Ein ganz normaler Spezialauftrag für das Hamminkelner Unternehmen Setex
Stoff für Christo und den Triumphbogen

Konrad Schröer
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Im nächsten Herbst ist es wieder soweit: Christo verhüllt. Und zwar den Pariser Triumphbogen. Den Stoff dazu liefert das Hamminkelner Textilunternehmen Setex. Eine große Sache, wie man meinen möchte. Doch Setex-Gründer Konrad Schröer sieht das ganz gelassen. Ein Spezialauftrag wie jeder andere. Denn alle sind besonders.

Ein Interview zum Christo-Projekt

Redaktion: Herr Schröer, für das nächste Jahr plant Christo, den Triumphbogen in Paris zu verhüllen. Sie, vielmehr Setex, liefert den Stoff dazu. Wie kommt es zu dieser Verbindung mit dem weltbekannten Künstler?
Konrad Schröer: Das ist gar nicht so sehr unser Verdienst. Vor fünf Jahren fuhr ich ins münsterländische Emsdetten, um von der Firma Schilgen zwei Webstühle zu kaufen. Nach zwei Stunden dort, hatte ich dann nicht nur diese zwei Maschinen, sondern die gesamte Firma gekauft, ein kurioser Termin, aber damit auch die Beziehung zu Christo. Denn der Inhaber hatte 1995 Kontakt zu Christo und lieferte das Gewebe zur Verhüllung des Reichstages.

Redaktion: Vor circa drei Jahren haben Sie dann das Material für das Projekt in Italien geliefert, mit dem Christo die Stege auf dem Iseosee bedeckte. Nun kommt Paris. Was ist das Besondere an Ihrem Stoff? Warum eignet sich dieser so besonders für Christos Projekte?
Konrad Schröer: Eigentlich ist es nichts Besonderes. Klar, der Stoff muss bestimmte Voraussetzungen erfüllen, wetterfest und brandsicher sein. Aber das ist keine besondere Anforderung.

Redaktion: Sprich, die Produktion ist Tagesgeschäft?
Konrad Schröer: Im Prinzip schon. Wir stellen sehr viele Eventtextilien her – für Theaterbühnen, Messewände, Zelte zu Veranstaltungen, für drinnen und draußen. Wir liefern in allen möglichen Farben und Qualitäten. Immer nach Wunsch des Kunden. Bei Christo war es nun insofern anders, dass wir zweimal bemustern mussten. Nach dem Brand von Notre-Dame musste der eh schon brandsichere Stoff noch brandfester werden. Wir haben Veränderungen am Garn vorgenommen und fünf Muster in unterschiedlichen Blau-Grau-Nuancen gefertigt – welcher es wird, wird noch entschieden.

Redaktion: Dann ist eigentlich jeder Auftrag ein Sonderauftrag. Aber bedeutet das Christo-Projekt nicht doch etwas ganz Besonderes?
Konrad Schröer: Klar, es ist schon was anderes. Es bringt uns schließlich viel Presserummel. Und so ein Medieninteresse ist nicht nur für uns, sondern für die gesamte Textilindustrie gut. Es gab Zeiten, da arbeiteten über eine Million Menschen in Deutschland in dieser Branche. Heute sind es nur noch 80.000. Eine sehr besorgniserregende Entwicklung. Asien macht uns schwer zu schaffen.

Redaktion: Nicht zu schaffen macht Ihnen hingegen der Künstler-Auftrag. Wann werden Sie mit der Produktion beginnen?
Konrad Schröer: Eigentlich sollte der Triumphbogen im April verhüllt werden. Aber auch der Zeitplan hat sich aufgrund des Notre-Dame-Brandes geändert. Nun wird im Herbst verhüllt. Wir werden Anfang des Jahres mit der Produktion starten und dann wird eine Maschine fünf bis sechs Wochen lang 25.000 Quadratmeter Stoff herstellen. Die fünf Meter breiten Bahnen werden in breit auf Rollen gewickelt. Wie lang die einzelnen Bahnen werden, ist noch nicht entschieden, wir warten noch auf die Angabe des Konfektioneurs. Der bekommt unser Gewebe und präpariert den Stoff für Christo. Ihm ist übrigens wichtig, dass das Material zu 100 Prozent wieder verschwindet. Wir verwenden ein Polyestermaterial, das später dann recycelt und wiederverwendet wird.

Redaktion: Wäre es nicht nachhaltiger, Sie könnten den Stoff ein weiteres Mal verwenden?
Konrad Schröer: Schon, wollten wir auch gerne bereits nach Italien machen. Aber so sind die Regeln mit Christo. Wir liefern und damit ist unser Auftrag beendet.

Redaktion: Und damit auch dieses Interview. Vielen Dank dafür, Herr Schröer, und auf weiterhin lukrative Aufträge.

Konrad Schröer
Autor:

Denise Brücker aus Hamminkeln

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