Bündnis "Mülheim stellt sich quer" und AfD trafen aufeinander
Farbe bekannt

Mehr als 2500 Bürger machten lautstark deutlich, dass sie nicht mit dem Parteiprogramm der AfD einverstanden sind.
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Ein Riss geht durch die Gesellschaft, davon bleibt auch Mülheim nicht verschont. Das wurde beim AfD-Bürgerdialog am Dienstagabend, 29. Oktober, in der Stadthalle und dem Protest des Bündnisses "Mülheim stellt sich quer" deutlich.

Von Andrea Rosenthal

Der Landesverband der Alternative für Deutschland (AfD) hatte zum offenen Bürgerdialog geladen, zu dem jeder Interessierte kommen konnte. Die AfD-Mitglieder im Landtag Gabriele Walger-Demolsky und Dr. Martin Vincentz sowie Dr. Alice Weidel, Mitglied des Bundestages, hatten sich angekündigt.

Tausende Einladungsflyer wurden in der Stadt verteilt. Angemietet wurde vom AfD-Landesverband NRW der Kammermusiksaal in der Stadthalle für 200 angemeldete Personen. Da dieser durch einen direkten Zugang von der Schloßbrücke zu erreichen ist, was bei der Absperrung zu massiven Verkehrsstörungen auf der Brücke geführt hätte, disponierte die MST um und verlegte den Bürgerdialog aus Sicherheitsgründen in den Eingangsbereich der Stadthalle mit der gleichen Kapazität.

Unmut bei den angereisten AfD-Anhängern
Und so standen bereits eine halbe Stunde von Veranstaltungsbeginn etliche interessierte Bürger, Pressevertreter und AfD-Anhänger vor einem massiven Polizeiriegel und wurden am Einlass gehindert, weil die Raumkapazität erschöpft war. Unmut machte sich breit.

Lange Zeit standen Demonstranten des Bündnisses "Mülheim stellt sich quer", interessierte Bürger und AfD-Anhänger gemeinsam vor den Absperrungen der Polizei. So entspann sich der gewünschte Bürgerdialog teilweise auch außerhalb der Stadthalle, wobei sich die Diskussionen im zumeist im Beharren auf Meinungen und Standpunkten erschöpften.

Die Demonstranten skandierten auf Plakaten "Mülheim ist bunt", "Die AfD finde ich eher unsympatisch" oder "Die einzig guten braunen Flaschen beinhalten Pils". Mit Trillerpfeifen und auf Töpfe schlagend waren die gut 2500 Menschen, so die Schätzungen der Polizei, zuvor vom Kurt-Schumacher-Platz zur Stadthalle gezogen. Es kamen Familien mit Kindern wie Senioren, Studenten, Lehrer, Künstler und Pfarrer, die ganze Vielfalt der Gesellschaft. Die AfD-Anhänger empfanden sich zu unrecht in die rechte Ecke gedrängt.

Superintendent Pfarrer Gerald Hillebrand und sein katholischer Kollege Stadtdechant Michael Janßen zeigten sich erfreut über die Menge der Demonstraten. Während Alexander von Wrese und viele AfD-Anhänger sich von der Positionierung der Kirchen enttäuscht zeigten, betonte Michael Janßen: "Die Kirche hat zwar keinen ausdrücklichen politischen Auftrag, aber das kirchliche Menschenbild hat durchaus politische Konsequenzen." "Wir glauben an geschwisterliche Liebe, jedes Geschöpf ist vor Gott gleich", erklärte Annika Lante, Pressesprecherin des Kirchenkreises An Der Ruhr, "das ist mit dem Parteiprogramm der AfD nicht vereinbar."

"Wenn unser Glaube keine Auswirkungen auf den Alltag auch in der Politik hätte, dann bräuchten wir ihn nicht zu predigen!"
Superintendent Pfr. Gerald Hillebrand

Protest blieb weitgehend friedlich
Dass sich die Werte der AfD nicht mit ihren eigenen decken, zeigten die meisten Anwesenden lautstark und friedlich. Auch die Polizei war mit dem Ablauf der Demonstration sehr zufrieden. Nur zwei Zwischenfälle gab es. Zunächst beabsichtigten einige Personen, den Eingang der Stadthalle zu stürmen. Dies konnte verhindert und Platzverweise ausgesprochen werden. Zudem kam es zu zwei Flaschenwürfen in Richtung der Veranstaltungshalle. Eine weitere Anzeige fertigten Polizisten, nachdem ein Mann auf dem Parkplatz an der Bergstraße, Ecke Fährstraße von zunächst unbekannten Personen an der Einfahrt gehindert wurde. In dem anschließenden Tumult soll der Mann aus dem Auto gezogen und das Fahrzeug beschädigt worden sein. Zufällig anwesende Pressevertreter verhinderten weitere körperliche Angriffe.

Kirche ist gesprächsbereit
"Leider kann man als Organisatoren so einer Demonstration solche Zwischenfälle nicht gänzlich verhindern, wir verurteilen sie aber aufs Schärfste", sagte Superintendent Pfarrer Gerald Hillebrand. Den Vorwurf des AfD-Ortspolitikers Alexander von Wrese, dass die Kirchen sich dem Dialog verweigerten, konterte der Superintendent. "Wir sind jederzeit gesprächsbereit!" Solange die AfD aber ihr Programm weiterverfolge, sei eine Annäherung nicht möglich. Und zum Schluss gibt Gerald Hillebrand allen Kritikern zu bedenken: "Wir haben als Kirche keine politische Abstinenz zu üben. Wenn unser Glaube keine Auswirkungen auf den gelebten Alltag, auch in der Politik, hätte, dann bräuchten wir ihn nicht zu predigen!"

AfD Mülheim zeigt sich zufrieden
Von Wrese zeigte sich nach dem Bürgerdialog sehr zufrieden über die Resonanz, die er nicht erwartet habe, aber auch diesen Gegenwind. Auf die Frage, warum denn ein Saal nur für 200 Gäste angemietet wurde, obwohl tausende von Flyern verteilt wurde, verwies er auf die Landtagsfraktion, die die Durchführung organisiert habe. "Meines Wissens nach gab es bisher bei keinem Bürgerdialog eine so große Resonanz wie hier". So wolle man bei zukünftigen Veranstaltungen, die es im Wahlkampfjahr sicher geben werde, nach größeren bestuhlten Räumen schauen. Wobei auch die Stadthalle als Veranstaltungsort wieder in Frage käme. Dass auch AfD-Anhänger draußen bleiben musste, sei schade, so von Wrese. Die MST als Hausherrin hätte sonst die Veranstaltung abgebrochen. Bis gegen 22.30 Uhr dauerte der Bürgerdialog an. Als er endete, waren die meisten Demonstranten dann doch schon zu Hause.

Zu meiner Arbeit

Autor:

Andrea Rosenthal aus Mülheim an der Ruhr

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