gemeinsame Spiel nicht nur für Familien immer ein schönes Ereignis, sondern könne auch Fremde zusammenführen. In der Spielothek erlebe sie es immer wieder, wie Kinder und Jugendliche über das Spielen neue Freunde finden und sogar ihre Geburtstage in der Gruppe mit Würfel und Karten feiern. Auch aus der Sicht einer Sozialpädagogin sei das Spiel ein gutes Medium: "Oft kommen wir so an ansonsten verschlossene Menschen heran", erklärt Martina Kraft.

Ideen für den Gabentisch

Je näher das Weihnachtsfest rückt, desto größer ist natürlich auch das Interesse an guten Spielen für den Gabentisch. Zwei Jungs am Nebentisch hatten ihre Wahl schon getroffen: "Wir spielen Kakerlakak, das haben wir auch schon auf den Wunschzettel geschrieben", sagen die beiden fröhlich. Hier galt es, eine elektrisch zum Krabbeln gebrachte Käferfigur durch ein Tischlabyrinth sausen zu lassen - zur sichtlichen Freude der Jungs. Und was empfiehlt die Expertin?

"Spiel des Jahres ist Hanabi", erklärte Martina Kraft und betont die erste Silbe des japanischen Wortes für Feuerwerk.Besonders faszinierend findet die Kennerin das Konzept des kooperativen Spiels, das im Moment große Erfolge erzielt: "Im Grunde spielt man zusammen gegen das Spiel. Ich kenne kein anderes Kartenspiel, bei dem das möglich ist", stellt Kraft die Besonderheit von Hanabi dar. Allerdings sei es für das gesellige Familienspielen am Weihnachtsabend nicht so optimal geeignet, da es sehr viel Konzentration erfordere.

Leichtere Kost sei da zum Beispiel "Augustus". "Wir nennen es auch Bingo im Alten Rom", so Kraft, "es bietet einen leichten Einstieg, auch wenn die Anleitung recht unpraktisch ist". Schön sei auch "Qwixx", denn das sei "ein Würfelspiel, das alle beteiligt". Anspruchsvollen Spielern, die sich auch gerne mit der Materie beschäftigen und sich auf eine Fantasiewelt einlassen können, legt Martina Kraft "Die Legenden von Andor" ans Herz.

Würmer sammeln für München

Richtig rund ging es an diesem Nachmittag aber mit einem noch jungen, aber inzwischen zum Kult reifenden Würfelspiel mit verrückten Hühnern und begehrten Würmern: "Heckmeck am Bratwurmeck" sorgte für viel Freude bei den Teilnehmern. Die Gewinner konnten sich an diesem Tag sogar für die offizielle WM in München qualifizieren - aber auch ohne den Fahrschein nach Bayern gab es bei der achten Spielemesse im Trigon jede Menge glückliche Menschen, die einen tollen Nachmittag gewonnen hatten.

Autor:

Oliver Borgwardt aus Gladbeck

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