Schriftstellerin

Beiträge zum Thema Schriftstellerin

Kultur

Vor 125 Jahren wurde Marie Luise Kaschnitz geboren
Sprachrohr der Ratlosigkeit

Mit dem ihr oft verliehenen Etikett der „grande dame“ der deutschen Literatur konnte sich die Schriftstellerin Marie Luise Kaschnitz nie anfreunden. Obwohl sie nur in ihrer „Jugend“ Romane und nach dem Krieg vorwiegend Gedichte und Erzählungen geschrieben hat, gilt sie als eine der herausragenden Gestalten in der deutschen Nachkriegsliteratur. Marie Luise Kaschnitz hat ihren eigenen Stellenwert gern herunter gespielt. Als ihr 1955 der Georg-Büchner-Preis verliehen wurde, entschuldigte sie sich...

Kultur

Leïla Slimanis Roman „Trag das Feuer weiter“
Zwischen Nähe und Fremde

„Eines Nachts im November 2021 habe ich meinen Geschmacks- und Geruchssinn verloren.“ Mit diesem Statement der Protagonistin Mia, eine bekannte Schriftstellerin, eröffnet Leïla Slimani ihren neuen Roman „Trag das Feuer weiter“ - Abschlussband ihrer Roman-Trilogie, in der sie anhand ihrer eigenen Familiengeschichte auf dem schmalen Grat zwischen Heimat und Fremde, zwischen Nähe und Distanz wandelte. Leïla Slimani, die 1981 in Rabat als Tochter einer Ärztin und eines ehemaligen marokkanischen...

Kultur

Katerina Poladjans Roman „Goldstrand“
Der Vergangenheit widmen

Die 1971 in Moskau geborene Schriftstellerin Katerina Poladjan, die in diesem Jahr mit dem Großen Preis des Deutschen Literaturfonds ausgezeichnet wurde, legt in ihrem neuen Roman eine komplizierte Familiengeschichte vor – mit all den historisch-politischen Wirrungen des 20. Jahrhunderts. Der in die Jahre gekommene Ich-Erzähler, der Filmregisseur Eli erzählt vom Leben seines Großvaters Lew. In vierzig langen Sitzungen soll die Dottoressa, eine Psychotherapeutin Licht in das Dunkel seiner Seele...

Kultur

Valery Tscheplanowas Roman „Ist es Liebe“
Gepäck für die Liebe

Nach der Lektüre von Valery Tscheplanowas zweiten Roman fragt man sich händeringend, ob im Buchtitel nicht ein Fragezeichen fehlt, denn es steht eine ziemlich unkonventionelle Zweierbeziehung im Mittelpunkt. "Ich wollte beschreiben, was für Gepäck Menschen in die Liebe mitbringen. Es geht ja ganz schnell, dass einem der andere gut gefällt, dann gibt es rauschende drei Monate, und dann stellt man fest, dass der Andere etwas mitgebracht hat“, erklärte kürzlich die 45-jährige, in Kasan (Russland)...

Kultur

„Nachteule“ - zum 90. Geburtstag von Ingrid Noll
Die Heldinnen verstehen

„Man muss meine Heldinnen nicht unbedingt mögen, sondern sollte sie bloß verstehen. Mir sind selbstgerechte Menschen immer ein wenig suspekt, in bestimmten Situationen ist fast jeder zu einer Straftat fähig“, hatte die Schriftstellerin Ingrid Noll vor drei Jahren in einem Interview erklärt. Ihre Produktivität ist bewundernswert, ihre dichterische Fantasie scheint nicht zu versiegen. Noch immer publiziert sie (trotz des fortgeschrittenen Alters) regelmäßig neue Romane. Beachtlich ist, dass sich...

Kultur

Dorothee Elmigers Roman „Die Holländerinnen“
Torkelnd den Himmel absuchen

„Diese Ratlosigkeit, die sie spürt, einerseits ausgelöst durch die Geschehnisse im Text, aber auch angesichts des Zustands der Welt in der Gegenwart und der Frage, wie wir schreibend darauf reagieren können, wie man damit umgeht oder nicht, das sind für sie zentrale Fragen“, heißt es über die namenlose Protagonistin im neuen Roman der 40-jährigen Schweizer Autorin Dorothee Elmiger. Bereits in ihrem 2010 mit dem „Aspekte-Literaturpreis“ ausgezeichneten Debütwerk „Einladung an die Waghalsigen“...

