Kinder lernen Leben retten

Chefarzt Eckhard Müller bei der Demonstration lebensrettender Maßnahmen.
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  • Chefarzt Eckhard Müller bei der Demonstration lebensrettender Maßnahmen.
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Kinder sind neugierig, offen, lernbegierig und haben keine Scheu, Neues auszuprobieren. Deshalb sind sie wichtige Ansprechpartner, wenn es darum geht, Einfluss auf gesellschaftliche Entwicklungen zu nehmen. Lebensrettung heißt das Stichwort.

Das ist ein Bereich, in dem es großen Nachholbedarf gibt. Denn in Deutschland sind zur Zeit nur 30 Prozent der Bevölkerung in der Lage, Wiederbelebungsmaßnahmen zu ergreifen, während es in Norwegen zum Beispiel 80 Prozent sind. Hier setzt das neue Projekt der Klinik für Anästhesiologie, Intensiv-, Notfall- und Schmerzmedizin des Evangelischen Krankenhauses an. Chefarzt Eckhard Müller und Oberärztin Astrid Thompson waren am 18. September im Rahmen der bundesweiten „Woche der Wiederbelebung“ in der Klasse 7 b des Haranni-Gymnasiums zu Gast, um dort zwei Schulstunden lang einen Workshop rund ums Thema Reanimation zu gestalten.

Die Unterrichtseinheit wurde in mehrere Blöcke unterteilt. Im ersten Teil wurden die Kinder über das Kreislaufsystem aufgeklärt und lernten, wie man einen Kreislaufstillstand erkennt. In einem zweiten Schritt erfuhren sie, welche Angaben sie machen müssen, wenn sie den Rettungsdienst anrufen. Denn nur bei Übermittlung der kompletten Information hat die Feuerwehr auch die Chance, innerhalb der vorgeschriebenen acht Minuten am richtigen Einsatzort zu sein. „Und diese Minuten muss der Ersthelfer vor Ort überbrücken“, sagt Müller. Denn mit jeder Minute des Kreislaufstillstandes nehmen die Überlebenschancen dramatisch ab. Hinzu kommt, dass durch die Unterbrechung des Blutstroms dem Hirn irreparable Schäden zugefügt werden. Eine solche Schädigung setzt bereits nach drei Minuten ein.

Deshalb ist es so wichtig, sofort lebensrettende Maßnahmen zu ergreifen. Doch die meisten Deutschen haben nur ein einziges Mal in ihrem Leben einen Erste-Hilfe-Kurs absolviert: für die Zulassung zur Führerscheinprüfung. Darum zucken viele beim Stichwort Herz-Druck-Massage verschreckt zusammen, weil sie Angst haben, etwas falsch zu machen und dadurch dem Opfer Schaden zuzufügen.

Aber diese Angst möchte Astrid Thompson allen potentiellen Ersthelfern nehmen. „Egal, was man macht, man kann die Situation für den Bewusstlosen nur verbessern“, versichert sie eindringlich. „Schlimmstenfalls kann man bei einer Herz-Druck-Massage ein paar Rippen brechen. Das ist aber gar nichts, wenn man bedenkt, dass die Alternative heißt, der Patient stirbt oder erleidet aufgrund der langen Bewusstlosigkeit einen dauerhaften Hirnschaden.“

Im Vergleich zu Erwachsenen haben Kinder diese Hemmungen erfahrungsgemäß nicht. So gingen auch die Schüler der 7 b völlig unvoreingenommen und unbekümmert an dieses Thema heran, hatten Spaß, an den bereitgestellten Übungspuppen den richtigen Druckpunkt zu suchen, die erforderlichen Griffe für eine Herz-Druck-Massage und auch das Beatmen zu üben. Nach dem Unterricht bekamen alle schließlich die Aufgabe, das Erlernte an zwei Menschen weiterzugeben. So wurden die Kinder, aber auch ihre beiden Klassenlehrerinnen Eva Beckschulte und Viola Engelke zu Multiplikatoren beim Thema Lebensrettung.

Ziel des Deutschen Rats für Wiederbelebung ist es, dass das Laien-Reanimationstraining zum festen Bestandteil des Schulunterrichts in Deutschland wird. „Denn wenn Menschen bereits als Kinder die Grundregeln der Wiederbelebung lernen und sie regelmäßig in der Schule auffrischen, wird der Anteil der Ersthelfer in der Gesellschaft ebenso kontinuierlich zunehmen wie der Prozentsatz der Geretteten“, meint Müller. 

Quelle: Haranni-Gymnasium

Autor:

Wochenblatt Herne aus Herne

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