Wohnen, Arbeiten, Kultur im Silo – 10 Jahre neues Leben in der Gottschalks Mühle

Foto: Gemeiner Architekten
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Zehn Kerzen auf der Geburtstagstorte machen schon was her – 2008 fiel der Startschuss für die Revitalisierung des denkmalgeschützten Ensembles Gottschalks Mühle. Diese Stück Hildener Industriegeschichte hat sich zu einem Ort gewandelt für zeitgemäßes Wohnen, Arbeiten und kulturelle Events.

Die Geschichte der Gottschalks Mühle reicht zurück bis ins 14 Jahrhundert. Christian von Krumbach, ein Kanoniker in Münstereifel verpfändete die Mühle, den Mühlenhof und ein Waldstück an Friedrich III., den Erzbischof von Köln, um im Gegenzug eine lebenslange Erbrente zu erhalten. Die Mühle war eine herrschaftliche Zwangsmühle, d.h. sie verpflichtete Bauern aus dem Umland dazu, ihr Korn hier gegen einen Obolus mahlen zu lassen. Das Wasserrad der Mühle wurde durch die Itter gespeist. Nach vielen Besitzerwechseln kaufte 1832 schließlich der Müller Hermann Gottschalk die Mühle. Dessen Sohn baute das Unternehmen, das inzwischen „Gottschalks Mühle“ hieß und mit Dampfkraft betrieben wurde zu einer großen Getreidehandelsmühle aus. Haupthandelsgüter waren Schrot und Futtermittel. 1936 kauften Herrmann und Anneliese Schmidt das Unternehmen, es ist bis heute im Familienbesitz. Seit 1987 steht das Mühlengebäude unter Denkmalschutz, 1995 schließlich wurde der Mühlenbetrieb eingestellt.

Es folgten 10 Jahre Dornröschenschlaf, in denen große Bereiche des ehemaligen Mühlengeländes als Lager genutzt wurde. Doch reifte in dieser Zeit der Wunsch der Familie Schmidt, die Gottschalks Mühle noch mal ganz neu anzupacken. Realisator des Projekts wurde das Hildener Architekturbüro Gemeiner. Als 2005 Christof Gemeiner zum ersten Mal seinen Fuß in das Gebäude setzte, schien es ihm so, „als sei die Zeit stehengeblieben. Die Maschinen, die besondere Einbauten wie die Rutschen, Waagen, Elevatoren, Paternoster oder Getreidereiniger waren in einem super Zustand“, erinnert er sich. Die Gebäudesubstanz allerdings war aufgrund des langen Leerstands denkbar schlecht.

2008 startete dann die Revitalisierung des Bergischen Mehlkontors, wie die Mühle auch genannt wird. Das Gebäude-Ensemble gliederte sich in mehrere Objekte, die beibehalten wurden - das Wohnhaus mit fünf Einheiten, der Mittelteil mit Büro- und Gewerbeflächen, das ist die denkmalgeschützte Mühle mit der Schieferverkleidung und schließlich der Silo als neuem Veranstaltungsraum und der „Kubus“ mit weiteren Büroräumen. Das Ziel war für Gemeiner, soviel wie möglich von der historischen Substanz zu erhalten. Sein Leitgedanke war es, das Alte wie eine Zeitspur in einen neuen, aktuellen Kontext zu stellen. Dafür wurden zum Beispiel die rostenden Kornsiebe als Absturzsicherung eingesetzt. Große Elemente der Elevatoren und Paternoster sind im Mühlengebäude noch zu sehen. Teile der ehemaligen Sackrutsche stehen heute wie skulpturale Elemente im Raum des mittleren Bürobereichs. Früher durchliefen sie alle Etagen und dienten den Schmidt Kindern gelegentlich als Rutsche. Die alten ausgetretenen Treppenstufen des Mühlengebäudes wurden wieder verbaut als Treppenstufen des Silos. Dessen Backsteinwände wurde nur gereinigt und wo nötig nachverfugt. Die alte, nicht mehr tragfähige Dachstuhlkonstruktion ist noch heute sichtbar. Um Ruhe und gleichzeitig Spannung in den Gebäudeverbund mit unterschiedlichen Nutzungen zu bringen, folgte die Farbe dem Material: das Schwarzgrau des Schiefers, das Beigegrau des Natursteins, das Lichtgrau-lasierte Holz der Lamellenfassade des Kubus, das Rotbraun der rostenden Siebbleche und das Dunkelrot des alten Backsteins des Silos.

Auf dem Außengelände der Gottschalks Mühle erinnern Maschinendetails an die frühere Produktionsstätte. Aus ihr ist ein attraktiver Standort für Gewerbe, Leben und besondere Events geworden, der Preise für gute Gestaltung bekommen hat, zum Beispiel den Rheinischer Preis für Denkmalpflege des Landes NRW 2012 und 2014 die Auszeichnung guter Bauten des Bund Deutscher Architekten (BDA).
Den Artikel in vollen Länge lesen Sie hier: Artikel Gottschalks Mühle

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