Dortmunder „Nazi-Kiez“ genießt jetzt Polizeischutz

Im Dortmunder Stadtteil Dorsfeld ist schon vor Jahren eine Hochburg der rechtsextremen Szene entstanden. Anfang dieses Monates übersprühten Graffiti-Künstler unter Polizeischutz eine Hauswand, die durch Nazi-Symbole in vielen Medien bekannt wurde.

Die Häuserwand erstrahlt jetzt in bunten Farben und signalisiert mit dem Schriftzug „Our colours are beautiful“ Weltoffenheit. Den Anwohner des gegenüber liegendem Hause scheint die neue Hausverzierung aber nicht so gut zu gefallen. Aus den mit Reichsflaggen geschmückten Wohnungen drang lauter Protest auf die Straßen, als die Künstler die Nazi-Symbole übermalten.

Seitdem sind mehr als zwei Wochen vergangen. Durch die Proteste sah sich die Dortmunder Polizei gezwungen das neue Graffiti schon seit seiner Entstehung unter Polizeischutz zu stellen. „Damit ein alter Angstraum nicht wiederauflebt, hat die Polizei im Schulterschluss mit der Stadt Dortmund und den Bürgern die Präsenz an der Örtlichkeit für die nächste Zeit deutlich erhöht“, bestätigte der Polizeisprecher.

Bei der Aktion war Innenminister Herbert Reul von der CDU anwesend, sowie Dortmunds Polizeipräsident Gregor Lange, der auch bestätigte: „Wir werden auch in Zukunft dafür sorgen, dass der alte Zustand nicht wiederhergestellt wird“. Seitdem steht das neue Gemälde 24 Stunden am Tag unter Schutz. Erst vergangene Woche bestätigte der Innenminister Herbert Reaul: „Dass die Polizei hier aufpasst, ist richtig und wichtig. Dass sie es muss, führt uns vor Augen, dass wir den Neonazis die Stirn bieten müssen und ihnen keinen Millimeter des öffentlichen Raumes zubilligen dürfen“.

Bürgerinitiativen, die Vertreter des Einzelhandels und verschiedene Unternehmen in Dortmund, darunter Banken, Versicherungen, Casino und Restaurants, haben ihre Zustimmung für den Polizeischutz ausgedrückt. Sie sind aber genauso wie der die Gewerkschaft der Polizei besorgt: „Auf der einen Seite ist es gut, ein Zeichen zu setzen und zu zeigen, dass man Rechtsextremismus nicht toleriert. Auf der anderen Seite werden hier sehr viele Ressourcen gebunden: Unser Personal wird auch für viele andere Aufgaben gebraucht – die bleiben im Zweifelsfall liegen.“

Wie konnte es zu der Rechtsradikalisierung der Emscherstraße in Dortmund kommen?
Einer der Gründe wird sein, dass ein Neonazi hier ein Haus besitzt und es anderen Neonazis zur Verfügung stellt. Außerdem werden durch einen weiteren Hausbesitzer drei weitere Häuser der Szene zur Verfügung gestellt, über die sie frei verfügen können.

Einer der Mitglieder der Nazi-Szene hat es sogar schon zu bundesweitem Ruhm gebracht. Unter dem Nahmen „SS-Sigi“ wird Siegfried Borchardt gerne in den lokalen und bundesweiten Medien zitiert. Er selber bevorzugt den Spitznamen „SA-Sigi“. Borchardt fiel schon in den 80er Jahren als Mitglied der „Borussenfront“ negativ auf. Die Hooligans machten schon damals regelmäßig nach Spielen des BVB in der Dortmunder Innenstadt Jagd auf Türken. Aus dieser Zeit stammen einige Anzeigen wegen Körperverletzung gegen Borchardt. Heutzutage gilt „SS-Sigi“ aber nur noch als Aushängezeichen für die Dortmunder Splitterpartei „Die Rechte“.

Seit 2000 entwickelte sich Dorstfeld zu einem Treffpunkt der Nazi-Szene. Rechtsextrema aus ganz Deutschland zog es in den Dortmunder Stadtteil, auch aufgrund der begehrten WG-Zimmer der „Autonomen Nationalisten“ in der Emscherstraße. Es heißt, dass die Bewohner die Zimmer nicht abschließen dürfen, aufgrund der sozialen Kontrolle.

Am 14. Juni 2000 kam es dann zu einem erschreckenden Höhepunkt der Dortmunder Neo-Nazi Szene. Der Dortmunder Neo-Nazi Michael Berger erschoss die Polizisten Thomas Goretzky, Matthias Larisch von Woitowitz und Yvonne Hachtkemper und erschoss sich dann selber.

Autor:

Jessica Voigt aus Velbert

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