Ex-Kommissar ermittelt „Im Kerker“
Heinrich Peuckmanns neuester Krimi greift aktuelles Thema auf

Heinrich Peuckmann lässt auch im achten Band "Im Kerker" seinen Ex-Kommissar Bernhard Völkel im Schilling in Dortmund einkehren. | Foto: Weskamp
  • Heinrich Peuckmann lässt auch im achten Band "Im Kerker" seinen Ex-Kommissar Bernhard Völkel im Schilling in Dortmund einkehren.
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Ein Mann beobachtet ein Asylbewerberheim: Das ist die Ausgangslage, der sich Heinrich Peuckmanns Ex-Kommissar Bernhard Völkel in „Im Kerker“ widmet – sein achter Fall und Peuckmanns 60. Buch.

Heinrich Peuckmanns neuer Krimi „Im Kerker“ ist der achte Fall seines Kommissars Bernhard Völkel. Dieser erfährt durch seinen neuen Bekannten Ulli, einen Schrebergärtner, dass vor einem Asylbewerberheim ein Mann steht, der es genau beobachtet. Zur Rede gestellt, erklärt der Mann, in dem Heim verstecke sich ein syrischer Geheimdienstler, der ihn gefoltert habe. Völkel ist empört. Dass so ein Verbrecher glaubt, hier untertauchen zu können, ohne für seine Taten zur Rechenschaft gezogen zu werden, macht ihn wütend. Aber dann ist sein Informant plötzlich verschwunden, und neue Erkenntnisse lassen den Fall in einem anderen Licht erscheinen.

Peuckmann hat sich für seinen neuesten Krimi eines politisch-aktuellen Themas angenommen. „Es gibt circa 100 Geheimdienstler, die in ihren Ländern gefoltert haben und jetzt untertauchen“, erzählt Peuckmann im Schilling, der Dortmunder Kneipe, in der auch seine Krimifigur Völkel oft zu Gast ist. Auf der anderen Seite gibt es aber auch die große Zahl an Menschen, die aus gutem Grund aus ihrer Heimat flüchten. „Viele befinden sich in einer schutzwürdigen Situation“, beschreibt er. Oft würden Menschen aufgrund von Äußerungen, die sie gemacht haben, in anderen Ländern verfolgt. Er kennt das von seiner Arbeit im PEN: „Wir haben ein Programm für verfolgte Autoren.“ Von der Grundsituation, dass jemand ein Asylbewerberheim beobachtet hat, weil er glaubte, jemanden erkannt zu haben, hat Peuckmann einmal gelesen.

Der Krimi ist wieder gradlinig und schnörkellos geschrieben und lässt den Leser mit Völkel mitraten und mitfiebern. Lediglich bei wenigen Gelegenheiten weiß man mehr als der Ex-Kommissar, der das Ermitteln nicht sein lassen kann – und dies regelmäßig vor Tochter und Freundin zu verbergen sucht, damit diese sich keine Sorgen machen. Immer wieder blitzt auch Humor durch, etwa wenn Völkel auf die Bitte seines ehemaligen Kollegen Wolter, sich eine Leiche anzusehen, verwundert entgegnet: „Ihr findet doch dauernd Leichen; soll ich mir die jetzt alle ansehen?“

Im Rahmen der Leipziger Buchmesse war die Buchpremiere seines neuen Kriminalromans, den Peuckmann im Rahmen von „Leipzig liest“ wie bei jedem vorherigen Völkel-Krimi in der Szenekneipe „Canito“ vorstellte. Zusätzlich hat er für den PEN, dessen Präsidiumsmitglied er ist, eine Veranstaltung moderiert, in der PEN-Autoren Texte verfolgter Schriftsteller aus mehreren Ländern vorlasen und so an das harte Schicksal ihrer Kollegen erinnerten. Auch an der Präsentation einer großen Lyrikanthologie, in der er mit mehreren Gedichten vertreten ist, nahm er teil.

Neben dem achten Fall (und Buch) für Völkel ist der Roman auch Peuckmanns 60. Buch. Begonnen hat der Lehrer im Ruhestand im Jahr 1970 mit dem Schreiben, damals neben dem Beruf. Nach Anthologien folgte 1984 sein erster Erzählband. Danach ging es relativ zügig mit Romanen, Erzählungen und Lyrikbänden weiter. Meist spielt das Ruhrgebiet eine Rolle. „Es ist ein spannender Ort, auch durch den Strukturwechsel. Die Leute sind volksnah und haben Ironie“, findet er. Der 9. „Völkel“ ist übrigens schon in Arbeit.

Autor:

Tobias Weskamp aus Kamen

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