Titelverteidiger quält sich und Fans beim Hauptrundenfinale


1. Bundesliga, 20. Spiel: ERG Iserlohn - SC Bison Calenberg 6:2 (2:0)

(tg) Auf einer Zufriedenheitsskala von 1 bis 10 hätte ERGI-Trainer Jens Behrendt seinem Team nicht einmal eine Null gegeben. „Das war gar nichts“, gab er nur knapp zu Protokoll und ärgerte sich dabei maßlos über die mangelhafte Einstellung seiner Spieler. Sicher, in der Woche zuvor hatte eine kleine Grippewelle das Team erwischt, doch das reichte nicht zur Entschuldigung. „Wir haben es heute leichtfertig vergebe, uns mit einem hohen Sieg in Play-off-Stimmung zu bringen und uns stattdessen zu einem Pflichtsieg gequält!“


Das klare Ergebnis überrascht nicht, täuscht aber darüber hinweg, dass Iserlohn nicht immer voll bei der Sache war und sich letztlich bei Schlussmann Patrick Glowka bedanken musste, nicht in ernsthafte Schwierigkeiten gegen den Liga-Achten geraten zu sein.

Der Minikader der Bisons hatte wohl in den Köpfen der Hausherren einen Selbstläufer kreiert, dabei aber außer Acht gelassen, dass die Gäste mit Milan Brandt und Leif Johansson zwei überaus schnelle Spieler aufboten, die stets den direkten Weg zum Tor suchten. Und so hatten die Gäste gegen den unmotiviert wirkenden Titelverteidiger in den ersten 15 Minuten durchaus die besseren Möglichkeiten, ohne dabei aber ein Mittel gegen den Nationaltorwart der ERG zu finden.

Dann besannen sich die Westfalen eines Besseren, zogen selbst das Tempo endlich einmal an – und rissen sofort große Lücken in die Calenberger Abwehr. Nutznießer war vor dem Seitenwechsel Carlos Nunez, der zweimal unbehelligt einschieben konnte (16./25.), nach dem Wiederanpfiff kam dann Kai Milewski schnell in Position – 3:0 (32.).

Aber die Gäste blieben unangenehm auf Tuchfühlung, weil Milan Brandt sich einen Penalty nicht nehmen ließ (32.). Zu mehr als solchen Nadelstichen waren die Niedersachsen im zweiten Durchgang aber nicht mehr in der Lage, da sie auf der Bank keine adäquaten Wechselspieler hatte. Die zunehmende Ermüdung der Gäste spielte Iserlohn natürlich in die Karten, denn so geriet der Erfolg auch bei nur minimalem Aufwand nicht mehr in die Gefahr. Andre Costa (38./47.) und Jorge Fonseca (50.) machten im Schongang das halbe Dutzend noch voll, auf der Gegenseite war nochmals Milan Brandt mit einer Einzelleistung erfolgreich (45.).

ERG Iserlohn: P. Glowka, T. Sato; C. Nunez (2), N. Hilbertz, K. Milewski (1), S. Glowka, C. Hegener, J. Fonseca (1), T. Henke, A. Costa (2). - SC Bison Calenberg: T. Fischer (ab 42. R. Kaas); S. Kirnig, L. Johansson, D. Kuczynski, R. Johansson, M. Brandt (2), D. Luther. - Schiedsrichter: T. Ehlert / M. Wittig.

Torfolge: 1:0 (16.) C. Nunez, 2:0 (25.) C. Nunez, 3:0 (32.) K. Milewski, 3:1 (32./Penalty) M. Brandt, 4:1 (38.) A. Costa, 4:2 (45.) M. Brandt, 5:2 (47./Überzahl) A. Costa, 6:2 (50.) J. Fonseca. - Zeitstrafen: Iserlohn 0 min - Calenberg 2 min (M. Brandt/47.). - Teamfouls: Iserlohn 7 – Calenberg 7.

Autor:

Tim Graumann aus Iserlohn

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