Fantasy-Roman für Jung und Alt - empfohlen von einem Mitarbeiter der Bürgerbücherei Hattingen-Welper

Was passiert wohl in diesen wilden Wäldern?
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Rezension: Colin Meloy: „Wildwood“; München 2012; Heyne Verlag (Roman mit Bildern von Carson Ellis, 591 Seiten)
Seit der Veröffentlichung des ersten Harry Potter-Bandes ist die Beliebtheit von Romanen und Erzählungen aus dem Bereich „Fantasy und Mystery“ unübertroffen – besonders bei Kindern und Jugendlichen. Aber auch viele Erwachsene sind süchtig nach dieser Lektüre (heimlich – oder sie geben das auch offen zu). Daran ist auch nichts zu kritisieren – schließlich ist das Eintauchen in unwirkliche Welten schon immer ein wesentlicher Bestandteil von Literatur – von dem weltberühmten Märchen der Gebrüder Grimm bis zur Verfilmung des Weihnachts-Klassikers „Drei Nüsse für Aschenbrödel“. Worauf es ankommt ist die Qualität!
Im Roman von Colin Meloy gelingt diese Entführung der Leser im übertragenen Sinne von Anfang an. Schon im genialen ersten Kapitel wird auch eine Entführung im wörtlichen Sinne dargestellt. Das Buch beginnt mit einer alltäglichen, realistischen und für die jüngeren Leser durchaus nicht ungewöhnlichen Situation: Ein ungefähr zwölfjähriges Mädchen soll auf ihren kleinen Bruder aufpassen. Auf dem Spielplatz taucht plötzlich ein großer Krähenschwarm auf. Diese Tiere, die kürzlich von NRW-Umweltminister Remmel als „Vögel mit der größten Intelligenz“ (WAZ vom 07.08.2012) bezeichnet wurden, greifen plötzlich den kleinen Mac an und tragen ihn davon. Nicht zufällig denkt man sofort an Hitchcocks „Vögel“. Macs Schwester Prue will ihn natürlich retten und verfolgt die Krähen sofort mit Hilfe ihres Mitschülers Curtis. Die Kinder gelangen bei diesem Rettungsversuch immer tiefer in den mysteriösen „wilden Wald“ – offensichtlich gibt es hier Parallelen zu „Hänsel und Gretel“.
In dieser geheimnisvollen Gegenwelt gibt es sprechende Tiere und Kämpfe zwischen verfeindeten Staaten – das personifizierte Gute und Böse. Aber die Erzählung ist nicht nur eine spannende Abenteuergeschichte, sondern auch nachdenkliche Momente werden berührt. Dabei gefallen mir besonders folgende Themen: Prues Lesegewohnheiten und ihre Besuche in der Stadtteilbibliothek (S. 17 f), ihre vegetarischen Vorlieben (S. 14f) und Curtis‘ Überlegungen zu Krieg und Pazifismus (S. 180).
Der Ausgang der Geschichte wird hier natürlich nicht verraten sonst wäre es eine schlechte Buchempfehlung. Noch so viel: die Leser/-innen werden am Ende nicht traurig sein …
Die Lektüre wird angenehmer durch die ausgezeichnete drucktechnische Gestaltung. Ein übersichtlicher Lageplan auf der Innenseite es Umschlages erleichtert die Orientierung, ebenso das ausführliche Verzeichnis der Kapitel. Hervorzuheben sind die liebevollen Zeichnungen im Text – besonders sechs fantasievolle Farbtafeln. Die Abbildung auf S. 121 (und die vorausgehende Beschreibung des Palastes im „Südwald“) erwecken fast den Verdacht, Colin Meloy könnte aus Amerika nach Essen gereist sein, um sich beim Anblick des „Hundertwasser-Hauses“ Anregungen zu holen!
Viel Vergnügen bei der Lektüre wünscht – besonders allen jüngeren Leser/-innen
Manfred Kaiser

Autor:

Manfred Kaiser aus Hattingen

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