Filmbesprechung: Django Unchained – Tarantino punktet mit sehr sehenswertem Western

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Es kommt so allerhand Fragwürdiges aus Hollywood, etwa der stinklangweilige Schinken „Lincoln“ (USA, Indien 2012) über die Bemühungen eben jenes US Präsidenten, die Sklaverei abzuschaffen (ab 24. Januar in dtsch. Kinos).
Oder – noch schlimmer – „Killing Them Softly“ (USA 2012), mit Brad Pitt, der einen Killer spielt, ein Film, der Gewalt geradezu anbetet und feiert, was ich als unpassend empfinde. Nichts gegen Gewalt - solange sie für die Handlung unerlässlich ist, aber bitte nicht als Selbstzweck. Diesen Film sollte man sich sparen.

Doch nun kommt mal wieder ein guter Film aus Hollywood, ausgerechnet von Quentin Tarantino: „Django Unchained“ (USA 2012). In dtsch. Kinos ab dem 17. Januar 2013.
Ich persönlich war nie ein großer Tarantino Fan – im Gegenteil, ich finde, er hat ganz elende und lausige Filme gemacht, etwa „Pulp Fiction“ (1994), „Kill Bill“ (2003). Doch dann gelang ihm mit „Inglourious Basterds“ (2009) ein guter Film, der dem Österreicher Christoph Waltz einen Oscar für den besten Nebendarsteller einbrachte. (Waltz brillierte ausserdem in dem Polanski Film „Carnage“ an der Seite von Jodie Foster, John C. Reilly und Kate Winslet.)

„Django“ erschien zuerst 1966 mit Franco Nero in der Hauptrolle, es war ein Italo Western, auch Spaghetti Western genannt, ein Genre, dass grossen Einfluss auf US Filme hatte, Clint Eastwood begann in Italo Western seine Karriere.

Tarantino ist selbst ein großer Freund dieser klassischen Italo Western, und sein Film ist eine schöne Hommage an dieses Genre.
Und tatsächlich hat der Film den Look and Feel eines Italo Westerns, was u.a. mit der unverwechselbaren Musik von Ennio Morricone zusammenhängt. Aber auch Kamera, Schnitt, Close Ups kommen den Vorbildern ziemlich nahe.
Und sogar Franco Nero spielt eine kleine Rolle, einen Barbesitzer, der Django fragt wie er heisst, und wie man es buchstabiert. „D-J-A-N-G-O“, meint Jamie Foxx, „das D ist stumm.“ „Ich weiß“, entgegnet Franco Nero. Witzig.

Und der Humor kommt in dem Streifen nicht zu kurz, besonders durch die etwas abgehobene Sprache von Christoph Waltz, der einen deutschen Zahnarzt und Kopfgeldjäger namens Dr. Schultz aus Düsseldorf portraitiert, und Django sogar die deutsche Legende von Siegfried und Brunhilde anschaulich erklärt.
(Ich weiß aber nicht, inwieweit die sonderbare Eloquenz von Waltzs Rolle in der deutschen Fassung hörbar sein wird.)

Weitere bekannte Schauspieler sind dabei, etwa Leonardo DiCaprio und Samuel Leroy Jackson.

Der Film ist nicht perfekt, er trägt manchmal etwas zu dick (pathetisch) auf, und hat vor allem ein großes Loch im Plot, ich möchte hier nicht zuviel verraten, aber fragen Sie sich mal, warum Dr. Schultz an einer Stelle des Films zwar schiesst, aber dann nicht den Mann erschiesst, der das Schrotgewehr in der Hand hat.

Auch fand ich es weniger gut, dass Tarantino selbst in einer kleinen Rolle auftaucht, kurz vor Ende des Films. Aber er erschien auch in seinen früheren Filmen, vielleicht will er damit Alfred Hitchcock kopieren.

Aber sonst ist der Film ein Meisterwerk, m.E. der bisher beste Film von Quentin Tarantino.
Tarantino sollte mehr Western machen wünscht man sich, er selbst bezeichnet diesen Film lieber als „Southern“, da er in den Südstaaten spielt, noch vor dem amerikanischen Bürgerkrieg, also noch vor der Abschaffung der Sklaverei.

Ein brillianter Film, sehr gute Unterhaltung für 2 Stunden und 45 Minuten.

Ein Muss für jeden Western Fan.

Autor:

Ulrich Jean Marré, M.A. aus Essen-Ruhr

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