Kultur

Mieko Kawakamis Roman „Das gelbe Haus“
Geld ist Macht

„Keiner meiner Gedanken, keine meiner Erinnerungen hatte Gewicht. Dinge, an die ich mich hätte erinnern sollen, gab es nicht. Dinge, über die ich hätte nachdenken sollen, gab es vielleicht, aber ich wusste gar nicht, wie man das machte, nachdenken,“ befindet Hana, die Protagonistin Mieko Kawakamis neuem Roman. In Hanas Leben ist so ziemlich alles schief gelaufen. Schule, Familie, späteres Berufsleben – eine endlose Ansammlung von Katastrophen. Die 48-jährige japanische Erfolgsschriftstellerin...

Kultur

Julia Engelmanns Roman „Himmel ohne Ende“
Die richtige Stille gefunden

„Ich glaube, dass Gedanken unglaublich stark sein können. Wenn ich für mich spreche: Ich kann oft Dinge nicht ändern, wie sie sind, aber ich kann die Art ändern, wie ich darauf blicke. Schon allein daher finde ich, dass es von guten Gedanken gar nicht genug geben kann“, hatte die Autorin Julia Engelmann kürzlich in einem Interview erklärt. Sie ist erst 32 Jahre alt und dennoch kann sie schon auf eine beachtliche künstlerische Biografie verweisen. Sie stand vier Jahre in Bremen auf der...

Kultur

Isabel Allendes neuer Roman
Ein Leben als ewiger Kampf

„An meinem siebten Geburtstag, am 14. April 1873, zog meine Mutter, Molly Walsh, mir meine Sonntagssachen an und brachte mich zum Union Square, um die einzige Fotografie von mir machen zu lassen, die aus Kindertagen von mir existiert.“ So leitet die inzwischen 83-jährige Isabel Allende ihren neuen Roman ein, in dessen Mittelpunkt wieder einmal eine außergewöhnlich starke Frauenfigur steht. Mit einer Auflage von 100000 Exemplaren ist das neue Erzählwerk nun erschienen. Emilia ist 1866 in San...

Kultur

Zum Tod der Schriftstellerin Doris Gercke
Chandler hat ihr Mut gemacht

Ein wenig desillusioniert klangen mit den Jahren die Worte von Doris Gercke, der Schöpferin der TV-Figur Bella Block: "Ich fürchte, ich habe mir mal eingebildet, als ich angefangen habe zu schreiben, dass man damit etwas verändern könnte, dass es sozusagen eine aufklärerische Funktion haben könnte. Ich glaube das eigentlich nicht mehr." Erst spät hat die zuletzt in Hamburg lebende Schriftstellerin den Weg zur Literatur gefunden: "Ich hab' mal gelesen, dass Chandler mit vierzig seinen ersten...

Kultur

Georg-Büchner-Preis an Ursula Krechel
Spuren der Vergangenheit auffinden

Es ist eine Art Ritterschlag in der deutschsprachigen Literatur, wenn ein(e) Autor(in) mit dem Georg-Büchner-Preis ausgezeichnet wird. In diesem Jahr geht die bedeutende und mit einem Preisgeld von 50 000 Euro dotierte Auszeichnung an die 77-jährige Schriftstellerin Ursula Krechel. Die Darmstädter Jury würdigte ihre fortwährende Auseinandersetzung mit den "Verheerungen deutscher Geschichte". Krechels facettenreiches Werk rege dazu an, „die Spuren der Vergangenheit im Alltag der Gegenwart...

Kultur

Marlene Streeruwitz' Roman „Auflösungen“
Sätze wie Schreie

Neben der vier Jahre älteren Nobelpreisträgerin Elfriede Jelinek hat sich Marlene Streeruwitz als zweite, deutlich vernehmbare, rebellische weibliche Stimme der österreichischen Gegenwartsliteratur etabliert – abseits aller literarischen Moden und politisch-gesellschaftlichen Konventionen. In jüngerer Vergangenheit hat die inzwischen 75-jährige Marlene Streeruwitz schon einige Male junge Frauen in den Mittelpunkt ihrer Romane gestellt, Figuren, die privat und beruflich gescheitert sind – so...

