Martin Daldrup macht aus der Not eine Tugend und verbringt seine neue Freizeit beim Segeln
Einmal über den "großen Teich" und wieder zurück: M Jambos mutige Reise zu den Virgin Islands

Martin Daldrup freut sich auf die Segeltour in die Karibik.
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  • Martin Daldrup freut sich auf die Segeltour in die Karibik.
  • hochgeladen von Dirk Bohlen

Martin Daldrup hat sein Herz zweimal verloren: an eine liebreizende Frau aus Hamminkeln und ans Segeln.  Der gebürtige Halterner wohnt in Selm und tat vor einiger Zeit, was Viele sich wünschen: Er trat mit 55 Jahren vorzeitig in den Ruhestand.

"Nicht ganz freiwillig, aber das Leben spielt manchmal so!", sagt Martin augenzwinkernd. Im vergangenen Mai ist er "unverhofft aus dem aktiven Arbeitsleben ausgeschieden". In ein Loch fällt er deswegen aber nicht:  Gar nicht mehr lange, dann begibt er sich auf eine ausgedehnte Segelreise. "Ich möchte für acht Monate eine Runde um den Nordatlantik segeln, also einmal zur Karibik und wieder zurück", lächelt Martin.

Mit seiner Segelyacht Jambo - eine Bavaria 34 Holiday,  Länge: 10,7 Meter - die er vor sechs Jahren "relativ spontan gekauft" hat, segelt er normalerweise an den Wochenenden und natürlich im Urlaub. Im Januar soll's anders laufen: "Dann erfülle ich mir den langjährigen Traum, einmal über den Atlantik und wieder zurück zu segeln", freut sich der 55-Jährige.

Natürlich macht man das nicht eben so. Es bedarf einer guten Vorbereitung. Eine "Übungsfahrt hat Daldrup bereits absolviert:  Im Sommer startete er von den Niederlanden aus segelte über Frankreich, Portugal und Madeira zu den kanarischen Inseln. Momentan liegt die Jambo auf Lanzarote und am 5. Januar 2020 geht es über den großen Teich; 3.000 Seemeilen, die Martin in rund vier Wochen schaffen will - allein wohlgemerkt!

Zu seinem tollkühnen Plan gab uns M Jambo, wie Martin an vielen Orten in der Welt genannt wird, einige aufschlussreiche Antworten. 
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Das Interview ....

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dibo: „Martin, das klingt alles richtig spannend. Aber warum fährst du eigentlich alleine? Ist es nicht besser und sicherer, wenn man mindestens zu zweit fährt?“
Martin: „Ja, auf der einen Seite hast du absolut recht, Dirk. Auf der anderen Seite kann ich mir eine solche Fahrt auf engstem Raum und über vier Wochen nur mit wenigen Menschen vorstellen und die haben leider alle keine Zeit. Jemand Fremden mitzunehmen ist schon ein Wagnis, wenn dann die Chemie nicht stimmt, können die Wochen auf dem Atlantik ohne Land ganz schön lang werden. Dann ist es das kleinere Übel allein zu fahren. Zumal ich es gewohnt bin, alleine zu segeln oder wie der Segler sagt einhand zu segeln, und mir das nicht nur nichts ausmacht, sondern für mich auf längeren Fahrten immer eine ganz besondere Erfahrung gewesen ist. Auch dieses Erlebnis suche ich ganz bewusst auf dem Atlantik.“

dibo: „Das kann ich nachvollziehen. Was machst du, wenn du einmal über Bord fallen solltest?“
Martin: „Den Sicherheitsaspekt insgesamt nehme ich äußerst ernst. Im hoffentlich unwahrscheinlichen Fall des Überbordgehens kann man auf dem Atlantik nicht mehr viel machen. Die Wahrscheinlichkeit zurück an Bord zu kommen ist gering trotz aller Vorkehrungen mit langer Schleppleine und Fernsteuerung für den Autopiloten. Ich habe es tatsächlich ausprobiert, als ich mit meinem Segelkamerad Klaus im August von Lissabon nach Madeira gefahren bin. Das Hauptaugenmerk muss auf der Vermeidung liegen.“

dibo: „Wenn du dann in der Karibik angekommen bist, was hast du dort vor?“
Martin: „Das wird natürlich ebenfalls ein toller Abschnitt der Reise. Ich habe als Ausgangsbasis St. Maarten gewählt, welches zu den sogenannten kleinen Antillen gehört. Ich werde viel Besuch bekommen und von dort aus werden wir die umliegenden Karibikinseln erkunden. British Virgin Islands, Anguilla, St. Kitts und ein paar weitere. Ich freue mich einfach darauf, die Karibik kennen zu lernen. Das Schöne wird sein, dass ich einiges auch mit meiner Freundin Anke erleben kann, denn sie kommt mich besuchen.“

dibo: „Das klingt sehr aufregend. Aber du wirst Anke in den acht Monaten wohl nicht so häufig sehen. Wie macht ihr das und wie findet Anke das überhaupt?“
Martin: „Dirk, da sprichst du einen ganz wichtigen Punkt an. Natürlich sind wir es gewohnt, aus der Distanz heraus so viel Nähe wie möglich aufrecht zu erhalten, da ich auch früher beruflich viel auf Reisen gewesen bin. Man macht das eben per Telefon, Videoanruf und Kurznachrichten. Aber die acht Monate sprengen schon den früheren Rahmen. Wir haben natürlich viel darüber geredet und letztendlich die Entscheidung gemeinsam getroffen. Klar stellt es unsere Beziehung noch einmal auf eine besondere Probe. Aber wir wollen die Zeit, in der Anke mich besuchen kommt, besonders intensiv genießen und die Karibik soll auch ein wenig dafür entschädigen.“

