Im Gespräch mit Thorsten Schick - Gibt es sie noch, die Politikverdrossenheit?

Im Jahre 1992 wurde das Wort "Politikverdrossenheit" zum Wort des Jahres gekürt. Ist es heute noch aktuell?
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  • hochgeladen von Sandra-Maria Erdmann

Er hat sich extra Zeit genommen, war höflich, freundlich und gut gelaunt und das bei einem Arbeitspensum von momentan 60 bis 80 Stunden in der Woche. Es ist Wahlkampf in NRW und Thorsten Schick steckt als Landtagskandidat der Iserlohner CDU für den Wahlkreis 121 (Iserlohn, Altena, Nachrodt-Wiblingwerde und Werdohl) mittendrin.

Herr Schick, danke, dass Sie sich die Zeit genommen haben. Ich bin ein bisschen aufgeregt, immerhin sind Sie der erste Politiker, dem ich mit einem Kaffee gegenüber sitze.

Thorsten Schick: (lacht) Wieso? Ich müsste doch aufgeregt sein.

SME: In wenigen Wochen ist Landtagswahl. Bei der letzten Wahl 2010 lag die Wahlbeteiligung in Iserlohn bei 56,9 %. Dieses Ergebnis hat sicher etwas mit der Politikverdrossenheit in der Bevölkerung zu tun. Es gibt sie doch noch, oder?

TS: Jein. Das kann man so nicht sagen. Natürlich ist der allgemeine Frust über die Politik und über ihre Akteure auch bei den einzelnen Gesprächen spürbar. Dennoch kann ich sagen, dass der Umgang in den Gesprächen sehr respektvoll ist. Im Regelfall sind die Menschen freundlich. Die Menschen wollen eine verlässliche Politik, die auch hält, was sie verspricht. Natürlich werden wir kritisiert und jeder Schritt genau verfolgt. Aber konstruktive Kritik ist gut und wichtig in einem demokratischem System.

SME: Also keine Verdrossenheit? Das kann ich mir gar nicht vorstellen, hört und liest man doch in den Medien genau das Gegenteil.

TS: Je weiter die Akteure vom eigentlichen Geschehen weg sind, desto eher trifft sie der Unmut der Bevölkerung, so mein Eindruck. Die Medien rücken auch oft nur die negativen Dinge in den Vordergrund. Positive Veränderungen und Vorgänge werden nicht so herausgestellt und überbewertet, wie etwa ein politischer Faupax. Niemand sonst wird so genau von den Journalisten unter die Lupe genommen, wie die Politiker. Man steht als Volksvertreter schneller unter Generalverdacht, als etwa ein Firmenchef eines mittelständischen Unternehmens.

SME: Was ja auch berechtigt ist, oder?

TS: Ganz ohne Frage! Die Betroffenheit in der Politik ist größer, weil es hauptsächlich um öffentliche Gelder geht. Natürlich ist es wichtig und richtig, dass Politiker durchleuchtet werden und in ihrer Arbeit transparent sind. Dennoch gibt es in der Politik nicht mehr schlechte und moralisch verwerfliche Menschen, als in anderen Bereichen. Die Berichterstattung hat einfach ein verstärktes Augenmerk darauf, was prinzipiell ja auch verständlich ist.

SME: Der schlechte Ruf der Politik in der Bevölkerung führt allerdings zur anfangs gestellten Frage zurück: Politikverdrossenheit!

TS: Im Grunde ist die Politikversrossenheit ein Spiegelbild unserer Gesellschaft. Der persönliche Anspruch, die Politik müsse sich genau um sein Anliegen kümmern, führt natürlich zur Enttäuschung. Der Blick für das Ganze wird dabei gern außer Acht gelassen. Wir Kommunalpolitiker können auch nicht einfach zum Telefon greifen und bei der Bundeskanzlerin anrufen, um jeden einzelnen Vorschlag vorzubringen. Wir müssen versuchen mit unserem Parteiprogramm das Interesse der Gesamtbevölkerung abzudecken. Es ist an der Zeit, dass Menschen und Politik wieder näher zusammenrücken.

SME: Bei so einem Verhältnis zwischen Mensch und Politik, ist dabei die Gefahr von Protestwählern nicht groß? Ich denke dabei hauptsächlich an die Piratenpartei, welche mit größter Wahrscheinlichkeit in den Landtag einziehen wird. Immerhin schaffen sie es viele politikverdrossene Nichtwähler an die Wahlurne zu bringen.

TS: Das stimmt. Sie bringen damit aber auch die etablierten Partein dazu, wieder verstärkt auf die Menschen einzugehen und die Zufriedenheit der Bevölkerung in den Fokus zu stellen, eventuell die Bürgerbewegung stärker voranzutreiben. Man könnte es als Chance sehen, die politische Bühne wieder positiv zu gestalten.

SME: Danke für das Gespräch.

Wir werden am 13. Mai genau wissen, wie sich die Bürgerinnen und Bürger entschieden haben. Ich bin gespannt, wie hoch die Wahlbeteiligung ist, wer als Sieger hervorgeht und wie unsere neue Regierung aussieht. Wenn es angeblich keine Politikverdrossenheit gibt, wie ich an einigen Stellen im Internet gelesen habe, dann müssten sich ja mehr Wähler als vor zwei Jahren zur Wahlurne bewegen. Wir werden es sehen! Nach meinem Termin erwartet Thorsten Schick schon sein nächster. Ich wünsche noch einen erfolgreichen Wahlkampf.

Das Gespräch führte Sandra-Maria Erdmann

Autor:

Sandra-Maria Erdmann aus Iserlohn

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