Bis zum 15. Dezember - Familien stellen "Heilige Familie" in der Stadtkirche Unna aus
Weihnachtskrippe zum Vernaschen

Klaus Thorwarth (ehemals "Adler"-Apotheke Unna) stellte seit den 5oer Jahren Krippen in Laubsägetechnik her. Nach Vorlagen aus einem Buch der Nachkriegszeit. Die Figuren sind mit Wasserfarben bemalt und mit Bienenwachs konserviert. Bei Familientreffen steht die Krippe im Haus Thorwarth.
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  • Klaus Thorwarth (ehemals "Adler"-Apotheke Unna) stellte seit den 5oer Jahren Krippen in Laubsägetechnik her. Nach Vorlagen aus einem Buch der Nachkriegszeit. Die Figuren sind mit Wasserfarben bemalt und mit Bienenwachs konserviert. Bei Familientreffen steht die Krippe im Haus Thorwarth.
  • Foto: alle Bilder St. Reimet
  • hochgeladen von Stefan Reimet

Ein fester Bestandteil der Vorweihnachtszeit ist die Krippenausstellung in Unnas ältester Kirche seit fast 20 Jahren. Einige Familien aus dem weiteren Umkreis begannen damals, mit dem Aufstellen ihrer Weihnachtskrippen eine besondere, andächtige Stimmung in das Halbrund hinter dem Altar zu bringen. Jetzt hat sie mit rund 50 Ausstellungsstücken eine stattliche Größe erreicht, etwa 3.500 Besucher erwartet die Stadtkirche zu der Ausstellung in diesem Jahr.

