Reisebüro Spree klärt über Folgen auf
Schock nach Insolvenz bei Thomas Cook

v.l.: Marion Spree und Andrea Enaux
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  • Foto: PR-Foto Köhring/SC
  • hochgeladen von Regina Tempel

“Mit Neckermann sind wir groß geworden – das war ein richtiger Schock!“ Marion Spree gehört seit Jahrzehnten das gleichnamige Reisebüro in Dümpten an den Denkhauser Höfen. Auch einige Ihrer Kunden sind betroffen.

Die Insolvenz von Thomas Cook ist mehr als eine Pleite, ist in einschlägigen Fachmagazinen zu lesen: Die Insolvenz ist eine der schwersten selbst verursachten Krisen, die die Tourismusbranche je erlebt hat. Zu den Veranstaltungstöchtern gehören die Marken Neckermann, Bucher Last Minute, Öger Tours und Air Marin.

Die Insolvenz von Thomas Cook UK wurde am Wochenende 21./22. September in London beschlossen. Eine weitere Bezuschussung war ausgeschlossen worden. Am 25. September zog Thomas Cook Deutschland dann nach. Freitag zuvor waren im Reisebüro Spree noch die Sommerkataloge 2020 der Thomas Cook-Gruppe eingetroffen. „Seit Montag, 23. September, war bei Thomas Cook niemand mehr zu erreichen,“ erinnert sich Marion Spree. Gut, dass ihr Büro immer schon breit aufgestellt war und mit vielen Veranstaltern zusammenarbeitet, sagt die Fachfrau im Nachhinein.

Einige Kunden waren da aber bereits abgereist. Sie mussten vor Ort benachrichtigt werden. Es gab aber auch Buchungen über die Herbstferien. Nicht alle Kunden konnten ein zweites Mal buchen. Andrea Enaux ist ebenfalls seit Jahrzehnten in der Reisebranche tätig: „Die Kunden müssen das im Voraus gezahlte Geld erst einmal abschreiben und können sich freuen, wenn sie irgendwann einen Teil rückerstattet bekommen.“

Seit dem schwarzen Wochenende sind 600.000 Menschen von der Insolvenz betroffen – davon 140.000 Deutsche, die bereits im Urlaub waren. Die Thomas Cook Airlines hat ihren Betrieb direkt nach Insolvenz-Bekanntgabe eingestellt. Hoteliers werden in den Ruin getrieben, Airlines in Schieflage gebracht, tausende Mitarbeiter werden von Arbeitslosigkeit betroffen sein und bei vielen Reisebüros kommt es jetzt zu Provisionsausfällen, die auch existenzbedrohend sein können, so die allgemeinen Prognosen.

„Wir als Reisebüros sind das kleinere Rad in der gesamten Maschinerie,“ weiß Marion Spree. Andrea Enaux berichtet von Kunden, die in Mallorca ein Thomas Cook Vertrags-Hotel verlassen haben, das nach ihrer Abreise komplett geschlossen wurde.

Erstattung ungewiss

Kunden, die eine Pauschalreise gebucht und einen Sicherungsschein bekommen haben, können den entstandenen Schaden bei der Versicherung einreichen. Das Reisebüro Spree ist da gerne behilflich. Die Haftung des Kundenabsicherers ist allerdings begrenzt. Er haftet für alle in diesem Jahr entstandenen Schäden bis zu einem Betrag von 110 Mio. Euro. Sollte diese Summe nicht für alle Reisenden ausreichen, so verringert sich der Erstattungsbetrag entsprechend. Inzwischen wurde bekannt, dass sich die Schadenssumme auf 500 Millionen Euro belaufen soll. Viele Reisende würden also leer ausgehen. Deshalb fordert die Verbraucherzentrale nun, dass der Bund einspringt. Denn die Begrenzung durch das deutsche Gesetz auf maximal 110 Millionen Euro Rückerstattung könnte gegen die  EU-Pauschalreiserichtlinie verstoßen, die vorsieht, dass Reisende bei Pauschalreisen im Falle einer Insolvenz in vollem Umfang geschützt sind.

Für alle gebuchten Reisen ab dem 1. Januar 2020 sei noch nicht geklärt, wie es mit Thomas Cook und den Tochterunternehmen weitergeht, erklärt Marion Spree. Schon seit geraumer Zeit weiß sie zu schätzen, dem Verband unabhängiger selbständiger Reisebüros (VUSR) anzugehören, der die Mitglieder umfassend informiert und Hilfestellung bei allen aufkommenden Fragen geleistet hat.

Autor:

Claudia Leyendecker aus Mülheim an der Ruhr

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