Kultur

Antje Ravik Strubel: „Der Einfluss der Fasane“
Aufstieg und Fall

Die 51-jährige Schriftstellerin Antje Ravik Strubel, die schon vor einem knappen Vierteljahrhundert mit dem angesehenen Ernst-Willner-Preis in Klagenfurt ausgezeichnet wurde und 2021 für ihren Roman „Blaue Frau“ den Deutschen Buchpreis erhielt, hat sich in ihrem neuen Roman mit dem deutschen Feuilleton, dem Suizid eines Theaterintendanten und dem Aufstieg und Fall einer Journalistin beschäftigt. Im Mittelpunkt des Romans steht Hella Karl, Feuilletonchefin und renommierte Theaterkritikerin einer...

Kultur

Jente Posthuma: „Woran ich lieber nicht denke“
Bruder wird immer da sein

Die niederländische Autorin Jente Posthuma war hierzulande bisher ein unbeschriebenes Blatt. Das dürfte sich nun ändern, denn mit „Woran ich lieber nicht denke“ (stand im letzten Jahr auf der Shortlist des International Booker Prize) ist nun in deutscher Übersetzung ein außerordentlich beklemmender Roman erschienen, der sich um Suizid, Trauer und eine übergroße Geschwisterliebe dreht. „Waterboarding, sagte ich zu meiner Mutter. Jemand legt einem ein Tuch aufs Gesicht und schüttet ständig Wasser...

Kultur

Mascha Unterlehbergs Debütroman „Wenn wir lächeln“
Wut und Ohnmacht

„Ich schreibe selbst oft Texte aus einer Wut heraus, die durch ein Gefühl von Ohnmacht entsteht. Es hat etwas Befreiendes, sie beim Schreiben rauszulassen“, hatte die in Mülheim an der Ruhr geborene Mascha Unterlehberg nach Veröffentlichung ihres ersten Romans erklärt. Der literarische Erstling der Absolventin des Leipziger Literaturinstituts kreist um eine innige, aber dennoch fragile Freundschaft von zwei Teenager-Mädchen. Jara und Anto wachsen im Ruhrgebiet auf. Anto stammt aus einer...

Kultur

Debütroman von Ines Habich-Milović
Roman als Spurensuche

Die 46-jährige Ines Habich-Milović hat bisher als Theaterautorin und Regisseurin auf sich aufmerksam gemacht. In ihrem Romandebüt setzt sie sich mit dem Lebensweg ihres als Kind nach Deutschland gekommenen Mannes auseinander. „Im Roman geht es um eine Spurensuche“, hatte die gebürtige Gelsenkirchenerin kürzlich in einem Interview mit dem WDR-Fernsehen erklärt. Vorgestellt hat sie ihren literarischen Erstling in ihrem Wohnort Recklinghausen - also mitten im Ruhrgebiet, wo ein großer Teil der...

Kultur

Kathrin Weßlings Roman „Sonnenhang“
Lebenssinn durch Seniorenheim

"In mir herrscht ganz viel Schwere, ich habe ganz viel Scheiße in meinem Leben erlebt. Aber ich bin gesegnet mit einer humorvollen Leichtigkeit, die mir hilft, da durchzugehen“, bekannte kürzlich die Autorin Kathrin Weßling, die mit ihren gerade einmal 40 Jahren schon eine Menge auf dem Buckel hat. Nach ihrem Abitur im westfälischen Ahaus ging sie zum Studium nach Köln, brach ab und arbeitete dann für vier Jahre als Regieassistentin und Souffleuse an den Hamburger Kammerspielen. Sie war als...

Kultur

Ursula Krechels Roman Sehr geehrte Frau Ministerin
Mütter und Söhne

Ursula Krechel setzt sich in ihrem neuen Roman anhand von drei höchst unterschiedlichen Frauenbiografien mit den teilweise abgründigen Beziehungen von Söhnen zu ihren Müttern auseinander. Eine fiktive Justizministerin, eine mittellose Kräuter-Verkäuferin und eine ambitionierte Lateinlehrerin stehen im Mittelpunkt. Und dann gibt es noch einen jungen Stalker, der gewalttätig wird. Die 77-jährige Ursula Krechel, die 1971 mit einer Arbeit über den Dramaturgen und Regisseur Herbert Ihering...