Mit großem ehrenamtlichen Einsatz haben die Mitarbeiter der Offenen Stadtkirche Unna wieder die große Krippen-Ausstellung in der Ev. Stadtkirche Unna aufgebaut. Sie ist sehr vielfältig, ihre Erbauer stellten das Ensemble aus Bienenwachs, Balsa- oder Wurzelholz oder aus Nähmaterialien her und stellten ihre Krippen noch bis Sonntag (15.12.2019) aus.  Auch für Klaus Thorwarth (82) ist es ein Herzensanliegen, seine Krippe dort aufzubauen. Die erste Krippe sägte er als Junge im Alter von 13 Jahren. Die wackeligen Figuren perfektionierte der ehem. Apotheker ("Adler"-Apotheke) aus Unna immer weiter, anfangs standen sie auf kleinen Stöckchen, dann wurden sie aufgeklebt. Heute hilft Sand, die Füße sind bedeckt. 60 Figuren umfasst das christliche Weihnachts-Ensemble insgesamt. Klaus Thorwarth erinnert sich: “In der schlimmen Notzeit nach dem Zweiten Weltkrieg war an Geschnekne zu Weihnachten nicht zu denken.” Statt Spielzeug bekam er 1951 ein Heft als Anleitung zur Herstellung von Laubsägearbeiten geschenkt. Nach dem Do-it-yourself-Ratgeber von Paul Dohmann, erschienen ein Jahr nach Kriegsende, baute Thorwarth zahlreiche Krippen mit vier bis 60 Figuren. “Dieses Geschenk begleitete mich mein ganzes Leben lang.” Die Vorlagen aus dem Buch gibt er heute gerne an Bastelfreunde weiter. Und noch im 80. Lebensjahr bastelte Thorwarth eine kleine Krippe mit besonderem Bezug zu seiner Heimatstadt, mit dem Nicolaihaus im Hintergrund.
Klaus Thorwarth hat sich auf die Laubsägetechnik konzentriert, die eine sehr detailreiche, feine Darstellung erlaubt. Und er hat festgestellt, wie selten Krippen in Laubsägetechnik sind. Bei einer Ausstellung im Saarland etwa wurden über 500 Krippen gezeigt, keine war in dieser Technik gefertigt. Dem Geist des Weihnachtsfestes verleiht Thorwarth mit der "Unna-Krippe" damit auch lokales Kolorit.  „Das ist die beste Werbung für den Selbstbau von Krippen, das Basteln verbindet.“
Knabbern erwünscht
Witzige Idee: Nur eine Woche benötigten drei Geschwister aus Fröndenberg, um eine aus selbstgemachten Lebkuchen bestehende Krippe mit zahlreichen Tierfiguren aufzubauen. Glitzerfarben und Zuckerguss machen die in einem Glaskasten "gesicherte" Krippe zu einem Appetit anregenden Hingucker. Die Geschwister Alexa, Mirja und Rabea Lohn werden nicht warten, bis das süße Kunstwerk hart geworden ist. Von dem Naschwerk sollen Kinder etwas davon haben, die nach dem Gottesdienst am 15 . Dezember direkt zur Krippe in der Stadtkirche kommen.
Innere Mitte
Für Pfarrerin Barbara Dietrich ist der Gang durch die Ausstellung immer wieder ein Erlebnis: "Dieselbe Geschichte immer wieder neu gespiegelt zu sehen ist sehr schön." Die unterschiedliche Stile mit identischer Aussage "führen zur Mitte". Besonders fasziniere sie die große Weihnachts-Pyramide in Erzgebirge-Art. Das Kunstwerk eingangs der Ausstellung dreht sich während der Öffnungszeiten.  Und wer noch ein besonderes Präsent sucht: Dann sind auch die "Unna-Weihnachtskugeln" und die "Turm"-Retter an der Information zur Ausstellung im Verkauf. 
Krippengeschichte
Ruhe, Schutz, ein Zeichen für Leben und Hoffnung im hektischen Alltag und in politisch unsicheren Zeiten zu finden, ist seit Jahrhunderten das Motiv für Weihnachtskrippen in ihren unterschiedlichen Formen. Der Brauch geht auf den heiligen Franz von Assisi zurück. Er nahm am 24. Dezember 1223 in Greccio leibhaftig Ochs und Esel und arrangierte eine Krippe mit Heu. In Europa fand die Krippe ab dem 16. Jahrhundert durch die Jesuiten Verbreitung. Der Jesuiten-Orden baute die erste etwa 1560 in einem Kloster in Portugal auf, später in Spanien, Italien und schließlich in Süddeutschland. Die Anfangs großen Figuren wurden immer handlicher, die Heilige Familie durch Engel, Hirten und die Weisen aus dem Morgenland ergänzt. Der Zauber ist bis heute geblieben.
„Die Krippe als eine Art Urzelle gibt Ruhe“, bringt es Pfarrerin Barbara Dietrich auf den Punkt. Sie habe beobachtet: Die kleine, heile Welt lässt Besucher, die gestresst vom Einkaufsgetümmel in die Stadtkirche eintreten, im wahrsten Wortsinn geerdet wieder das Gotteshaus verlassen. „Die Familien als Aussteller identifizieren sich auch sehr mit der Kirche.“ Das Interesse ist groß. Die Gemeinde hat mittlerweile eine Liste von Teilnehmern, die im September angeschrieben werden. Für Vielfalt ist gesorgt, jedes Jahr kommen neue Krippen hinzu. Etwa eine mit Figuren in größerem Puppenformat, gefertigt aus Jute, aus dem Nachlass einer Familie. Indes platzt der Keller der Gemeinde fast aus den Nähten und so steht diese heilige Familie ausnahmsweise zum Verkauf. Aus Holz, Ton, Gips, Stoff, Metall und Papier und Papprollen sind die Krippen hergestellt. Familien aus der Unna, Holzwickede und Bergkamen bauten ihre Krippe auf.
Öffnungszeiten
Öffnungszeiten der Ausstellung: Bis Sonntag, 15. Dezember jeweils Di. - Fr. 10 bis 13 Uhr und 15 bis 17 Uhr. Samstags 10 bis 18 Uhr, sonntags 12 bis 18 Uhr. Durch die Turm-Sanierungs-Baustelle ist der Haupteingang der Kirche nur manchmal am Wochenende geöffnet - sonst erreichen Sie die Ausstellung durch die südliche Seitentür.

Autor:

Stefan Reimet aus Holzwickede

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