Taekwon-Do: miteinander gegeneinander kämpfen

Willi Grünberg (rechts) trainiert die Taekwon-Do-Gruppe vom Haus der Jugend. Mittlerweile gehört der ehrenamtliche Trainer zu den wenigen im Ennepe-Ruhr-Kreis, die den vierten Dan tragen.  Foto: Sander
  • Willi Grünberg (rechts) trainiert die Taekwon-Do-Gruppe vom Haus der Jugend. Mittlerweile gehört der ehrenamtliche Trainer zu den wenigen im Ennepe-Ruhr-Kreis, die den vierten Dan tragen. Foto: Sander
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(von Lisa Römer)

„Ich wollte immer entweder einen Meister in meinem Beruf oder meinem Sport machen“, erzählt Willi Grünberg. Die Entscheidung ist dem Schilder- und Lichtreklamehersteller dann aber nicht schwer gefallen: Er hat die Prüfung zum vierten Dan im Taekwon-Do abgelegt. Damit gehört er zu nur knapp einer Handvoll im gesamten Ennepe-Ruhr-Kreis. „Nur einer von 100 Anfängern kämpft sich so weit nach vorne“, meint er.

Doch zurück ins Jahr 1986: Der 1,67-m-Mann war seit jeher von einer krummen Wirbelsäule geplagt. Sein Arzt hatte ihm Gymnastik und spezielle Dehnübungen verschrieben. „Doch nur turnen reichte mir nicht“, erinnert sich Willi Grünberg. „Ich wollte mehr. So kam ich irgendwie auf Selbstverteidigung, die mir bei meiner Körpergröße wichtig war.“
Jetzt musste nur noch der passende Verein her. Das stellte sich aber als nicht so einfach heraus. Erst in den frühen 1970er Jahre war nämlich der Kampfsport Taekwon-Do von Korea nach Deutschland und schließlich auch nach Hattingen gekommen.
„50 Mark für eine Unterrichtsstunde, so viel Gehalt bekam nämlich ein konventioneller Trainer, konnte sich leider nicht jeder leisten“, ärgert sich der leidenschaftliche Freizeitsportler noch heute.
Aber letztlich lief es für ihn doch mehr als nur gut, denn irgendwie landete er bei seiner Suche nach Gleichgesinnten im Haus der Jugend an der Bahnhofstraße. Hier hat Willi Grünberg die familiäre Atmosphäre von Anfang an fasziniert.
Sein damaliger Trainer und heutiger Freund Harald Lubnau hatte dort mit unter anderem Rainer Ebenhoech eine ehrenamtliche Taekwon-Do-Gruppe ins Leben gerufen: „Uns war einfach wichtig, die Jugendlichen von der Straße zu holen. Besonders weil die Kriminalität sehr hoch war und einige Rockergruppen ihr Unwesen auf Hattingens Straßen getrieben haben.“
Heute ist Willi Grünberg selbst schon seit 23 Jahren ehrenamtlicher Taekwon-Do-Trainer im Haus der Jugend. „Viele meiner Kollegen erklären mich für verrückt, dass ich mein Wissen so ganz ohne Bezahlung vermittle. Dabei ist mir doch nur wichtig, dass Menschen aus allen Schichten die Chance auf ein professionelles Training haben. So können sie wenigstens nichts falsch machen und sich in einer Hinterhof-Turnhalle verletzen“, erläutert der gebürtige Hattinger.
Apropos verletzen: Dafür ist dieser Kampfsport sowieso nicht gedacht. Vielmehr ist seine Philosophie von Bescheidenheit, Ehrlichkeit, Durchhaltevermögen, Respekt, Toleranz und Höflichkeit geprägt. „Als ich selbst noch trainiert wurde, haben wir all unsere Techniken gegeneinander angewandt. Das konnte schon echt weh tun. Doch der Sport hat an Härte verloren. Heute stehen Freundschaften und der Spaß im Vordergrund“, verdeutlicht Harald Lubnau, der selbst den zweiten Dan trägt.
Die 20-jährige Nadine Reinhardt stimmt zu: „Wir kämpfen miteinander gegeneinander. Auch bei den Prüfungen wollen wir unseren Gegner nicht in die Pfanne hauen, sondern lieber mit ihm bestehen.“
Wer seine Taekwon-Do-Techniken auf der Straße einsetzt, ohne sich selbst verteidigen zu müssen, fliegt aus der Trainings-Gruppe. Immerhin können einige Schläge und Tritte an der richtigen Stelle lebensbedrohliche Auswirkungen haben.
„Zum Glück ist so etwas in meiner langen Trainer-Zeit noch nie vorgekommen“, versichert Willi Grünberg – ein Beweis dafür, dass die Philosophie des Sportes von den Ehrenamtlern richtig vermittelt wird.
„Ich habe in meinem Sport alles geschafft, was ich erreichen wollte, und mir sogar selbst noch mehr bewiesen, als ich je gedacht hätte. Ich fühle mich einfach dazu berufen meine Fähigkeiten weiterzugeben“, sagt Willi Grünberg mit einem Lächeln auf den Lippen.

Autor:

Roland Römer aus Hattingen

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