„Wir haben noch eine richtige Schulgemeinschaft“.

Rund 100 km legten die vier Tandem-Piloten Günther Kraus, Werner Decker, Christoph Lebelt und Peter Hahnel (Foto) zurück, um die rund 200 Schüler eine Runde als Sozius mit verbundenen Augen zu fahren.
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  • Rund 100 km legten die vier Tandem-Piloten Günther Kraus, Werner Decker, Christoph Lebelt und Peter Hahnel (Foto) zurück, um die rund 200 Schüler eine Runde als Sozius mit verbundenen Augen zu fahren.
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In der Paul-Maar-Gemeinschaftsgrundschule wird Zusammenhalt gelebt.

Langenfeld/Ratingen. „Man kann ganz verschiedene Sportarten mit dem Rollstuhl machen“, betont Aggi Wiggers und zeigt auf einen Sportrollstuhl. Dann führt sie vor, wie man sich mit Schwung abschiebt – den Oberkörper leicht nach vorn gebeugt. „Jetzt fahrt mal so schnell, wie ihr könnt“, fordert sie die Kinder auf.

An der Paul-Maar-Grundschule in Ratingen-Tiefenbroich ist die Elisabeth & Bernhard Weik-Stiftung aus Langenfeld zu Gast, um das Projekt „der ganz normale Tag“ zusammen mit dem Lehrerkollegium und vielen Helfern aus der Elternschaft durchzuführen. „Eine der Aufgaben der Stiftung ist es, Grundschulkinder für Menschen zu sensibilisieren, die mit Beeinträchtigungen leben müssen, zum Beispiel Roll-stuhlfahrer“, erläutert Peter Mecklenbeck das Projekt. „Schüler sollen das nachempfinden lernen.“

„Ihr wisst, was das hier ist?“ fragt die blinde Rezzan Özel in die Schülerrunde. „Eine Waage“, rufen die Kinder. „Weil ich nicht sehen kann, sagt mir die Waage das Gewicht.“ Rezzan legt einen Kurzzeitmesser auf die Waage, die das Gewicht mit 62 g angibt. „Das hier ist ein Farberkennungsgerät“, sagt sie und legt es an eine Hose. „Die Farbe ist grau“, sagt das Gerät. Es stimmt. Dann präsentiert sie ein weiteres Gerät, einen „Einkaufsfuchs“, und hält ihn an eine Packung. „Pfefferminztee“ hört man aus dem Gerät und das Gewicht.

Wie blinde Menschen mit Hilfsmitteln aller Art ihren Alltag bewältigen können, wird den Grundschulkindern auf diese Weise vermittelt. Mit vielen anderen Übungen erleben die Schüler, was es bedeutet, nicht alles machen zu können. Sie ertasten sich den Weg mit dem Blindenstock, malen und greifen mit den Füßen, üben das Gehen auf Stufen mit Gehhilfen, fahren als Sozius mit verbundenen Augen auf dem Radtandem mit und klettern mit Gewichtswesten, um zu erfahren, wie sich ein Übergewicht anfühlt.

„Der ganz normale Tag“ ist eingebettet in eine Projektwoche „Fit und gesund“, erklärt Schulleiter Marc-Christoph Rattay. „Wir haben ein sehr engagiertes Kollegium, das auch das eine oder andere neue ausprobiert.“ Die Schule mit 204 Kindern in acht Klassen und 19 Lehrkräften sei aus der ehemaligen Gerhard-Tersteegen-Schule und der kath. Martinschule hervorgegangen. „Ich bin anders an du“ sei in der Schule normal und werde voll akzeptiert. Es gebe zusätzlichen russischen und türkischen Sprachunterricht. „Ein Schwerpunkt ist bei uns das Lesen“, berichtet Rattay. Der noch lebende Autor Paul Maar habe viel Wortwitz und könne nachdenklich machen. Neue Bücher erhalte die Schule als Vorabdruck.

In der Schule könne er viel gestalten, sagt Rattay. „Viele Eltern bringen sich hier ein, in dem eher ländlichen Raum mit dörflichem Charakter gibt es noch eine echte Schulgemeinschaft.“ Das zeige sich auch in den Vereinen mit Traditionen, die ebenso die Schule unterstützen würden. So käme etwa einmal wöchentlich der Gartenbauverein in den Schulgarten, um anzuleiten und zu helfen. Es gebe Obstbäume, Johannis- und Himbeeren, Kräuter, Naturblumen und ein Insektenhotel, auch am Wettbewerb um den größten Kürbis ist die Schule beteiligt.

Zum „ganz normalen Tag“ haben übrigens die Eltern die „Vitamine“ gespendet: Möhren, Kohl-rabi, Äpfel, Bananen, Gurken usw. Und die Lehrerinnen haben für die Helfer Kuchen gebacken.

Autor:

Jürgen Steinbrücker aus Langenfeld (Rheinland)

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