dibo: „Du sagst, du willst nach acht Monaten, also im September 2020, wieder zurück sein. Wie fährst du wieder zurück? Du musst ja dann noch einmal über den Atlantik.“
Martin: „Von Osten nach Westen also zur Karibik hinzusegeln, ist wohl die leichtere Aufgabe, zurück ist es erfahrungsgemäß bedeutend schwerer. Ich habe vor, Anfang Mai die Rückreise zu den Azoren anzutreten. Das ist die klassische Route. Das werden auch noch einmal etwa 2.500 Seemeilen sein -also zirka drei  Wochen auf See unter etwas schwierigeren Bedingungen. Auf den Azoren mache ich dann wieder eine Pause, Anke wird mich dort ein zweites Mal besuchen und wir wollen uns die Inselgruppe anschauen. Von den Azoren sind es dann „nur“ noch etwa 1.200 Seemeilen bis Südengland oder zur Bretagne, also rund 10 bis 12 Tage. Das will ich Ende Juli machen. Von dort soll es dann relativ gemütlich Richtung Niederlande gehen, wo ich Anfang September 2020 in meinem Heimathafen Enkhuizen ankommen möchte.“

dibo: „Was tust Du, wenn mal kein Wind geht?“
Martin: „Guter Punkt, Dirk! Als Segler bin ich natürlich vom Wind abhängig und es ist tatsächlich so, dass er nur selten so bläst, wie man sich das wünscht. Segeln ist deshalb meistens ein Kompromiss. Bei Gegenwind kreuzt man dagegen an und muss dadurch eine größere Strecke zurücklegen. Bei Flaute schalte ich auch den Motor ein. Auch solche Fahrten können schön sein.“

dibo: „Hast Du schon einmal etwas Gefährliches erlebt?
Martin: „Gefahren gibt es natürlich viele auf See, wie z. B. Untiefen, unerwarteter Starkwind, Sturm, oder starke Strömungen. Auf das meiste kann man sich im Vorfeld vorbereiten durch Revierhandbücher und Seekarten, aber nicht auf alles. Jedoch des Seglers größter Feind ist seine eigene Nachlässigkeit. Das kann ganz viele Dinge betreffen, Ordnung an Bord, nicht ordentlich aufgerollte Leinen, die zu Stolperfallen werden, mangelnde Vorbereitung auf die Fahrt etc.
Auch mir ist das schon einmal passiert als ich mit meiner Crew in gefährlichen Wellengang geraten bin, was ich mir im Vorfeld nicht sorgfältig genug angeschaut hatte und hätte vermieden werden können.“

dibo: „Welches ist dein Lieblingsland und wohin würdest du niemals reisen?“
Martin: „Mein Lieblingsland ist tatsächlich Deutschland. Das mag nun etwas komisch wirken für jemanden, den es in die Ferne zieht und viel gereist ist. Aber es ist so. Hier habe ich meine Familie und meine Freunde, was für mich ganz wichtig ist. Auch sonst finde ich, dass es in Deutschland sehr lebenswert ist und dass vieles ganz gut geregelt ist. Ich mag auch das Klima mit ausgeprägten Jahreszeiten, ich mag den Wechsel zwischen Sonnenschein und bewölkten Tagen, den Regen und, dass von Mai bis Oktober alles so schön grün ist. Als ich im September nach 5 Wochen auf den kanarischen Inseln mit überwiegend wüstenartiger Landschaft, über 30 Grad Celsius am Tag und kaum mal eine Wolke am Himmel zurück nach Hause kam, ist mir das noch einmal so richtig bewusst geworden, wie schön die grüne Landschaft hier ist. Das überrascht möglicherweise. Aber man merkt so etwas erst, wenn man einmal solche Extreme erlebt hat.
Vergessen darf man auch nicht, dass Deutschland ein sehr sicheres Land ist, was mich gleich zu den Ländern bringt, wohin ich niemals reisen würde. Das sind tatsächlich Länder, in denen meine Sicherheit nicht gewährleistet, oder Kriegsgebiete.“

dibo: „Was wirst du in der Ferne am meisten vermissen?
Martin: „Ich denke Anke, meine Familie und Freunde, weshalb ich unterwegs auch so oft wie möglich von ihnen besucht werde.“

dibo: „Kannst du deine Gedanken beschreiben, die sich einstellen, wenn du die Heimatküste aus dem Blick verlierst?“
Martin: „Das ist ein besonderer Moment. In mir weckt es immer dieses Gefühl von grenzenloser Freiheit, einfach dorthin fahren zu können, wohin man will, dass ich einfach ich selbst sein kann und auf einer Abenteuerreise bin. Es ist einfach ein aufregender und glücklicher Moment.
Ganz ähnlich ist es, wenn du wieder heimkehrst, deine Lieben dich begrüßen. Beides, Abfahrt und Ankunft sind besondere Momente.“

dibo: „Riesenrespekt, Martin! Wo kann man weitere Informationen über dich, dein Schiff und deine Reisen finden?“
Martin: „Am einfachsten auf meiner Webseite www.mjambo.de und natürlich auf meinem YouTube Kanal M Jambo. Ich halte meine Segelreisen auch in Videos fest und veröffentliche diese.“

dibo: „Und natürlich hier bei Lokalkompass und (in Auszügen) im Weseler! Denn Du wirst uns ja ab Februar, wenn Du in der Karibik ankommst, auf dem Laufenden halten mit interessanten Beiträgen und natürlich tollen Bildern. Wir freuen uns darauf. Martin, hast du eigentlich ein Motto?“
Martin: „Bis zum Horizont und darüber hinaus!“

dibo: "Danke für das nette Gespräch und für die tollen Fotos, die wir hier zeigen dürfen!"

Autor:

Dirk Bohlen aus Wesel

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