Hattinger Friedhelm Knippel hat ein ungewöhliches Projekt mit "Demokratie leben!" initiiert
Bierdeckel gegen Rassismus

Friedhelm Knippel (links) und Piotr Suder ("Demokratie leben!") stehen hinter der Bierdeckel-Aktion. Für ähnliche Projekte, die eine lebendige, vielfältige und demokratische Zivilgesellschaft vor Ort stärken oder friedliches und respektvolles Miteinander fördern, stehen bei "Demokratie leben!" weitere Mittel bereit. Foto: Römer
  • Friedhelm Knippel (links) und Piotr Suder ("Demokratie leben!") stehen hinter der Bierdeckel-Aktion. Für ähnliche Projekte, die eine lebendige, vielfältige und demokratische Zivilgesellschaft vor Ort stärken oder friedliches und respektvolles Miteinander fördern, stehen bei "Demokratie leben!" weitere Mittel bereit. Foto: Römer
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Friedhelm Knippel möchte etwas gegen Alltagsrassismus tun. Aber wie? Dann fiel ihm ein, dass viel öffentliches Leben in Kneipen stattfindet. So wurde die Idee mit den Bierdeckeln geboren.

Vier Motive gibt es in einer Auflage von 2.500 Stück. Vorne sind beispielsweise die Eisenmänner zu sehen, der Rathausturm, das Morandini-Tor oder die schiefe Kirchturmspitze von St. Georg.
Daneben stehen Fragen oder Aussagen wie: "Ich fühle mich fremd im eigenen Land". Diese These etwa kontert auf der Rückseite Jesus (nach Matthäus 25:40) mit den Worten: "Ich war Fremder und ihr habt mich aufgenommen". Oder: "Aber wir können doch nicht alle aufnehmen", während die Rückseite des Bierdeckels darüber aufklärt, dass Deutschland 22 Flüchtlinge pro 1.000 Einwohner aufnimmt, der Libanon hingegen 183, Jordanien 87 oder die Türkei 37.
Ein anderer der Bierdeckel spricht Alltagsrassismus direkt an, indem die Frage auftaucht: "Wo kommste eigentlich her?" Friedhelm Knippel: "Ausgrenzendes Verhalten geschieht nicht unbedingt absichtsvoll, sondern wird oft selbst im Alltag nicht wahrgenommen. Sätze wie ,Woher kommst Du?' oder ,Sie sprechen aber gutes Deutsch' sind hierfür Beispiele."
Und Piotr Studer von der Koordinierungs- und Fachstelle „Demokratie leben! Aktiv gegen Rechtsextremismus, Gewalt und Menschenfeindlichkeit“ Hattingen, die das Projekt finanziert und weitere Mittel für andere ähnliche Vorhaben bereit hält, ergänzt: "In einer Einwanderungsgesellschaft wie der unseren muss es selbstverständlich sein, dass auch Menschen mit anderer Hautfarbe Hattinger sind. Hattinger zu sein ist unabhängig von Herkunft und Religion." Für ihn ist es wichtig, auch hier vor Ort eine kritische Positionierung gegenüber menschenverachtenden Ideologien und Gruppierungen jeglicher Couleur zu stärken und die gesellschaftliche Vielfalt, Partizipation und Teilhabe zu fördern.
Friedhelm Knippel erinnert daran, dass in vielen Köpfen fehlende "Sicherheit" mit "Ausländern" assoziiert werde: "Das liegt wohl an der Berichterstattung über Vorfälle gerade mit sexueller Gewalt. Aber die hat es immer schon gegeben. Dabei ist es viel gefährlicher im Straßenverkehr, bei einem Waldspaziergang im Schnee oder in der eigenen Wohnung. Überall dort gibt es mehr Opfer. Auch wurde immer sehr bewusst von der ,Flüchtlingswelle' gesprochen. Dabei hat eine Welle keine Ursache, ist eine Naturerscheinung. Eine Flucht hingegen hat Ursachen. Eine Welle bedeutet Gefahr, dabei brauchen Geflüchtete Hilfe. Hattingen ist nicht darum angewachsen, weil viele Kinder geboren wurden, sondern durch Zuwanderung."
Der engagierte Hattinger macht sich in der ersten Dezemberhälfte auf den Weg durch Hattinger Gastronomiebetriebe, um die Bierdeckel zu verteilen. Mit einigen hat er bereits Vorgespräche geführt. Friedhelm Knippel: "Es ist uns klar, dass wir mit den Bierdeckeln nur einen Denkanstoß in eine andere Richtung geben, eine Diskussion initiieren können. Wir haben aber die Hoffnung, dass wir dies mehrfach schaffen."
Wer Interesse an den Bierdeckeln hat, kann sich wenden an Friedhelm Knippel, Tel.: 52301, mobil: 0152-53376716, oder bei "Demokratie leben!" an Piotr Suder, Tel: 0175-8202624; Mail: suder@ifak-bochum.de

Autor:

Roland Römer aus Hattingen

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