Ist ein Sicherheitstreppenhaus die Lösung für das Gebäude?
Altes Rathaus - quo vadis?

Das Alte Rathaus ist ein Schmuckstück der Stadt und soll auch zukünftig genutzt werden. Foto: Stadt Hattingen
  • Das Alte Rathaus ist ein Schmuckstück der Stadt und soll auch zukünftig genutzt werden. Foto: Stadt Hattingen
  • hochgeladen von Dr. Anja Pielorz

Weit zurück reicht die Geschichte des Alten Rathauses. Das Schmuckstück der Altstadt war vor 1420 eine Markthalle für den Verkauf von Fleisch. Das Stadtarchiv bewahrt in seinen Sammlungen eine Pergamenturkunde auf, nach der Graf Adolf von der Mark am 21. April 1420 den Bürgern der Stadt „unse vleischhalle“ für seine jährliche Rente von neun Schilling übertrug, damit sie diese zu ihrem Nutzen „tymmeren ind bouwen“ möchten. Diese Fleischhalle machte den steinernen Unterbau des späteren Rathauses aus, der ursprünglich nicht nur wirtschaftlichen, sondern auch wehrhaften Zwecken gedient haben mag. Im Moment jedoch liegt das gute Stück im Dornröschenschlaf, denn vor zwei Jahren wurde es zum Sicherheitsrisiko erklärt. Doch irgendwie muss es ja weitergehen. Bloß wie?
Blicken wir noch einmal zurück in die Geschichte des wunderbaren Hauses: Die Selbstverwaltung der Stadt erforderte im 16. Jahrhundert Amtsräume für die Stadtschreiber, den Bürgermeister und die Ratsherren. So erneuerten die Bürger 1576 ihr "raithus" über der Fleischhalle mit zwei Fachwerketagen und hoch aufragenden Spitzgiebeln. Markthalle, Verwaltung und Versammlungsstätte waren unter einem Dach. Ende des 18. Jahrhunderts wurde das Gebäude im klassizistischen Stil modernisiert. Die Spitzgiebel wichen Walmdächern, die Ratshalle erhielt große Fenster, das Fachwerk wurde dem Zeitgeschmack entsprechend verputzt. Die Markthalle wurde auf einen schmalen Durchgang reduziert, rechts und links baute man Gefängniszellen ein. Zu Beginn des 20. Jahrhunderts wurde ein Rathausneubau notwendig und das Alte Rathaus frei für die Nutzung als Heimatmuseum. In den 50er Jahren wurden Kriegsschäden beseitigt und das frühere Erscheinungsbild mit seinen 400 Gefachen wieder freigelegt. Nach gewonnenem Architektenwettbewerb lag die denkmalgerechte Sanierung des Alten Rathauses damals in den Händen der Hattinger Architekten BDA RDS Partner. Im Erdgeschoss blieb der traditionelle öffentliche Durchgang erhalten. Um das bestehende Raumvolumen nicht zusätzlich zu belasten, wurden die WC-Anlagen und die Haustechnik unter dem vorgelagerten Untermarkt errichtet und vom Haupteingang zugänglich gemacht. Große Glaselemente erinnern an den Raumeindruck der ursprünglichen Markthalle. Alle denkmalwerten Konstruktionen und Einbauten wurden restauriert. Es entstand ein spannungsvolles Nebeneinander von jahrhundertealtem Eichenfachwerk und Ruhrsandsteinmauerwerk einerseits und gebürsteten Stahlprofilen, Glas und Buchenholz-Einbauten andererseits. Vom Bund Deutscher Architekten BDA wurde das Projekt übrigens mit der „Auszeichnung guter Bauten“ gewürdigt.
Das Alte Rathaus war Herberge für die Städtische Galerie und eine Kleinkunstbühne und wurde auch gern für Trauungen genutzt. Bis eben zum Frühjahr 2019. Der fehlende Brandschutz stieß den Verantwortlichen damals sauer auf. Konkret passiert war nichts. Aber man wollte auch nicht, dass erst etwas passieren könnte, damit sich anschließend bei der Sicherheit etwas tat. Also wurde der Schlüssel im Schloss gedreht und zugesperrt. Dann kam die Corona-Pandemie und Veranstaltungen waren sowieso kein Thema mehr.

Klar ist: Altes Rathaus soll genutzt werden

Doch untätig sei man in Pandemie-Zeiten bei dem Thema nicht gewesen. Das sagt Alexandra Wagner, Abteilungsleiterin der Technischen Gebäudewirtschaft. Sie gibt im Auftrag von Baudezernent Jens Hendrix Auskunft über die Ideen, die langsam Gestalt annehmen. „Selbstverständlich soll das Alte Rathaus wieder mit Leben gefüllt werden. Aber das Sicherheitsproblem im Hinblick auf Brandschutz und fehlenden Fluchtweg ist nicht so einfach zu lösen. Es sind viele Ämter beteiligt. Feuerwehr, Denkmalschutz, die Bauordnung sowie die Nutzer des Gebäudes müssen an einen Tisch gebracht werden. Die angedachte Lösung einer Außentreppe als Fluchtweg ist aus der Sicht des Denkmalschutzes problematisch. Wir haben mittlerweile auch mit dem damals für die Restaurierung zuständigen Architektenbüro Kontakt aufgenommen. Eine Idee, alle Belange zu vereinbaren, wäre die Herstellung eines Sicherheitstreppenhauses. Man kennt so etwas von Hochhäusern. Es gibt dabei bestimmte Anforderungen an die verwendeten Materialien, an einen Vorraum, an die Qualität der Türen. Alles steht unter der Zielvorgabe, dass weder Rauch noch Feuer in den Sicherheitstreppenraum eindringen können. Hier haben wir zwar nur zwei Geschosse zu berücksichtigen, aber dafür haben wir es mit Fachwerk zu tun. Wir müssen uns die Frage stellen, wie viele Personen über ein solches Treppenhaus zu retten wären. Die Antwort darauf wird Einfluss haben auf die Personenzahl, die sich im Gebäude aufhalten darf und das wiederum wird Einfluss auf die Nutzung haben.“
Baudezernent Jens Hendrix hatte bereits 2019 deutlich gemacht, dass er das Alte Rathaus als Veranstaltungsgebäude erhalten wolle. Aber die Not mit dem Rettungsweg muss eben erfinderisch machen. „Ein Sicherheitstreppenhaus werden wir aber wohl nur hinbekommen, wenn wir es mit Abweichungen realisieren können“, so Alexandra Wagner. Die Glaskonstruktion aus dem ersten Stock spielt bei den Überlegungen auch eine entscheidende Rolle für das zweite Obergeschoss.
Es wird hinter den denkmalgeschützten Kulissen getüftelt. Die Corona-Pandemie hat das Zeitfenster dabei nicht begünstigt. „Treffen vor Ort waren schwierig. Denn, wie gesagt, es sind viele Ämter beteiligt“, sagt die Fachfrau. Und wenn die Lösung gefunden ist, muss sie realisiert werden. Das wird dauern. Vermutlich mindestens bis zum zweiten Halbjahr 2022. Und bis dahin ist an ein Aufwachen aus dem Dornröschenschlaf nicht zu denken. „Wir haben eine klare Nutzungsuntersagung“, sagt Wagner. Im Klartext: es wird nicht nur keine Veranstaltungen geben, sondern außer dem Hausmeister, der nach dem Rechten sieht, ist der Zutritt nicht gestattet.

Autor:

Dr. Anja Pielorz aus Hattingen

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