Dr. Sven Thomas im Interview mit Marco Hortz
Bionischer Roboter-Rochen zur Wasserrettung

Das Fraunhofer-Institut für digitale Medientechnologie in Ilmenau und die Wasserrettung Halle vom Deutschen Roten Kreuz entwickeln aktuell einen Roboter-Rochen, mit dem Ziel, zukünftig das Aufsichtsführende Personal am Beckenrand zu unterstützen. Das Projekt wird vom Bundeswirtschaftsministerium gefördert. Der Roboter-Rochen ist nach dem Vorbild eines Mantarochen aus der Gattung der Teufelsrochen gestaltet und soll in einer Unterwasser-Garage im Schwimmbecken auf seinen Einsatz warten. Mittels einer Kameraüberwachung an der Schwimmhallendecke bzw. unter Wasser werden die Becken softwareunterstützt gescannt. Im Notfall wird der sensorbasierte Rettungsroboter mit ca. 7 km/h an die betreffende Person herantauchen, diese an den Hüften mittels Greifarme fixieren und an die Wasseroberfläche bringen.

Seit wann wird an diesem Projekt gearbeitet?
„Die ersten praktischen Versuche fanden Ende 2017 in Bremen statt. Damals konnten wir erstmals ein autonomes Unterwasserfahrzeug (autonomous underwater vehicle, AUV) der Firma Atlas Elektronik einsetzen, das für die Suche von Objekten entwickelt wurde. Die erste Erprobung war vielversprechend. Es zeigte sich, dass ein AUV in der Lage ist, Personen und selbst kleinere Objekte in kurzer Zeit zu finden. Schon damals war eindeutig, dass diese Technologie den herkömmlichen, in der Wasserrettung und von der Feuerwehr eingesetzten Techniken weit überlegen ist.“

Wie entstand die Idee?
„Die Wasserrettung Halle prüft seit 2013 die Sicherheit von Schwimmbädern. Bislang wurden Einrichtungen mit ca. 6 Mio. Besuchern jährlich zertifiziert. Dabei bestätigt sich immer wieder, dass die Sicherheitsstandards in deutschen Bädern außerordentlich hoch sind. Dennoch können die tatsächlichen Unfallzahlen in nahezu baugleichen Bädern sehr unterschiedlich ausfallen. Die Gründe dafür sind im Wesentlichen bekannt. Für uns Wasserretter schwer zu ertragen ist insbesondere, wenn Unfälle mit Kindern geschehen und die Hilfeleistung dabei spät oder zu spät einsetzt. Der „Robo-Rochen“ soll eine ununterbrochene Aufsicht und schnelle Hilfeleistung in allen Bädern ermöglichen. Er hilft dem Personal und leitet automatisch die Rettung ein – bevor dann wieder der Mensch übernimmt.“

Finanziert sich das Projekt ausschließlich von Fördergeldern?
„Im Moment leider ja. Weder die Wasserrettung Halle noch die Spitzenforscher vom Fraunhofer Institut verfügen über ausreichend Mittel, um die Entwicklung des Prototyps aus eigener Kraft zu finanzieren. Im Vergleich zu den USA oder China ist das ein massiver Nachteil. Wir verlieren einfach zu viel Zeit. In Deutschland muss man eine gute Idee haben und dann mindestens ein Jahr einplanen, um Fördermittel zu akquirieren. Weltweit werden ca. 90% aller Patente im Bereich der Unterwassertechnologie von Chinesen oder Amerikanern gehalten, und das nicht, weil sie so viel klüger sind.“

Für wann prognostizieren Sie den Einsatz in öffentlichen Schwimmbädern?
„Die praktische Erprobung des Demonstrationsmodells ist für November 2020 in einem halleschen Schwimmbad geplant. Als nächster Schritt folgt die Entwicklung des Prototyps, um die Serienreife zu erlangen. Dafür ist ein weiteres Jahr an Forschungsarbeit und praktischen Tests erforderlich. Somit wären mit etwas Optimismus die ersten Geräte im Jahr 2022 verfügbar. Technologisch ist das realistisch, die richtigen Leute haben wir auch. Aber letztlich ist es eine Frage des Geldes. Ein Förderantrag bei einem Bundesministerium ist bereits gestellt.“

Vielen Dank für das aufschlussreiche Interview und viel Erfolg bei der Entwicklung des Prototypen.

Autor:

Marco Hortz aus Mülheim an der Ruhr

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