Kultur

Julia Schochs Roman „Wild nach einem wilden Traum“
Bei lebendigem Leib in Schrift verwandelt

Die 50-jährige Schriftstellerin Julia Schoch hat mit ihrem nun vorliegenden Roman „Wild nach einem wilden Traum“ ihre Trilogie mit dem Untertitel "Biographie einer Frau" zum Abschluss gebracht. In "Das Vorkommnis" (2022) begegnete eine Schriftstellerin auf einer Lesung eine ihr unbekannte Halbschwester und in "Das Liebespaar des Jahrhunderts" steht eine Ehe im Zentrum, die einen emotionalen Zerfall durchläuft. Im Mittelpunkt des neuen Roman steht eine namenlose Schriftstellerin, die...

Kultur

Stefanie vor Schultes Roman „Das dünne Pferd“
Wenn alles aus dem Ruder läuft

„Warum muss er finden, was niemand finden will. Warum muss er wissen, dass die Menschen selbst schlimmer sind als alle Dämonen, vor denen sie sich grausen“, hieß es über den 11-jährigen Martin, Protagonist des bitterbösen und gleichzeitig hochmoralischen Debütromans „Junge mit schwarzem Hahn“ (2021) aus der Feder von Stefanie vor Schulte. Als ihr 2021 in Hamburg der Mara-Cassens-Preis verliehen wurde, lobte die Jury: „Mit einer klaren und bildhaften Sprache, schafft es die Autorin,...

Kultur

Vor 100 Jahren wurde Friederike Mayröcker geboren
Den Kopf verlieren

„Eigentlich kann ich beim schreiben den Kopf verlieren“, heißt es in einem der späten Gedichte von Friederike Mayröcker aus dem Jahr 2019. Der Suhrkamp Verlag hat nun pünktlich zum 100. Geburtstag einen opulenten Band mit Arbeiten aus der letzten Schaffensperiode vorgelegt – chronologisch angeordnet und mit einem respektvoll-klugen Nachwort von Marcel Beyer versehen. Ihre Kreativität war imponierend. Bis zuletzt hat die grande dame der österreichischen Literatur geschrieben und fast Jahr für...

Kultur

Isabelle Lehns Roman „Die Spielerin“
Blick hinter die Fassaden

„Es ist eine Welt des schönen Scheins und der Fassaden. Eine Welt, die glänzt und durch Komplexität blendet, um zu verbergen, was sich hinter den Fassaden verbirgt.“ Mit diesen Worten hat die 45-jährige Schriftstellerin Isabelle Lehn ihren neuen Roman beschrieben, der - in rasantem Tempo erzählt – zwischen Krimi und Tragödie changiert. In „Die Spielerin“ geht es um das Doppelleben der Protagonistin A, „man umschreibt sie als Frau mittleren Alters“ - unauffällig, zurückhaltend, eher „graue Maus“...

Kultur

Katja Lange-Müllers Roman „Unser Ole“
Wenn es an Liebe fehlt

Katja Lange-Müller ist alles andere als eine Vielschreiberin. Trotz ihres relativ schmalen Oeuvres gehört sie zu den renommiertesten Stimmen der zeitgenössischen Literatur. 2016 hatte sie uns zuletzt in ihrem schmalen Roman „Drehtür“ mit der Protagonistin Asta Arnold eine herzensgute, aber letztlich gescheiterte Figur präsentiert. „Ich mag solche Figuren und ich sehe sie auch überall. Ich hatte immer solche Randfiguren, vom ersten Buch bis zum jetzigen“, hat die inzwischen 73-jährige Autorin...

Kultur

Daniela Kriens Roman „Mein drittes Leben“
Tod der Tochter

„Wie ein schwarzes Loch steht es im Zentrum meines Seins und schluckt jede Zukunft, bevor sie beginnen kann.“ Das schwarze Loch, in das die Protagonistin Linda in Daniela Kriens neuem Roman gefallen ist, weitet sich aus zu einer tiefen Lebenskrise. Sie war als Kuratorin beruflich erfolgreich und führte mit dem bildenden Künstler Richard eine glückliche Beziehung. Und dann war nichts mehr so, wie es vorher war. Die siebzehnjährige Tochter Sonja stirbt bei einem Verkehrsunfall, wird auf dem Weg...

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