Mit Erdwärme gegen Klimakiller

Angelo Travato

Erdwärmepumpen sind thermodynamische Heizungen, die es ermöglichen, Wärme aus dem Erdreich nutzbar zu machen. Das geschieht allerdings noch nicht so oft, obwohl drei Viertel der eingesetzten Energie beim Betrieb einer Erdwärmepumpe kostenlose Energie aus dem Erdreich ist und nur ein Viertel man als Antriebsenergie (elektrischer Strom) benötigt wird. Der Hattinger Angelo Trovato hat sich an die Erdwärmepumpe herangetraut und sein Garten ist noch eine Großbaustelle.
Angelo Travato (50) ist das, was man einen richtigen Umweltfreak nennt. Geboren auf Sizilien und mit gerade fünf Jahren mit den Eltern der Arbeit wegen nach Hattingen gekommen (die Eltern erhielten einen Arbeitsplatz bei Puth), hat er sich seit frühester Jugend für die Umwelt interessiert. Travato lebt das, was viele als Nachhaltigkeit bezeichnen. „Neben den üblichen Dingen wie Thermostate und Sparlampen und den zu beachtenden Sachen, den Kühlschrank eben nicht neben den Herd zu stellen, weil das mehr Energie braucht, habe ich immer viel mit dem Thema Umwelt zu tun gehabt. Mich interessiert das und ich finde, wir können nicht einfach so weiterleben. Schließlich wissen wir doch alle, dass die fossilen Brennstoffe sich dem Ende zuneigen und außerdem auch immer teurer werden. Da wird man sich in naher Zukunft die Frage stellen, wer Energie noch bezahlen kann.“
Travato hat sich diese Frage längst gestellt. Vor zwei Jahren schaffte er sich ein Erdgasfahrzeug an, was immerhin auch umweltbewusster ist als herkömmliches Fahren. Und damit ist er auch schon bis Sizilien gekommen.
Der Clou aber befindet sich derzeit im Bau in seinem Garten. Ein Mehrfamilienhaus soll mit Erdwärmepumpe beheizt werden. „Sieben Bohrungen a 65 Meter sind dafür notwendig. Ich muss hinterher rund 450 Quadratmeter beheizen. Grundsätzlich geht man davon aus, dass bei einem normalen Einfamilienhaus bereits zwei, höchstens drei Bohrungen ausreichen“, erklärt er die Schlammwüste im Garten. Beruflich arbeitet er im Maschinenbau und kennt sich aus. Die einzelnen Bohrlöcher sind übrigens erstaunlich klein. Kunststoffschläuche kommen in die Löcher, die miteinander verbunden werden, quasi in Sternform. Von dort führen Gräben ins Haus hinein, wo die Erdwärmepumpe steht. Sie ist etwa so groß wie ein Kühlschrank.
„Es ist doch verrückt, dass man die Wärme im Erdreich noch so wenig nutzt. Ich brauche keinen Schornstein, keinen Schornsteinfeger und bin unabhängig von den Finanzmärkten der fossilen Energie. Etwa siebzig Prozent des Heizbedarfes kann man im optimalen Fall decken. Und selbst wenn es weniger ist, so spare ich Geld und vor allem mache ich etwas für die Umwelt“, ist Angelo Travato zufrieden.
Rund 35.000 Euro hat er investiert. „Ich gehe davon aus, dass sich diese Investition in acht bis neun Jahren gerechnet hat. Die Heizrohre im Haus können bleiben, anstelle der normalen Heizkörper werden Konvektoren verwandt. Mit einer Fußbodenheizung ist das noch besser, aber bei einem Altbau kann man eben nicht mehr alles machen. Das wird dann doch zu teuer.“
Bei einem Neubau, so Travato, kann die Erdwärmepumpe auch direkt unter das Haus gebaut werden. Frost und Hitze machen in jedem Fall nichts mehr aus.
Für eine Bohrung muss etwa ein Tag gerechnet werden. Jetzt sieht der Garten zwar wie eine Schlammwüste aus aber der Sommer ist vorbei und das Gras wächst ja wieder. Seine drei Kinder sind übrigens von dem Umweltengagement des Papa begeistert und machen selbst schon mit. „Der eine interessiert sich für Maschinenbau, der andere für Architektur. Und beide planen und bauen.“
Angelo Travato ist überzeugt davon, auf dem richtigen Weg zu sein. Und falls die Politik ihre Drohungen wahr machen sollte, ab 2020 eine Zwangssanierung für alle Wohnhäuser durchzuführen mit dem Ziel, dass die Gebäude bis 2050 mit Heizungen ausgestattet werden sollen, die mit erneuerbaren Energien befeuert werden, kann sich Angelo Travato ruhig zurücklegen. Er war schon tätig und hat schon heute gewusst, was erst in vielen Jahren Pflicht werden wird.
„Wichtig ist, den Ausstoß des Klimakillers CO2 zu senken, das bei der Erzeugung von Strom und Wärme aus fossilen Energieträgern wie Kohle und Öl entsteht. Aber es muß auch die Abhängigkeiten von Energieimporten eingedämmt werden und schließlich sichert die Investition in die energetische Gebäudesanierung wieder Arbeitsplätze.“
Angelo Travato, der berufsbedingt in viele Länder der Erde gereist ist, will sein Wissen und seine Erfahrung auch weitergeben. „Wer sich für Erdwärme interessiert, kann mich gerne unter Telefon 67549 anrufen oder vorbeikommen.“

Autor:

Dr. Anja Pielorz aus Hattingen

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